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Овувь: Schuhe

Russinnen tragen High Heels. Dieses Klischee hatte ich auch, bevor ich nach Russland gefahren bin. Die Realität ist natürlich vielfältiger: natürlich sieht man auf den Straßen häufiger Frauen, die hohe Schuhe tragen. Es gibt aber genauso Sneakers, flache Schuhe, Schuhe mit flachem Absatz, Schuhe mit Keilabsatz oder Schnürschuhe.

Was mir besonders auffällt, ist das trotz Regen oder matschigen Schnee die Russen in Gebäuden dann relativ saubere Schuhe haben. In den Toiletten habe ich auch oft schon die Leutet beobachtet, wie sie ihre Schuhe sauber machen. In den Theatern ist es beispielsweise Usus, dass  Frauen Wechselschuhe mitbringen und an der Garderobe ihre Straßenschuhe abgeben.
Trotzdem hält das Wetter die Frauen nicht davon ab, hohe Absätze zu tragen.

Das Prozedere beim Schuhkauf in Russland unterscheidet sich von meinen deutschen Erfahrungen. In Deutschland sind die meisten Schuhläden nach Größen sortiert. Der Kunde kann nach Lust und Laune Schuhe anfassen, herausziehen und probieren und wieder zurückstellen. In St. Petersburg habe ich es bisher nur so erlebt, dass die kleinste vorhandene Größe im Regal steht (z.B. 35) und man dann die jeweilige Größe beim Verkäufer erfragen muss. Der verschwindet dann erstmal ins Depot, um die richtige Größe zu finden. Dieses System mag natürlich dem geringeren Platz geschuldet sein, denn manchmal gibt es auch die Sortierung nach Größen für jedes Modell auch in Russland. Sehr interessant ist auch, dass häufig mit “Schuhe made in Germany” geworben wird. Gute Schuhe kommen für den Russen wohl aus Deutschland. Daher findet man in St. Petersburg nebem einem Salamander-Laden auch einen Riekerschuhladen und Geschäfte mit Tamaris oder Marco Tozzi Schuhe.


автобус: Bus fahren in Russland

Bus fahren schein so einfach zu sein:  Einsteigen, Karte kaufen, Aussteigen. Natürlich war mir bewusst, dass es vermutlich in einer Fremdsprache schwieriger sein könnte, die Durchsage der Bushaltestelle zu verstehen. Aber Russland überrascht auch in diesem Punkt den planorientierten Deutschen.

Bushaltestelle

 

Fahrplan? Streckenübersicht? Oder gar ausgewiesene Nachtlinien? Häufig Fehlanzeige! In Russland muss man anscheinend das “Bus-Gen” haben, um sich zurecht zu finden. Nebenbei hilft es natürlich Russisch zu sprechen. In Sankt Petersburg und Moskau steht meistens ja noch zumindest die Stationen und die aktuelle Haltestelle am Schild, sowie die Busnummern, die hier halten sollten. Warum das dann alles in 3 Metern Höhe sein muss, sodass man kaum die klein geschriebenen Stationsnamen lesen kann, erklärt sich mir nicht. Während in Deutschland meist der Platz von Bushäuschen dazu genutzt wird den Fahrplan aufzuhängen oder sogar grafisch die Busroute in den Kontext eines Stadtplans einzubetten, gibt es das Bushäuschen hier oft gar nicht und man muss manchmal erst nach der Haltestelle suchen, die durch ein Busschild ausgewiesen ist.

In den Großstädten kann es dann schon mal verwirren, wieso es zwei  Linien 10 gibt. Wenn man nicht genau hinschaut, dann sieht man nicht, dass ein Bus ein ganz normaler Bus ist, während die zweite Linie 10 ein sogenannter Trolleybus ist oder auch Oberleitungsbus, der mittels Strom fährt und über eine Oberleitung den Strom erhält. Neben den Bussen und Trolleybussen gibt es dann noch die “Marschrutkas”.

