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Dreiköngistraditionen

Gestern in der Bäckerei hatte ich Lust auf das kleine „Frangipane“. Daneben standen noch die mir bereits bekannte Form des „galette des rois“ in Ringform mit grellgrünen und -roten kandierten Früchten geschmückt. In Frankreich ist es Tradition zu Heilig- Drei-König einen „galette des rois“ zu essen. In Inneren ist eine Bohne versteckt. Wer das Stück Kuchen mit der Bohne bekommt, wird König oder Königin an diesem Tag und bekommt eine Papierkrone aufgesetzt. Es gibt mehrere Formen des Dreikönigskuchens: die Ringform aus Brioche, dabei wird der Teig entweder mit Hagelzuckerstücken oder mit kandierten Früchten dekoriert. Oder eben das „Frangipane“, dessen Form der Legende nach auf Marie de Medici zurückgeht, die eine herrliche Mandelcreme zwischen den Blätterteigschichten passend fand. Erfunden wurde dieser Kuchen vom Comte Frangipane. Es handelt sich dabei um Gebäck, das kreisrund aus Blätterteig und mit einer Mandelcreme gefüllt ist, gelbgold gebacken und herrlich lecker.


Gelesen und für gut befunden: 21.11.2012

Heute mal wieder Links, lange genug ist es ja auch schon wieder her.

Tiger, Kater und ein Leopard (faz): Ein Bericht über Irland, der irgendwie Lust macht mal nach Irland zu fahren.

Herr Buddenbohm hat eine Welle der Stadtbeschreibungen ausgelöst. Dabei wolle er doch nur den Rest von Hamburg kennenlernen. Die beiden folgenden Artikel haben es aus mir nicht bewussten, vermutlich völlig willkürlichen Gründen jetzt ins Blog geschafft. Bei Herrn Buddenbohm und Frau Bogdan kann man aber noch jede Menge weiterer lohnenswerter Artikel finden.

Stephen Fry über klassische Musik

Novemberregen schildert die (für Aussenstehende) amüsante Auseinandersetzung im Callcentermarathon. Außerdem lustig: Wie man auch Schiffeversenken spielen kann.

Antje Schrupp über Definitionsmacht

Das interessante Wort ist natürlich das „Dummerweise“, denn es macht sehr schön die „Positionierung“ des Autors dieses Artikels deutlich: Er identifiziert sich in der ganzen Geschichte mit dem fotografierenden Voyeur, und nicht etwa mit dem Mädchen oder dessen Eltern und Freundinnen.

Diese selbstverständliche Einnahme der Perspektive eines erwachsenen, weißen, gesunden Mannes beim Erzählen gesellschaftlicher Geschichten ist ein Überbleibsel unserer patriarchalen Kultur, die diese Sorte Mensch zur Norm erklärt hat, an der alle anderen gemessen werden müssen. Normalerweise ist diese Positionierung unsichtbar, denn heutzutage – wo das Patriarchat zu Ende ist – wird diese Norm des „alten weißen Mannes“ nicht mehr offensiv vertreten.

Sie haben die Schulden – wir den Profit (zeit): Sind Schulden nötig für das Wirtschaftssystem oder nicht? Dieser Artikel sagt ja. Mir fehlte aber die ganze Zeit irgendwie wenigstens der Versuch eine andere Perspektive einzunehmen. Andererseits bin ich natürlich aus guten Gründen keine Ökonomin.

Did climate change cause Hurricane Sandy? The answer depends on why you’re asking (boingboing.net)

Nachträge zum Refugee Camp:

400.000 Senioren können Altenheim nicht mehr zahlen (spon)

 


Irène Nemirovsky

Ein junges Mädchen, dass die Attitüden ihrer Mutter Leid hat. Eine Mutter, die sich unter dem Druck der Gesellschaft sieht, vor allem, was Statussymbole angeht. Und eine folgenreiche Entscheidungen machen die Essenz der Erzählung “Der Ball” von Irène Nemirovsky aus.

