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Rezension: Das 13. Kapitel

Der Roman Das 13. Kapitel von Martin Walser ist wohl eher für ältere, männliche Feulletonisten geschrieben. Beim ersten Nachdenken, was ich in dieser Rezension über dieses Buch schreiben möchte, ist mir jedenfalls außer dem, was auch im Klappentext steht, nicht viel darüber eingefallen. Und überhaupt habe ich mich beim Lesen die ganze Zeit über gefühlt, als sei ich einfach nicht die Zielgruppe des Romans. Vermutlich habe ich mich deshalb dabei ziemlich gelangweilt. Der Klappentext gibt jedenfalls beinahe die gesamte Handlung des Romans wieder:

Mit einem Festessen im Schloss Bellevue fängt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr lösen. Wenig später schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie glücklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen können wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein persönliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit. Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. Während sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um.

Dass kaum Handlung im Roman vorhanden ist, ist für das Buch allerdings nicht so wichtig. Vielmehr als irgendwelches Geschehen steht die Möglichkeit im Mittelpunkt in Briefen an eine fremde Person Dinge sagen zu können, die man den Vertrauten zuhause gegenüber nicht aussprechen kann. Der im Klappentext formulierte Zwang zur Antwort, den die Briefe schaffen, erschloss sich mir zwar nicht ganz, ich hätte auf einen solchen Brief eher nicht geantwortet. Aber ich bin schließlich auch weder ein erfolgreicher Schriftsteller, noch eine festangestellte Theologieprofessorin. Und schließlich muss der Roman ja irgendwie weitergehen. Auch auch die angekündigte alles umwerfende Wende fand ich nur wenig dramatisch. Letztendlich dreht sich der Briefaustausch von Schriftsteller und Professorin um die Frage, was genau Verrat am Lebenspartner und Fremdgehen bedeuten. Eine Frage, die für viele meiner Generation nicht auf die Art und Weise relevant ist, wie sie im Roman behandelt wird. Während im Roman immer noch mitschwingt, dass letztlich der Partner für alle sexuellen, emotionalen und freundschaftlichen Bedürfnisse verantwortlich ist, scheinen sich die meisten 20-30jährigen pragmatischer zu verhalten: Verschiedene Bedürfnisse können von verschiedenen Personen erfüllt werden, solange offen und ehrlich damit umgegangen wird. Die Frage, ob es Verrat ist mit einem oder einer Fremde sehr vertrauliche Briefe zu schreiben, scheint mir folglich völlig irrelevant.

Darüber hinaus lese ich gerade besonders gerne Detektivgeschichten und Fantasy – beides Genres die sich durch jede Menge Handlung und Spannung auszeichnen. Folglich war Das 13. Kapitel mit all seiner Nachdenklichkeit und seinem philosophierenden Charakter vielleicht einfach nicht das richtige Genre für mich.

Besonders enttäuscht war ich übrigens, als ich feststellen musste, dass der Titel sich nicht auf die Struktur der Erzählung auswirkt. Wie viele Möglichkeiten hätte es gegeben: Nur 12 Kapitel schreiben und einen offenen Schluss lassen. Das 13. Kapitel als dramatischen Höhe- und Schlusspunkt. Das 13. Kapitel als wirklich revolutionierenden Wendepunkt… Stattdessen stammt der Titel – angeblich – nur an einem weiteren “Verrat” des Schriftstellers an seiner Frau.

 

Martin Walser. Das 13. Kapitel.  2014 erschienen bei rororo. Taschenbuch 9,99€.


Leseliste (9): 14.10.2013

News of the Day:

Anstehende Finanzreform. Themen dabei: Länderfinanzausgleich und Solidaritätsbeitrag und Verteilung von Steuergeldern zwischen Bund und Ländern.

Subventionen im Energiebereich. Erneuerbare Energien werden weniger gefördert als konventionelle. (Und EU-Politiker wirken wieder mal als würden sie nicht die vernünftigen Interessen vertreten: Öttinger lässt im Bericht Zahlen streichen. In welchen Aufsichtsräten sitzt der eigentlich?).

Fernbusse.

US-Städte (Beispiel Oklahoma) sammeln Big Data. Wenn man den Text so liest, entsteht auch noch der Eindruck, dass die Auswertungstechnik inzwischen die Datenmenge auch effektiv bearbeiten kann. Verbunden damit natürlich die bekannten Privatsphären- und Freiheitsprobleme.

Negative Seite von Uno-Hilfe: Eingeschleppte Cholera in Haiti.