Für den Ausländer sind diese dann die Kür beim Busfahren. Marschrutkas folgen zwar meist einer gewissen Richtung, allerdings halten sie im Gegensatz zu Bussen nicht an allen Haltestellen, sondern nur nach Bedarf. Das heißt, mitunter kann man auch, wenn man es mit dem Fahrer abspricht zwischen zwei offiziellen Haltestellen am Weg aussteigen. Stationen werden gar nicht angesagt und wer nicht weiß, wo er aussteigen muss und kein Russisch spricht hat ein Problem. Ansonsten kann man den Fahrer fragen, dass er einen darauf aufmerksam macht, wann man aussteigen muss. Die Marschrutkas sehen auch nicht wie klassische Busse des öffentlichen Nahverkehrs aus, sondern sind meist umgebaute Kleinbusse, die nur bis ca. 15 Menschen transportieren.
Je nach Stadt und Bustyp bezahlt man anders: in St. Petersburg beispielsweise gibt es den “кондуктор” (kondúktor), bei dem man für 30 Rubel eine Fahrkarte erwerben kann oder seine Monatskarte “entwertet”. In Moskau hingegen zahlt man beim Fahrer und geht dann durch ein Drehkreuz. Da die Marschrutkas schneller und kleiner sind, kosten sie mehr als der Bus für die gleiche Strecke. Zudem spielt die Streckenlänge eine Rolle: je weiter, desto teurer. Den Fahrtpreis zahlt man direkt beim Einsteigen beim Fahrer.

Wie kann man sich aber nun trotzdem zurechtfinden, auch wenn man nur rudimentär Russisch spricht? Die meisten Busse haben im Fenster eine Tafel mit den wichtigsten Haltestellen, oft sind auch die Metrostationen angegeben. So kann man zumindest mal grob abschätzen, in welche Richtung ein Bus fährt. Wenn es den “Konduktor” gibt, kann man diesen auch fragen. Ansonsten ist es sinnvoll, sich einen Stadtplan zu kaufen, in dem die Busse, Trolleybusse und Marschrutka – Routen eingezeichnet sind. Dann muss man sich nur noch auf die richtige Straßenseite stellen und die russischen Durchsagen verstehen, um an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Oder jemanden fragen. Denn ohne Russischkenntnisse bleibt Busfahren in Russland ein Abenteuer.


пла́вание: Schwimmen in Russland

Man könnte denken, dass ins Schwimmbad gehen überall gleich abläuft. Schließlich unterscheiden sich Hallenbäder nicht wesentlich voneinander – Umkleiden, Duschen, Schwimmbecken sind schließlich die drei konstitutierenden Teile eines Hallenbads. Aber auch hier hat mich Russland eines besseren belehrt. Man muss dazu sagen, dass ich ein Hallenbad, das von der Universität betrieben wird, besucht habe.

Denn zunächst einmal, auch wenn jeder es theoretisch benutzen kann, ist ein einfacher einmaliger Besuch nicht möglich. Man muss schon ein Abo nehmen, bei dem man sich auf eine genaue Zeit festlegt, zu der man wöchentlich Schwimmen gehen möchte. Zudem ist die Schwimmzeit und Umkleidezeit strikt begrenzt: 15 Minuten für Duschen und Umziehen, 30 Minuten Schwimmen. Das liegt natürlich auch daran, dass es sich um ein kleines Hallenbad handelt und so ein Maximum an Leuten davon profitieren kann. Abhängig von der gewählten Tageszeit ist der Tarif natürlich teurer oder günstiger. Es gibt zwar auch eine Möglichkeit, ein Abo zu nehmen, bei dem man nicht an eine bestimmte Zeit gebunden ist – das kostet dann aber monatlich soviel wie sechs Monate bei einer festgelegten Zeit. Bevor man das erste Mal von seinem Abo Gebrauch machen kann, muss man auch zuerst zum Arzt gehen, um kontrollieren zu lassen, ob man gesund genug ist, Schwimmen zu gehen.