Mehr kann man eigentlich nicht verraten, wenn man die Spannung nicht zerstören möchte. Aber auch hier, ähnlich wie bei Kristófs Buch „Das große Heft“, bestätigt sich wieder: Bücher müssen nicht lang sein, um dem Leser Freude zu bereiten.

Nach diesem Buch habe ich noch zwei weitere Bücher von Irène Nemirovsky gelesen, die mir sie als Autorin nur noch sympathischer gemacht haben.

In “Herr der Seelen” merkt man deutlich den latenten Antisemitismus der Gesellschaft, die Irène Nemirovsky abbildet, gleichwohl sie selbst als Jüdin geboren worden war. Der Stil ist sehr klar und übersichtlich.

Ihr unvollendetes Werk “Suite française” wirkt dagegen wie eine Mischung aus einem Impressionismusgemälde und feinen kleinen Skizzen. Das Buch spielt in Frankreich und beginnt mit der Besetzung durch die Deutschen im Juni 1940. Viele kleine Mosaik-Einblicke ergeben als Ganzes die Grundatmosphäre, während kleine Szenen zwischen verschiedenen Akteursgruppen den großen Stimmungsbildern ein Gesicht geben.

Liest man “Herr der Seelen” und “Suite française” hintereinander, hat man den Eindruck Bücher zweier verschiedener Autoren zu lesen, da die Techniken der Beschreibung so unterschiedlich sind. Da “Suite française” aber auch ihr letztes Werk ist, bevor sie in Auschwitz starb, kann man eine Weiterentwicklung ihres Schreibstils unterstellen. Insgesamt aber ein Oeuvre, dass es zu entdecken gilt.

Iréne Nemirovsky wurde 1903 in Kiev als Tochter eines jüdischen Bankiers geboren. Da sie hauptsächlich von ihrer französischen Gouvernante erzogen wurde, war Französisch wie eine Muttersprache für sie, in der sie später auch ihre Romane verfasste. Ihre Familie floh nach der Oktoberrevolution nach Paris, wo es ihnen in den zwanziger Jahren gelang wieder zu Wohlstand zu kommen. Iréne Nemirovsky studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und fing jung an zu schreiben. 1926 heiratet sie Michel Epstein. Der Roman „David Golder“ machte sie mit einem Schlag bekannt. Es folgten weitere Erzählungen und Romane, wie „Der Ball“ oder „Der Fall Kurilow“. Wegen des wachsendes Antisemitismus ließ sie sich 1939 taufen. Nach der Besetzung Frankreichs im Juni 1940, war ihr bewusst, dass nur sehr schwierig weitergehen würde. Bis zu ihrer Deportation 1942, schrieb sie unter Pseudonym für die Zeitschrift „Gringoire“ Artikel und arbeitete an ihrem letztem Werk. Im August 1942 starb sie in Auschwitz.


Seitenlayout

Wie Ihr vielleicht bemerkt habt, sieht diese Seite seit heute Abend völlig anders und leider beim runterscrollen auch weiterhin nicht gut aus. Das liegt daran, dass WordPress mir aus irgendwelchen Gründen alle Layouts kaputt macht. Ich habe deshalb erst mal das Theme freigeschaltet, das am wenigsten schlimm aussieht.

Am Wochenende wird es aber hoffentlich ein Server- und dann auch WordPressupdate geben. Dann gibt es auch ein ganz anderes neues Theme und hoffentlich wieder funktionierende Seitenleisten. Hinterher ist hier dann alles wieder schick.

Ich bitte um Entschuldigung und hoffe, Ihr lasst Euch beim Lesen nicht allzu sehr stören.


RSS-Feed

Ich wurde gerade von freundlichen Lesern darauf aufmerksam gemacht, dass das Kulturblättchen ja gar nicht als RSS-Feed zur Verfügung stünde. Das ist glücklicherweise falsch!!