Zur Bedeutung des Schlafs. (Kommt mir als Lang- und Vielschläfer natürlich alles sehr entgegen.)

Gelesen:

Gudrun M. König/Zuzanna Papierz Plädoyer für eine qualitative Dinganalyse. (In: Hess/Moser/Schwertl Europäisch-ethnologisches Forschen): Ausführliche Darstellung der Fachgeschichte im Umgang mit den Dingen. Betonung ihres Akteurstatus. Spezifizierung dreier Zugangsmöglichkeiten bei der Dinganalyse: 1. historische Perspektive, ausgehend von den Objekten selbst. 2. problemorientierter Zugang, ausgehend von einer Fragestellung. 3. lebensweltlich-ethnographischer Zugang, nach den Alltagseinbindungen der Dinge fragend. Schön dicht, mit vielen nützlichen Verweisen.

Sabine Eggmann Diskursanalyse. Möglichkeiten für eine volkskundlich-ethnologische Kulturwissenschaft (In: Ebenda): Verweist für Methodik auf andere Fachliteratur und gibt sonst vor allem ihre eigene Diss als Beispiel für kulturanthropologische Diskursanalyse wieder. Für einen Methoden-Einführungsband nicht nützlich, egal wie richtig die Bemerkung sein mag, dass ein weiter Aufsatz über die Methode der Diskursanalyse überflüssig ist.

Diana Leonard A Woman’s Guide to Doctoral Studies

A final general issue worth exploring is a thread which runs through the new managerialism in higher education, the attempts to homogenize students (‘they can be any age, culture or gender so long as they resemble a young British man’)…


Leseliste (5): KW 39

Gelesen:

Mehr 1913 von Florian Illies. Eines der besten Zitate:

Ich werde darüber nachdenken lassen.

Zugeschrieben wird dieser Satz im Buch Franz Joseph II. Leider fehlt (und das ist der Hauptkritikpunkt am ganzen Buch) mal wieder der Beleg. Insgesamt ist 1913 überhaupt eher eines der Bücher, die man nur mit Hilfe des Internets vernünftig lesen kann. *Googelt Oswald Sprengler und Gert Fröbe* Fußnoten, Quellenangaben, weiterführende Erklärungen – ich bin offensichtlich durch die vielen wissenschaftlichen Texte, die ich ständig lese, für semi-fiktionale Literatur nicht zu gebrauchen.

Patrick Rothfuchs The Name of the Wind und The Wise Man’s Fear in einem Rutsch durchgelesen. Insgesamt ca 2000 Seiten in ‘ner knappen Woche. Sehr viel Spass. (Auch wenn man Fantasy ja schon insgesamt mal wieder anlasten muss, dass ihr die Fantasie fürs Matriarchat fehlt. Schade dass das Genre scheinbar nur in seltsamen patriarchalen Strukturen funktioniert!) Im zweiten Teil hat man sich dann auch endlich so an den Erzählstil gewöhnt, dass es nicht mehr stört, dass Rahmenhandlung und Binnenerzählung nicht auch optisch durch unterschiedliche Schrifttypen, oder ähnliches, getrennt sind. Durch die großartige Erzählkonstruktion von Rahmen- und Binnenhandlung übrigens auch ein Roman, in dem die Erzählzeit länger ist als die erzählte Zeit. Überhaupt: 2000 Seiten und es fehlt noch so viel Geschichte, deren Handlung zwar ständig angedeutet wird, aber noch nicht erzählt wurde! Außerdem die ganzen wundervollen Referenzen zu anderen literarischen Werken! (Ergänzt sich auch gut zu 1913, das auch nur so von Anspielungen strotzt! Ich liebe ja, wenn sich durch Zufall lauter Ähnlichkeiten in Texten/Seminaren … finden, die mich gerade beschäftigen.)

Was ich mal lesen sollte:

Essay von Süßkind übers Lesen


Leseliste (2) 20.09.2013

Gelesen:

Erstes Kapitel aus Virinia Woolfs Ein zimmer für sich allein. Woolfs Stream of consciousness ist ja auch eher schwierig zu lesen. Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich wirklich so anders denke, jedenfalls fällt es mir echt schwer dem Text zu folgen. Krasse Vermischung von Gedachtem und Erlebtem im Text, die wechselseitige Beeinflussung von Erlebnissen auf ihre Gedanken und ihren Gedanken auf das, was sie erlebt… Dann natürlich die schreckliche Welt, die geschildert wird: Universitäten und Colleges zu denen Frauen keinen Zutritt haben, ständige Ausgrenzung, kein Zugang zu Geld und damit auch keiner zu Wissen. Schön allerdings, dass sie von Essen schreibt! Aber ob gutes Essen tatsächlich die Gedanken mehr beflügelt als schlechtes?