Außerdem geht man zuerst zu einer Garderobe, in der man neben seiner Jacke auch seine Schuhe abgeben muss. Dort zieht man seine Badeschlappen an und kann dann erst in den ersten Stock gehen zu den Umkleiden. Dort kann man bei einer Art Rezeption sich einen Schlüssel holen für einen Spind.

 


благодарить: Arztbesuch auf Russisch

Wie sehr die Vergangenheit noch die Lebenswirklichkeit von heute prägt, zeigt der Usus des “благодарить [blagodarit’]” in Russland. In Sowjetzeiten war die medizinische Versorgung umsonst, was unter anderem für lange Warteschlangen sorgte für gewisse Behandlungen und Operationen. Heutzutage benötigt man natürlich eine Krankenversicherung. Das heißt jedoch leider nicht, dass mit der Versicherung alles abgedeckt ist. Denn wie deutsche Kassenpatienten erleben Russen für manche Operationen oder Behandlungen lange Wartezeiten. Eine Lösung dafür ist, den Arzt schwarz zu bezahlen und plötzlich hat man sofort einen Termin. Darüber hinaus hat sich aus den Sowjetzeiten ein weiterer Usus erhalten: der des “благодарить” [blagodarit’], was wortwörtlich nur “bedanken” heißt. In Sowjetzeiten war es üblich sich für das gute Gelingen einer Operation bei dem Arzt zu “bedanken” in Form von damals beispielsweise seltenen Kognak, Pralinen, aber auch Geld. Insbesondere Gynäkologen hatten so einen guten Zuverdienst, da sie für jede Geburt einen kleinen “Dank” erhielten. Diese Tradition des “Danks” hat sich bis heute noch erhalten. Wer also eine komplikationsfreie OP möchte oder schöne Zähne, investiert so zusätzlich in seinen Arzt. Selbstverständlich hängt es auch von der einzelnen Person ab, ob sie so etwas annimmt. Da aber Ärzte im Verhältnis nicht so gut bezahlt sind, kann es auch heute noch eine gute Einkommensquelle darstellen.

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass diese Tradition des “Arztdankes” nicht nur im Sowjetrussland vorhanden war. Auch in Ungarn gab es diese Tradition und auch hier hält sich der “Dank” bis heute.


туалет: Warum es besser ist, immer Taschentücher dabei zu haben

ToilettencodeschlossWer in Russland ein dringendes Bedürfnis verspürt, ist gut beraten ein paar Taschentücher bei sich zu haben. Denn ausgenommen große Museen, Theater und guten Restaurants, kommt es häufig vor, dass es kein Klopapier gibt. Auch an Universitäten sind WCs mit Klopapier eine Seltenheit.Das liegt bei den Universitäten einerseits daran, dass dafür die Mittel fehlen. Andererseits spielt hier auch das Verhalten einiger Russen ein Rolle. Denn nicht selten nehmen einige Russen einfach Klopapier mit nach Hause. Die Mittelknappheit führt an meiner Universität dazu, dass die Toiletten, die mit Klopapier ausgestattet sind, nur zu betreten sind, wenn man den richtigen Code für die Türe weiß. Die Tür im Bild öffnet sich nur, wer alle richtigen Zahlen gleichzeitig drückt. Wer ihn nicht weiß, muss ihn erst im Sekretariat erfragen.

 


делать покупки: Einkaufen in Russland

Wer als Durchschnittsdeutscher ans Einkaufen in  Russland denkt, wird vermutlich zunächst einmal an sowjetzeitenähnliche trist graue Supermärkte denken. Doch 25 Jahre Marktwirtschaft zeigen Wirkung, wenn auch das Produktangebot durch die aktuellen Sanktionen durch die EU wieder eingeschränkt wird.