Das Kulturblättchen unterstützt RSS! Und kann deshalb auch im Feed-Reader abonniert werden.

Leider gibt es momentan keinen Button auf der Seite. Das ist gerade auch nicht änderbar, weil ich keine administrativen Änderungen vornehmen kann, so lange der Server nicht neu aufgesetzt ist. Bitte entschuldigt die Umstände.

Der Link zum RSS-Feed ist: kulturblaettchen. Damit müsste ein Abonnement möglich sein.


Leben, um zu schreiben

Kinder, Küche, Kirche – dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgenössischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe »Faszinosum Autorinnen um 1800« wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. Heute: Sophie Mereau, die Schriftstellerin.

Sophie Mereau

»Selbständigkeit« ist das Schlagwort, das sich durch Sophie Mereaus Leben zieht. Schon früh taucht es immer wieder in ihrem Tagebuch auf. Doch letztlich ist all ihr Handeln davon bestimmt. »Selbständigkeit« bedeutet für Sophie Mereau vor allem die Möglichkeit zu schreiben. Mit 21 Jahren veröffentlicht sie ihr erstes Gedicht Bei Frankreichs Feier den 14. Junius 1790in Schillers Zeitschrift Thalia.

Zusammenarbeit mit Schiller

Ihren ersten Mann heiratet sie 1793 nur, weil er ihr Gelegenheit bietet nach Jena zu ziehen, wo sie mit bedeutenden Schriftstellern ihrer Zeit zusammenkommen kann. Er ist es auch, der ihr den Kontakt zu Schiller vermittelt. Dieser erkennt Sophie Mereaus Talent als Schriftstellerin und fördert sie. In Briefen und privaten Treffen übt Schiller Kritik an Sophie Mereaus Werken. Die Beziehung ist durchaus kollegial; Sophie Mereau wird von Schiller als vollwertige Autorin anerkannt. Daneben gibt gerade der Ehemann ihr die Möglichkeit die Schriftstellerei auszuüben: Immerhin gestattet er ihr ein eigenes Arbeitszimmer. Ein Luxus, dessen Bedeutung hundert Jahre später in Virginia Woolfes Essay A Room of one‘s own deutlich wird: Nur wer einen eigenen Arbeitsplatz hat, kann auch ungestört und damit gut schreiben.

Produktives Arbeiten

»Selbständigkeit« bedeutet für Sophie Mereau aber auch, dass sie sich nicht auf den eigentlich ungeliebten Gatten festlegen lassen will. Sie hat diverse Affären mit Studenten der Uni Jena. Nach sieben Jahren Ehe reicht sie schließlich sogar die Scheidung ein. Damit beginnt die produktivste Phase in ihrem Leben: Hatte sie schon während ihrer Ehe mit Mereau eine unzählige Reihe von Gedichten und erste Erzählungen veröffentlicht, so muss sie jetzt schreiben, um überleben zu können. Sie beginnt Übersetzungen anzufertigen, die schnell von der Hand gehen und so mehr Geld einbringen. Außerdem arbeitet sie verstärkt als Herausgeberin. War sie seit 1799 Mitherausgeberin eines Damenkalenders, so versucht sie sich jetzt an ihrer eigenen literarischen Zeitschrift Kalathiskos. Sie schafft es, mit diesen Arbeiten so viel zu verdienen, dass sie davon leben und ihr Kind versorgen kann.

Die Ehe mit Brentano

Doch dann kommt es zum Bruch: Sophie Mereau lässt sich – auf dessen ungestümes Drängen hin – auf eine erneute Affäre mit Clemens Brentano ein. Bereits während dessen Studienzeit in Jena waren sich die beiden näher gekommen. Sophie Mereau besteht zunächst auf ihrer Freiheit. Unter keinen Umständen möchte sie Brentano heiraten. Doch dann wird sie ungewollt schwanger. So selbstbestimmt und auf ihre Freiheit bestehend Sophie Mereau ist: Auch sie kann nicht erwarten mit einem unehelichen Kind in einer stark restriktiven Gesellschaft zu bestehen.