Georg Schmidt: Staat, Nation und Universalismus: Weimar-Jena als Zentrum deutscher Identitätssuche im späten Alten Reich. In: Gonthier-Louis Fink, Andreas Klinger (Hg.): Identitäten. Erfahrungen und Fiktionen um 1800. Frankfurt a.M. 2004. S. 33-70. Beleuchtet die verschiedenen Ansätze, die Goethe, Schiller, Herder, Wieland, Humboldt, die Romantiker… in Weimar/Jena um 1800 in Bezug auf Staats- und Nationsbildung verfolgten. Ursache: hl. röm. Reich dt. Nation ist erkennbar vor dem Zusammenbruch. In Weimar und Jana ist die Dichte an Intellektuellen besonders hoch, deshalb kommt es zu einem besonders intensiven Austausch. Tendenziell: Bildung als Weg zur Erziehung der Menschen zu Bürgern. Eher kosmopolitisch-international ausgerichtet als streng national. Wegen der hohen Dichte komplexer Theorien eher anstrengend zu lesen. Hätte ich mal vor dem Weimarer Sommerkurs lesen sollen. Immerhin gute Wiederholung.

 


Leseliste (1) 19.09.2013

Im Herbst des letzten Jahres hatte ich es ja schon mal versucht und dann nicht durchgehalten, aber sinnvoll finde ich es immer noch: Hier im Blog meine persönliche kommentierte Leseliste zu führen. Da ich gerade zum einen jede Menge Aufsätze zur Vorbereitung auf meine Masterarbeit lese und nicht vergessen möchte, was mir dazu so alles einfällt und mich zum anderen gerade durch das Buch Kritiken schreiben von Stephan Porombka arbeite, der explizit zum führen einer kommentierten Lesejournals auffordert, starte ich hiermit den zweiten Versuch.

Gelesen:

Endlich die letzen Briefe aus Frances Burneys Evelina gelesen. Nach eineinhalb Jahren bin ich dann auch mit diesem Buch endlich durch. Warum gibt es zum Ende hin eigentlich nur noch Briefe von Evelina? So viel reifer und weltgewandter ist sie jetzt ja auch nicht geworden, dass sie den Rat ihres Ersatzvaters jetzt nicht mehr nötig hätte… Warum sind alle Männer in diesem Buch so schrecklich? Ist doch schade… Und liegt es an mir, oder sind wirklich alle (!!) Personen in diesem Buch irgendwie hysterisch?

Stephan Porobka Kritiken Schreiben. Bisher nur die ersten beiden Kapitel – jetzt muss ich mich erst mal durch die ganzen coolen Aufgaben arbeiten, die er da so stellt. Mit dem Lesejournal hab ich hier angefangen. Als nächstes dann wohl “Gehe in eine Bibliothek, die mit dem eigenen Interessengebiet absolut nichts zu tun hat und erstelle eine Bibliographie, die wiedergibt, was die aktuellen Fachtrends sind”. Sehr pointiert geschrieben, bei den gestellten Aufgaben wird total schlüssig begründet, warum sinnvoll sind, wenn man besser schreiben möchte. Klarer Stil, schlüssige Beispiele, tolle Pointierungen.

In Das Wochenendbuch  rumgeblättert. Ziemlich cool. Ein bisschen wie Schotts Sammelsurium (und vermutlich einfach dessen Vorläufer, da das Wochenendbuch ursprünglich in verschiedenen Ausgaben in den 20er Jahren veröffentlicht wurde). Anders als die Sammelsurien enthält das Wochenendbuch aber nicht unnütze (und gerade deshalb interessante) Statistiken und Fakten, sondern ist viel stärker  ausformuliert. Es gibt unterhaltsame Texte und Ideen zu allem, was einem so an einem Wochenende einfallen kann: Spiele, Vogelkunde, Wald und Wiese, Lyrik … Es ist weniger Lektüre, sondern mehr Inspiration und Ratgeber für ein unterhaltsames Wochenendprogramm. Durch die vielen verschiedenen Einzelthemen ist es gut zum Nebenher-Lesen geeignet und bietet sich auch hervorragend an mal was zu völlig anderen Gebieten zu lesen, als man das üblicherweise tut. (Herausgegeben von Francis Meynell; Übersetzt von Silvia Kinkel, Gea Olbricht, Nina Schweling, Tanya Stewner und Elvira Willems)