Zunächst einmal ist es erstaunlich wie viele Supermärkte bzw. kleine Lebensmittelläden es in einer Großstadt wie St. Petersburg gibt. Vornehmlich im Zentrum gibt es kleine Lebensmittelläden, die meist ein begrenztes Sortiment an alltäglichen Lebensmitteln wie Wurst, Käse und Konserven haben, aber vor allem eine größere Auswahl an Getränken alkoholischer wie nicht-alkoholischer Natur bereithalten. Als Ladenschild dient meist nur eine kleine Leuchtreklame mit der Aufschrift “продукты” [produkty]. Die Preise liegen meist über dem Durchschnitt der größeren russischen Supermarktketten. Daneben gibt es Supermärkte wie “Перекрёсток” [Perekrjostok] oder “Дикси” [Diksi], die sich wohl am ehesten preislich und vom Sortimentsangebot mit den deutschen Edeka oder Rewe vergleichen lassen. Konzeptuell ähnlich zu Aldi scheint mir persönlich “Копейка” [Kopejka].
Daneben gibt es  Hypermärkten, die sich alle außerhalb des Zentrums befinden und nicht selten neben einem großen Einkaufszentrum liegen bzw. darin integriert sind. Beispielsweise “Лента” [Lenta], “О’кей” [Okey] oder auch “Ашан” [Auchan]. Um die Kunden dorthin zu bringen, gibt es teilweise kostenlose Shuttlebusse von den naheliegenden Metrostationen aus.
Die großen Unterschiede zwischen deutschen und russischen Supermärkten liegen zum einem bei den Öffnungszeiten, dem Sortiment und den Verpackungsgrößen.
Während man in Deutschland als Berufstätiger froh sein darf über die Öffnungszeiten bis 20 Uhr der meisten größeren Supermärkte unter der Woche, gibt es hier in St. Petersburg viele Supermärkte, die bis 22 oder 23 Uhr geöffnet haben. Das gilt nicht nur für Werktage, sondern auch am Wochenende. Einige größere Supermärkte sind sogar 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffnet. Dafür öffnen manche erst ab 9 Uhr morgens.
Das Sortiment unterscheidet sich selbstverständlich durch die anderen Essgewohnheiten. Zwar sind russische Supermärkte ähnlich den deutschen aufgebaut, dass heißt das man zunächst einmal die Obst- und Gemüseabteilung kurz nach dem Eingang hat und erst dann wahlweise zu den Frühstücksartikeln und Milchprodukten kommt und erst ganz zuletzt Hygieneartikel und Getränke vorfindet.
Dennoch gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Preise und der angebotenen Qualität. In Deutschland ist es in Supermärkten Standard, dass das Gemüse bereits gewaschen angeboten wird. Hier gibt es häufig Gemüse auch ungewaschen angeboten, zum Beispiel Karotten, Rote Bete oder Kartoffeln. Die ungewaschenen Feldfrüchte sind natürlich günstiger als die Gewaschenen. Zudem gibt es einen größeren Umfang an angebotener Qualität. In den Auslagen liegen zum Teil angestoßene Früchte, Obst und Gemüse verschiedenster Größen oder sehr reife Früchte, wie braune Bananen oder sehr kleine Auberginen. Preislich sind vor allem relativ regional vorhandene Gemüse – und Obstsorten günstig, wie z.B. Weißkohl, Kartoffeln, Karotten, Rote Bete oder Äpfel. Paprika, Tomaten oder Gurken hingegen sind im Vergleich dazu jedoch teuer. Zum Beispiel, kann man 1 Kilo Kartoffeln für 15 Rubel bekommen, während Paprika 114 Rubel kosten. Selbstverständlich spiegelt der Preis auch saisonale Verfügbarkeit von Gemüse – und Obstsorten wider.
Insgesamt scheinen mir die Preise jedoch im Vergleich mit Deutschland im Schnitt höher. Sobald man mehr als die Standardprodukte (wie z.B. Eier, Milch, Mehl…) kauft, wird die Rechnung deutlich höher. Vor allem wenn man sich Preise für Fleisch, Wurst und Käse anschaut. Dies hängt einerseits sicherlich mit den Sanktionen der EU gegenüber Russland zusammen. Andererseits sprechen folgende Zahlen aber auch für sich: während in Deutschland Haushalte im Schnitt rund 13 % für Lebensmittel ausgeben, gehen in Russland rund 28% vom Budget für Lebensmittel weg. Das würde auch mein Gefühl erklären, ständig sehr viel für Lebensmittel auszugeben.
Ein weiterer Stolperstein für einen Deutschen ist das aufgedruckte Datum. Während in Deutschland meist nur das Mindesthaltbarkeitsdatum abgedruckt ist, findet man in Russland häufig auch (nur) das Produktions – bzw. Abfüllungsdatum abgedruckt. So muss man tatsächlich immer prüfen, welches Datum nun gemeint ist.
Außerdem haben Verbraucherverbände hinsichtlich der Preistransparenz in Deutschland schon ganze Arbeit geleistet. Oft stehe ich vor dem Preisschild und suche zunächst nach einer Angabe, ob der Preis z.B. bei Obst je 100g oder pro Stück ist. Während in Deutschland anschließend noch der Kilopreis angegeben ist des Produkts, fällt das in Russland komplett weg. Daher muss man manchmal ganz genau hinschauen, ob das Produkt denn nun günstig ist oder im Rahmen liegt. Denn die angebotenen Verpackungsgrößen sind häufig ungerade Größen, z.B. statt 1 kg nur 900g Zucker, statt 200g löslicher Kaffee nur 180g. So fällt der Preisvergleich im Geschäft sehr schwierig aus und findet bei Zeitnot meist gar nicht statt.
“3 zum Preis von 2” – Aktionen sind beliebt, genauso bei Diksi beispielsweise ausgewählte Aktionsartikel noch einmal extra an der Kasse jedem Kunden angeboten werden.
Wer eine größere Gemüse – und Obstauswahl möchte, kann auch noch auf einen der Märkten gehen. Allerdings muss man hier zumindest Grundkenntnisse in Russisch haben, um entsprechend bestellen und reagieren zu können.