Die Ehe mit Brentano entwickelt sich für Sophie Mereau zum Desaster. Unfähig neben seiner erfolgreichen Frau zu leben, tyrannisiert er Sophie Mereau mit Zuneigung und Ablehnung gleichzeitig. In nur drei Jahren wird Sophie Mereau vier Mal schwanger. Die Schwangerschaften schwächen Sophie Mereau derart, dass sie schließlich 1806 im Kindbett stirbt. Sophie Mereau kommt in dieser Zeit kaum noch zum Arbeiten. Während der zweiten Ehe veröffentlicht sie vor allem Übersetzungen oder kurze Erzählungen. Diese Arbeiten verschaffen ihr zumindest teilweise finanzielle Unabhängigkeit und damit Freiheit von Brentano. Nur wenn Clemens Brentano nicht bei ihr ist, hat sie die nötige Muße für das, was ihr wirklich wichtig ist: selbstbestimmtes Schreiben.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf: litlog.

Zur Reihe gehört auch: Federkiel statt KochlöffelSchreiben, um zu leben, Leben und schreiben


Gelesen und für gut befunden: 13.09. und 14.09.2012

Der Scoop sieht aus wie ein Fake (11 Freunde)

Das anonymisierte Interview mit einem homosexuellen Fußballer schlug in den letzten Tagen hohe Wellen. Doch wie echt ist das Interview, das im Magazin »fluter« veröffentlicht wurde?

Romney blamiert sich mit Attacke auf Obama (süddeutsche.de)

BAföG als Teil eines Bildungsgeldes

Ideen zur Neukonzeption des Bafög

Weiblich, gebildet, partnerlos (Zeit)

Frauen machen Karriere und Haushalt. Und dann fragt sich der Journalist tatsächlich, warum sie sich nicht für schlechter ausgebildete Männer interessieren.

http://fuckyeahstephenfry.tumblr.com/post/31413358298

“I return to the hotel and fall in with a couple of rich women who suggest I accompany them to a nightclub.
I am faced then with two options: a) a nightclub filled with the rich, beautiful and famous or b) an early night alone in bed with a book. Never has any decision been easier.
The book was gripping. I hope the girls had a nice time in their club.” — Stephen Fry In America

Noch Fragen, warum ich Stephen Fry für den Coolsten halte?

Das verändert unseren Modekonsum

Slow Fasion ist wie Bio

Ein unverständlicher, aber richtiger Freispruch

Richtig ist ja leider auch dehnbar. Juristisch richtig. Und über die Frage, was wir als Gesellschaft heute für richtig halten streiten wir erst mal noch.

AN OPEN LETTER TO THE PEOPLE IN CHARGE OF COMMERCIALS TARGETING WOMEN.

The Disappeared (New Yorker)

Auszug (oder so) aus Salman Rushdies Biographie. Ganz schön krass. Muss Rushdie lesen.

Manomama im Bayrischen Rundfunk (Video)

Weiterverbreitung, Verantwortung, Unwissenheit, Strafe und Versäumnisse

Mehr: Wie funktioniert Google.

Why naked men don’t sell (Daily Life)


Leben und schreiben

Kinder, Küche, Kirche – dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgenössischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe »Faszinosum Autorinnen um 1800« wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. Heute: Therese Huber, die Herausgeberin.

Therese Huber

Als Therese Huber 1794 Ludwig Ferdinand Huber heiratete, begann für sie ein völlig neues Leben. Nach der Jugendzeit in Göttingen, wo sich trotz des Professorenhaushalts niemand um ihre Bildung kümmerte, hatte sie zunächst Georg Forster geheiratet. Der Naturwissenschaftler, der mit James Cook die Welt umsegelt hatte, zog mit ihr zunächst in die polnische Provinz, eine Abgeschottetheit von der kulturellen Welt, die der Ehe nicht gut tat. Auch der Umzug nach Mainz verbesserte die Situation nicht mehr. Forster war zu sehr mit Politik beschäftigt – Therese Huber, ihm ohnehin nie besonders tief zugeneigt, fand in Ferdinand Huber ihre große Liebe.