Irgendwie traurig, dass es solche Bücher heute nicht mehr gibt. Die Neuauflage von 2005 basiert immerhin auf verschiedenen Ausgaben der 50er Jahre. – Wäre doch ziemlich cool wenn man in jedem Hotel und jeder Pension eines finden könnte. Andererseits denke ich dann doch auch wider, wie momentan bei so vielem, dem ich in historischen Kontexten begegne und das ich dann kurz vermisse, irgendwie stellt mein Feedreader ja meine persönliche Ausgabe des Wochendenbuchs dar. Mit der großartigen Besonderheit, dass sich die Texte dort auch noch ständig ändern und quasi niemals ausgelesen sind.

Worüber mal jemand was schreiben müsste:

Dinnerparties now and then. Ein kulturhistorischer Vergleich von Abendeinladungen des gebildeten Bürgertums.


Rezensiert: Week-End Wodehouse

I have often felt a little sorry for writers like Cicero or Diogenes Laertius, or, for the matter oft that Pliny the Elder, who operated in the days before the post office came into existence. They could never tell for certain when they had pushed their stuff across and made a solid hit with the great public. For, as everybody knows, an author’s success can be estimated by the number of letters he recieves form readers. It is the acid test.

Leider fällt es mir ja eher schwer P.G. Wodehouse zu lesen. So wie ich Harry Potter nicht mehr lesen kann, seit ich die von Stephen Fry gelesenen Hörbücher kenne und Stolz und Vorurteil dann doch immer nur in der sechsteiligen englischsprachigen BBC Version gucke: P.G. Wodehouse steht für mich vor allem für Jeeves and Wooster. Und Jeeves and Wooster muss ich leider ebenfalls nicht lesen sondern ansehen. Die als Serie verfilmten Bücher sind für mich so sehr von der Darstellung Stephen Frys und Hugh Lauries geprägt, dass es völlig sinnlos ist, die Bücher zu lesen. Ich sehe ja doch nur Fry und Laurie und höre deren Stimmen.

Und dann denke ich doch wieder: Hmm alle schwärmen von Wodehouse, die Serie ist so genial, das bisschen, das ich doch gelesen habe ist so nahe an der Serie (natürlich in Wirklichkeit umgekehrt), ich sollte es doch noch einmal versuchen. Jetzt bin ich über Week-End Wodehouse gestolpert (ebenfalls beim Stöbern in der Uni-Bibliothek) und allein für das obige Zitat hat sich die Sache schon gelohnt. Vermutlich hilft es, dass das Buch aus einzelnen Kapiteln besteht, die schnell gelesen sind und nicht miteinander im Zusammenhang stehen. Vermutlich hilft es auch, dass Jeeves and Wooster bisher noch nicht vorgekommen sind. Andererseits: Nur nicht namentlich. Denn die Charaktere, die bisher aufgetaucht sind, erinnerten durchaus an Charaktere, die ich schon kannte. Aber es ist ja andererseits auch nicht so recht möglich zu viele lustige Geschichten von leicht vertrottelten, ziemlich schrägen und sehr spleenigen Upperclass Gentlemen zu lesen.


Rezensiert: Seperate Beds

Inzwischen finde ich die meisten Bücher, die ich so lese ja auf die folgende Art: Ich muss irgendein Buch, das ich fürs Studium brauche aus dem Freihandmagazin der Bibliothek selbst abholen. Nur zum Spass gucke ich dabei natürlich auch immer noch ein bisschen die Titel links und rechts und im Regal davor und danach an. Besonders in den Realen mit den Anschaffungen ab 2010 ist das eine sehr “gefährliche” Methode. Denn üblicherweise landen so nicht nur die zwei bis drei Bücher die ich wirklich brauche, sondern auch noch zwei bis drei weitere, die interessant oder spannend klangen in meinem Korb. Damit ich wenigstens hin und wieder auch ‘was Literarisches lese, ist das dann meistens Belletristik. Der Anschaffungspolitik der Bibliothek geschuldet meistens englischsprachig.

Am Freitag stolperte ich so über Seperate Beds, das mir wegen des hübschen cremefarbenen Einbandes mit der schönen blauen Schrift aufgefallen war. Dann packte mich auch noch aus Gründen, derer ich mir nicht so ganz klar bin, der erste Absatz:

Zosia said to Annie, “I’m glad you got home befor I left.”