 


Liebeskummer für einen Ort

Als ich zum Studium nach Göttingen gezogen bin, hatte ich das große Glück die für mich perfekte Wohnung zu finden. Eineinhalb Zimmer im Dachgeschoss einer Ostviertel-Villa. Tauben und Student*inn*en wohnen unter dem Dach. Sie war wie aus einem Studentenroman. Mit Dachschrägen und Kompromisslösungen, die sie überhaupt erst finanzierbar machten. Mein Badezimmer ging direkt in mein Schlafzimmer über und mein Waschbecken war auf dem Flur, der direkt ins Treppenhaus führte und wo auch die anderen Bewohner durch mussten um zum Wäscheboden zu kommen, aber das war egal. Ich hatte keine echte Küche, aber eine perfekte Lösung mit Minikitchen inklusive Backofen und Ceranplatten und Spülschüsseln, um im Waschbecken auf dem Flur mein Geschirr zu spülen. Mein Papa hatte mir das perfekt angepasste Küchenregal mit eingebautem Tisch geschreinert.

Durch die drei Fenster des großen Zimmers – Küche, Wohn- und Arbeitszimmer in einem – konnte ich direkt auf einen wunderschönen großen Garten und den Park blicken. Ich hatte die perfekte 30-Minuten-Spazierroute durch Park und Stadtwald, die nicht zu lange dauerte, um völlig aus meinen Gedankengängen zu fallen, aber meinen Kopf frei machte.