Die Zusammenarbeit mit Huber

Das frisch verheiratete Paar musste zuallererst aus Mainz ins Schweizer Exil fliehen: Die Aufständischen in Mainz, die versucht hatten eine Republik nach französischem Vorbild zu gründen, waren niedergeschlagen worden und harrten schwerer Strafen. Darüber hinaus hatte Huber auch seinen lukrativen Posten als Sekretär des sächsischen Gesandten aufgeben müssen. Die Familie befand sich also nicht nur an einem völlig neuen Ort, sondern musste auch neue Wege finden, den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Huber versuchte sich dazu als Schriftsteller und Redakteur der von Cotta herausgegebenen Allgemeinen Zeitung. Diese Herausgeberschaft bedeutete jedoch so viel Arbeit, dass er sie nur mit Hilfe seiner Frau bewältigen konnte. Therese fertigte also Übersetzungen fremdsprachiger Nachrichten und verfasste Berichte. Darüber hinaus schrieb sie zunehmend auch literarische Texte für andere Zeitschriften, um das Familieneinkommen aufzubessern. Um die Unschicklichkeit, dass eine Frau des Bürgertums zum Familienunterhalt durch bezahlte Arbeit beitragen muss, zu verbergen, erschienen alle ihre Texte dabei unter dem Namen ihres Mannes.

Therese Huber als Herausgeberin

Mit dem Tod Hubers musste sie plötzlich für sich selbst aufkommen. Sie beginnt – wie viele Frauen ihrer Zeit – Romane und Erzählungen zu veröffentlichen, die nun auch unter ihrem eigenen Namen erschienen. Ab 1816 übernahm sie die Redaktion von Cottas Morgenblatt für die gebildeten Stände. Damit knüpfte sie an die Arbeit an, die sie bereits während ihrer Ehe mit Huber ausgeübt hatte.

Obwohl sie sich sowohl gegen Cottas beständiges Eingreifen in ihre Redaktionsarbeit, als auch gegen untalentierte Mitarbeiter durchsetzen musste, schaffte sie es, zwischen 1817 und 1823 die Auflage signifikant zu steigern. So, dass unter ihrer Leitung das Morgenblatt zu einer erfolgreichen Kulturzeitschrift wurde. Ihre Arbeit wurde allerdings von Cotta keinesfalls angemessen geschätzt. Schon 1823 endet die Zusammenarbeit von Therese Huber und Cotta unter unschönen Bedingungen: Durch Überlegungen Cottas, den Standort der Redaktion zu verlegen, wird Therese Huber die Redaktion geschickt entzogen, und an Wilhelm Hauff übergeben. Dieser überzieht Therese Huber mit Spott über ihre Kriminalromane, anstatt ihre Arbeit als Redakteurin anzuerkennen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf: litlog.

Zur Reihe gehört auch: Federkiel statt Kochlöffel, Schreiben, um zu leben


dOCUMENTA (13) – Karlsaue

“Einige kleine freistehende Gebäude mit künstlerischen Projekten, die Märchen der Gebrüder Grimm, Ästhetik und Politik und wie man getrennt zusammen sein kann. Ein Aufenthaltsort für Schriftsteller im Restaurant Dschingis Kahn am Ende der Karlsaue. Ein Verweis auf den Monte Verità, eine kurzlebige experimentelle Künstlerkolonie, die 1900 in der Nähe von Ascona gegründet wurde.”