Annie dumped a wohle lot of Christmas shopping on the table and ran her fingers through her hair. Bad hair day. Very bad hair day. “So am I. Are you in a hurry? Would you like a glass of wine?”

There was just the two of them in the kitchen and the house was quiet and dark. Zosia always turned the ligths off as she worked through the rooms. When Annie commente on this thrift, she had replied, “We must not waste,” for the deprivations of Zsoia’s upbringing were lodged deep in her.

Elizabeth Buchans Geschichte beginnt mit dieser idyllischen Szene – kurz bevor das Unglück voll zuschlägt und für die Familie alles immer nur noch schwieriger wird. Ich musste beim Lesen die ganze Zeit über an J.K. Rowlings The Casual Vacancy denken. Ausgelöst von einem Schicksalsschlag werden die Figuren in einen Strudel des Unglücks gezogen. Anders als bei Rowling sind diese aber nicht völlig kaputt und emotional unfähig und deshalb wesentlich glaubhafter. Jedes Familienmitglied schleppt seine persönlichen Probleme mit sich herum – aber gleichzeitig werden alle doch so geschildert, dass sie auch positive, liebende Seiten haben und somit differenziert und menschlich erscheinen. Ich zumindest habe das Buch voll Spannung gelesen. Nicht diese atemanhalten und die gesamte Nacht druchlesen Art von Spannung, sondern die intensivere mitfühlende, über die Figuren in Lesepausen nachdenkende und ihnen das Beste wünschende Spannung. So ist es auch ganz gut, dass die Figuren unter mit sich ringen, Rückfällen und Streitigkeiten sich mit ihren Problemen arrangieren. Den alten und den neuen.

 

Ich habe jedenfalls schon lange kein Buch mehr so gerne gelesen, wie Seperated Beds.


Rezension: Kochen für Geeks

Eine Freundin aus meiner Kochgruppe (yey! wöchentliche Treffen um gemeinsam zu kochen, zu essen und Serien durchzuhecheln) hat mir das wundervolle Buch Kochen für Geeks von Jeff Potter (Übersetzung: Petra Hildebrandt) ausgeliehen.

Und ich habe zwar noch nichts draus gekocht: Aber allein das Lesen macht solchen Spass! Eigentlich ist das Buch nämlich gar kein normales Kochbuch, sondern viel mehr eine Handbuch, das Prozesse des Kochens erklärt. Hinterher weiß man also nicht, was man kochen soll, sondern was man beim kochen warum wie tut und es auf dieser Basis der eigenen Vorlieben anpassen zu können bzw. die eigenen Fähigkeiten mit diesem Wissen verbessern zu können. Besser verstehen was ich beim Kochen eigentlich tue – großartig! Darüber hinaus schreibt Jeff Potter wirklich pointiert und hat beinahe für jeden Satz eine amüsante Anekdote zur Hand. Oder eine lustige technische Anspielung. Oder einen xkcd-Comic. Oder einen qi-esken Fakt.


Rezensiert: Walküre in Detmold

Die Walküre in Detmold von Ralph Bollmann steht schon seit zwei Jahren auf meinem Amazon-Wunschzettel. Genauer gesagt steht das Buch dort, seit Anke Gröner es in ihrem Blog gleich zwei mal zitierte. Jetzt bekam ich es glücklicherweise auf Reisen zwischen die Finger. Und auch wenn ich das Buch leider nicht zu ende lesen konnte, muss ich ganz dringend darüber schreiben. Es gibt nämlich eine ganz großartige Lektüre für zwischendurch, bei der man auch einfach mal quer lesen kann.

Obwohl ich ja durchaus sehr an der so genannten Hochkultur interessiert bin, halte ich das Buch, das eine Art Opernführer ist, nicht nur für Operngänger sehr lesenswert. Ralph Bollmann schreibt nämlich uneingebildet, aber klug und pointiert über seine Reisen kreuz und quer durch Deutschland. Walküre in Detmold entstand aus der Beobachtung, dass es in Deutschland mehr Opernhäuser gibt, als im gesamten Rest der Welt zusammen und aus dem Plan alle diese Opernhäuser auch zu besuchen. Ralph Bollmann reiste also mehrere Jahre durch Deutschland und besuchte Opernaufführungen. Dabei herausgekommen ist ein Reisebericht, der gespickt mit historischem und kunsthistorischem Wissen ist. Die ununterbrochen eingewobenen Anekdoten machen besonders Lust, in den Zug zu steigen und ebenfalls quer durch Deutschland zu reisen. Man könnte dann ebenfalls bedeutende Bauwerke besichtigen Museen, Theater- und Opernaufführungen besuchen und am Ende ein bisschen gebildeter sein. Das jedoch ohne zwanghaft lernen zu müssen, sondern durch Erfahrung und Anschauung, die auch noch Spass macht.