Im Sommer war es unter dem Dach fast zu heiß und im Winter konnte ich nicht ohne extra Pulli über den Flur von der Wohnarbeitsküche ins Schlafbad gehen ohne zu frieren. Dafür war der Weg in den Park mit eiskaltem Flusslauf nur ein Katzensprung und kuschelige Decken und warmer Kakao sind im Winter sowieso eine gute Lösung.

Ich hatte die liebste Nachbarin der Welt, bei der ich schon mal ein Ei leihen konnte und mit der zusammen ich ein Milchabo hatte. Und die immer für fünf Minuten oder auch eine Stunde Gespräch zwischen Tür und Angel bereit war. Und auch wenn mein Zimmer nicht groß war – acht Leute zur Teestunde passten doch gerade so rein und machten es erst so richtig gemütlich.

Mein Schlafzimmer war der perfekte Rückzugsort. Die Dachschrägen machten es zur kuschligen Höhle, die rote Wand tat ihr Übriges. Nur die Sterne konnte ich nicht durchs Dachfenster zu beobachten, dazu war es zu klein. Aber der prasselnde Regen darauf war oft genug meine beruhigende Einschlafmusik.

Aber am wichtigsten war doch: Es war mein Zuhause. Ich konnte allein sein, wenn ich wollte oder Freundinnen einladen, wenn ich Lust auf Gesellschaft hatte. Ich hatte mein Bett, meinen Schreibtisch und meine Küche an einem Ort. Meine Bücher waren da, wo ich war. Das Bad und die Küche waren MEINS. Auch wenn sie nicht perfekt und eher provisorisch waren. Nicht alle Möbel gehörten mir, aber die, die da standen, hätten genauso gut von mir ausgesucht sein können. Sie erinnerten mich an die Möbel zuhause bei meinen Eltern. Ich hatte einen gelben Teppich, eine blaue Decke über dem Sofa und Holzmöbel, die dass Zimmer warm machten. Vielleicht schien es so kleiner als mit weißen und schwarzen Möbeln und glänzendem Stahl, aber dafür war es nicht kalt und steril. Die Wohnung passte genau so, wie sie war, zu mir. Sie war praktisch und gemütlich, warm und kuschelig, klein aber fein. Sie konnte Kompromisse eingehen, die sich als hervorragende Lösungen herausstellten.

Anders als in der WG, in der ich jetzt arbeite, waren Dreck und Unordnung wenigstens mein Chaos. Anders als beim Wohnen bei meinem Freund, hatte ich selbst mir den Ort ausgesucht und eingerichtet. Ich hatte meine Plätze. Und die Dinge, die ich besaß, waren an einem Ort. Nichts hasse ich momentan so sehr, wie das Gefühl zwischen zwei Orten zerrissen zu sein, an keinem wirklich zu leben, nirgends zu 100 Prozent zuhause zu sein. Nichts vermisse ich immer und immer wieder so sehr wie diese erste eigene Wohnung, die meine war und das beste erwachsene zuhause, das ich mir vorstellen kann. Noch immer – weit über ein Jahr, nachdem ich ausziehen musste – ist diese Wohnung der Ort an den ich mich zurückwünsche, wenn es mir nicht gut geht.

Ich habe über ein Jahr gebraucht, um an dem Haus, in dem diese Wohnung war, wieder vorbei gehen zu können. Wenn ich länger an sie denke, fällt es mir immer noch schwer, nicht in Tränen auszubrechen. Ich glaube ich habe immer noch Liebeskummer nach dieser Wohnung.


Eine Nähmaschine!!!

Das beste Geburtstagsgeschenk seit langem! (Es ist jetzt fast zwei Wochen her, aber sobald ich dran denke, dass ich jetzt eine eigene Nähmaschine habe, möchte ich noch immer Luftsprünge machen.)

Nähmaschine – verpackt. Ein super Geburtstagsgeschenk!