So wird im Begleitbuch der “Ausstellungsort” Karlsaue beschrieben.
Tatsächlich ist es nicht so einfach die Karlsaue als eine Ort zu sehen. Eigentlich finden sich hier viele verschiedene Projekte, die jedes für sich einen eigenen abgeschlossenen Ort bilden. Häufig wird dies noch betont, indem extra für die Projekte Holzhäuser gebaut wurden, so dass sie vom Park abgegrenzt sind. Und doch sind sie durch den strukturierten Park auf besondere Weise zusammengehalten und bilden so einen einheitlichen Ort

Unser Spaziergang durch den Park diente nach Documenta-Halle und Neuer Galerie auch der Erholung. Deshalb haben wir nur einen sehr kleinen Teil der dort ausgestellten Kunstwerke gesehen.

Unsere Erkundung des Parks begann in der Nähe der Neuen Galerie. Das erste Projekt auf das wir aufmerksam wurden, war Chiara Fumais Moralisches Ausstellungshaus. Hier zeigt die feministische Künstlerin aufgetürmte Werke großer Philosophen, die festgenagelt und von Spiegelscherben umgeben sind.

documenta 13: Chiara Fumai – Moralisches Ausstellungshaus

Die nächste Station war Christian Philipp Müllers Mangoldfähre. Queer über einen der Kanäle in der Karlsaue sind drei Boote des THW befestigt, auf denen in großen Kisten Mangold angepflanzt ist. Sie bilden so eine zusätzliche Brücke, die zwar ein wenig schwankt, dafür aber wunderschön begrünt ist.

documenta 13: Christian Philipp Müller – Mangoldfähre 1

documenta 13: Christian Philipp Müller – Mangoldfähre 2

Weiter ging es durch den Park, bis schließlich auf einer großen Lichtung das Sanatorium von Pedro Reyes sichtbar wird. Hier kann man sich – nach Anmeldung, Voruntersuchung und Diagnose – therapieren lassen. Dazu stehen verschiedene Räume zur Verfügung. Dabei wird gerade auf künstlerische Methoden Wert gelegt: Kunst als Therapie.

documenta 13: Pedro Reyes – Sanatorium

 

Groß angekündigt und mit jedem Schritt unheimlicher war diese Statue:

documenta 13: Apichatpong Weerasethakul – The Importance of Telepathy

Apichatpong Weerasethakul hat sie für seine Installation The Importance of Telepathy mit dem Hubschrauber anfliegen lassen. Zur Installation gehören aber auch – weit weniger unheimlich – eine Reihe von Hängematten. In diese dunkelgrünen und sehr unauffälligen Hängematten, können sich die Besucher legen und werden fast von ihnen verschluckt. In einem solchen Kokon lässt es sich mit Blätterrauschen gut entspannen. Unter Umständen träumt man dann auch von Geistern.

 

Auch bedrücken war die nächste Installation. Sam Durant beschäftigt sich mit amerikanischen Hinrichtungen und hat für die documenta 13 verschiedene Galgen im Originalmaßstab zusammengebaut. Dieses Gerüst kann man nun, beinahe wie ein Klettergerüst, besteigen und die Galgen prominenter zu Tode verurteilter Amerikaner betrachten.

documenta 13: Sam Durant – Galgen

 

Zur Erholung lädt in der Karlsaue schließlich ein Café, das in einem der Gewächshäuser eingerichtet wurde. Drinnen oder draußen lässt sich dort sehr leckeres Essen, das allerdings auch sehr teuer ist, verspeisen.

documenta 13: Café im Gewächshaus

 

Nach einem langen Tag auf der documenta 13 war diese Station auch schon beinahe unsere letzte. Satt und entsprechend müde, liefen wir in Richtung Orangerie und Innenstadt zurück. Das letzte Kunstwerk, das uns dabei begegnete war Song Dongs Doing Nothing Garden. Ein Mitten auf dem Rasen vor der Orangerie aufgeschütteter Erdhügel, der einfach sich selbst überlassen bleiben durfte. Und gerade deswegen voller Leben ist.

documenta 13: Song Dong – Doing Nothing Garden