Ich werde also gleich mal eine Spardose mit der Aufschrift “Kulturreisen” anlegen. Denn egal wie günstig laut Bollmanns Beschreibungen die einzelnen Opern auch sein können: Mein schmaler Studentengeldbeutel gibt so viel Kulturkonsum dann doch nicht her.


La Traviata

Kaffeehaus, Theater, Oper – wir steigern die Opulenz. In die Wiener Staatsoper geht man ja vor allem des Gesamterlebnisses wegen. Das ist in der Staatsoper in Wien mit der richtigen Strategie sogar durchaus erschwinglich. Denn – und ich erzähle hier leider kein echtes Geheimnis – eine Stunde vor Vorstellungsbeginn wird im Opernhaus die Abendkassa mit den Stehplatzkarten geöffnet. Und für “normale” Vorstellungen reicht es locker, kurz davor an der richtigen Kasse anzustehen. Wobei das “die richtige Kasse” deutlich betont werden muss: Sonst irrt man nämlich erst mal durch das halbe Haus und steht dann eine Viertelstunde später am Ende einer langen Schlange. Der zweite Trick ist, nachdem man die Karte erworben hat, auf keinen Fall zu denken, man könne jetzt noch gemütlich einen Kaffee trinken und eine Kleinigkeit verzehren. Denn die Stehplätze sind nicht nummeriert und werden überbucht. Also heißt es los stürmen und Plätze mit Sicht und Schall zu sichern. Denn leider ist die Akkustik im Opernhaus eher durchwachsen. Deshalb hört man zweiten Balkon das Orchester deutlich besser als die Sänger, was doch etwas störend ist.

Hat man diese Ratschläge befolgt, kann man sich die Zeit mit “sehen und gesehen werden” vertreiben. Obwohl das Publikum bei unserem Besuch leider nicht halb so herausgeputzt war, wie ich mir das gewünscht hätte. Aber nun leben wir ja nunmal nicht mehr in der k.u.k. Monarchie und müssen deshalb auf eine gewisse Portion Opulenz verzichten.

Leider wussten wir nicht, was die perfekte Strategie ist, einen Stehplatz zu ergattern. Deshalb fanden wir uns kurz vor Vorstellungsbeginn mit zu vielen anderen Menschen am Balkon wieder. Von dort konnten wir nur mittelgut hören und dazu auch noch nur die Hälfte der Bühne sehen. Und dazu auch noch die falsche, denn aus irgendwelchen Gründen wurde vor allem auf der für uns nicht einsehbaren Hälfte gespielt. (Liebe DramaturgInnen/RegisseurInnen/etc. bitte bedenkt doch, dass nicht ausschließlich Menschen mit zu viel Geld für zu teure Opernkarten eure Aufführungen sehen wollen. Es wäre doch nett, wenn so gespielt werden würde, dass vom Balkon aus wenigstens hin und wieder etwas von der Handlung erahnt werden kann.)

Dummerweise bin ich damit nun an dem Punkt meines Opernbesuches angelangt, wo mir die Worte fehlen: Wie war die Aufführung von La Traviata? Leider fehlen mir ja sowohl die grönersche Begeisterungsfähigkeit, als auch das nötige analytische Wissen um wirklich etwas zur Musik sagen zu können. Darüber hinaus gehe ich auch quasi nie in die Oper und kann noch nicht mal aus minimalistischem Erfahrungsschatz schöpfen. Die Phrase “Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut” zu verwenden, trifft es dann ja doch nicht so genau. Ich sage also: Ich habe noch nicht so besonders viel Verdi gesehen, fand die Musik aber irgendwie cool. Im Gegensatz zu Wagner kann ich mir durchaus vorstellen Verdi auch so anzuhören.

Die Quintessenz ist also: Geht in die Oper es lohnt sich auf jeden Fall (außer bei modernen Inszenierungen der Zauberflöte *schauder*). Und: ich muss mehr in die Oper gehen!

La Traviata kann man in der Wiener Staatsoper in dieser Spielzeit noch an folgenden Terminen sehen:

  • 08. Mai 2013 | 19.30
  • 11. Mai 2013 | 19.30
  • 14. Mai 2013 | 19.30
  • 17. Mai 2013 | 19.00