DANKE an Mama, Papa, Oma M., Opa M., Oma W., Opa W., Schwester, Bruder 1, Bruder 2, Freund. Ich hoffe euch ist klar, dass ihr zu Weihnachten alle selbstgenähte Textilien bekommt:)

Die schon erwähnte freie Zeit seit der Abgabe meiner Masterarbeit habe ich jedenfalls genutzt um fleißig zu nähen. Um die Nähmaschine erst mal kennen zu lernen habe ich mir zunächst was einfaches ausgesucht und eine Nackenrolle genäht.

Nackenrolle im Affendesing

Ich liebe ja bunte Stoffe! Und Farben. Und Muster. Solange ich mir selbst aussuchen kann, was drauf ist. Die Affen wären jetzt nicht meine erste Wahl gewesen, aber das Kissen ist ja auch nicht für mich <3.

Für mich ist dagegen eine Stiftrolle. Seit langem ärgere ich mich ständig darüber, dass ich meinen einen teuren Füller immer in einem Extrakästchen mit mir rumschleppe, weil ich nicht möchte, dass er in meinem Schlampermäppchen voller Kram zerkratzt. Aber irgendwie ist mir keine gute Lösung eingefallen. Dann stolperte ich bei der Suche nach Geburtstagsgeschenken auf Dawanda über hübsche Stiftrollen. Die Idee war zwar prinzipiell klasse, aber leider nutze ich normalerweise viel zu viele Stifte, um sie alle in einzelne Fächer zu packen. Und eine Rolle mit integriertem Mäppchen gab es nicht. (Inzwischen weiß ich auch warum.) Also dachte ich, naja, das muss doch ganz einfach gehen und habe ein Schnittmuster entworfen. Hübscher Stoff war auch schnell gefunden und das Produkt sieht so aus:

Stiftrolle, mit Schlampermäppchen und Extrafächern für Füller und Kleinkram

Stiftrolle geschlossen

Inzwischen weiß ich auch, warum es so was nicht zu kaufen gibt: Der Schlampermäppchenteil der Stiftrolle ist kaum zu nähen, weil man an alle Stellen nicht ordentlich hin kommt, nicht auf links (also von innen) arbeiten kann, da man dazu das Mäppchen umstülpen müsste, was wegen des langen Stoffteils aber nicht geht. Praktisch ist es trotzdem. Und ich liebe die Stoffkombinationen. Es passt perfekt zu mir!


Arbeitsmoral an Sommersonntagen

So als Geisteswissenschaftlerin ist das Arbeitsleben ja auch nicht so einfach. Deadlines liegen aus fiesen Gründen immer so, dass man das Wochenende mit arbeiten beschäftigt ist. Es sei denn man gehört zu den seltenen Menschen, die erst einen Plan machen und sich dann dran halten. Aber wer tut das schon.

Beim aktuellen Sommerwetter ist es gleich doppelt schwierig am Sonntag drinnen zu sitzen, sich zu konzentrieren und anspruchsvollen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Text zu produzieren. Die aktuelle Seitenzahl ist mangels Konzentrationsvermögen jedenfalls viel zu niedrig.

Da half es auch nicht den Arbeitsplatz zwischenzeitig nach draußen an den ums Eck vorbeifließenden Bach zu verlegen.

sommerlicher Arbeitsplatz

sommerlicher Arbeitsplatz

Da war es zwar idyllisch und gar nicht so laut. Aber andere Menschen, die man beobachten konnte waren trotzdem da.

Am Wasser arbeiten

Am Wasser arbeiten


Haiku

Aus Geburtstagsfeiervorbereitungsgründen beschäftigen wir uns hier gerade unter anderem intensiv mit Lyrik. Dabei kommt dann so was raus:

ich denke auch oft

haikus wären auch ganz nett

doch dann geb ich auf

das problem damit

ist doch, dass ich gar nicht weiß

wies eigentlich geht

doch, tust du ja schon

denn offensichtlich hast du

ganz richtig gezählt

frag google sagt sie

und landete bei wiki-

pedia. Ach was.