{"id":901,"date":"2012-09-16T11:54:35","date_gmt":"2012-09-16T09:54:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=901"},"modified":"2012-09-14T12:00:04","modified_gmt":"2012-09-14T10:00:04","slug":"leben-um-zu-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=901","title":{"rendered":"Leben, um zu schreiben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe \u00bbFaszinosum Autorinnen um 1800\u00ab wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. Heute: Sophie Mereau, die Schriftstellerin.<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Wikipedia \u2013 Sophie Mereau\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/7f\/Sophie_Mereau_-_Paper_cut.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"358\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Sophie Mereau<\/p><\/div>\n<p>\u00bbSelbst\u00e4ndigkeit\u00ab ist das Schlagwort, das sich durch Sophie Mereaus Leben zieht. Schon fr\u00fch taucht es immer wieder in ihrem Tagebuch auf. Doch letztlich ist all ihr Handeln davon bestimmt. \u00bbSelbst\u00e4ndigkeit\u00ab bedeutet f\u00fcr Sophie Mereau vor allem die M\u00f6glichkeit zu schreiben. Mit 21 Jahren ver\u00f6ffentlicht sie ihr erstes Gedicht\u00a0<em>Bei Frankreichs Feier den 14. Junius 1790<\/em>in Schillers Zeitschrift\u00a0<em>Thalia<\/em>.<\/p>\n<address>Zusammenarbeit mit Schiller<\/address>\n<p>Ihren ersten Mann heiratet sie 1793 nur, weil er ihr Gelegenheit bietet nach Jena zu ziehen, wo sie mit bedeutenden Schriftstellern ihrer Zeit zusammenkommen kann. Er ist es auch, der ihr den Kontakt zu Schiller vermittelt. Dieser erkennt Sophie Mereaus Talent als Schriftstellerin und f\u00f6rdert sie. In Briefen und privaten Treffen \u00fcbt Schiller Kritik an Sophie Mereaus Werken. Die Beziehung ist durchaus kollegial; Sophie Mereau wird von Schiller als vollwertige Autorin anerkannt. Daneben gibt gerade der Ehemann ihr die M\u00f6glichkeit die Schriftstellerei auszu\u00fcben: Immerhin gestattet er ihr ein eigenes Arbeitszimmer. Ein Luxus, dessen Bedeutung hundert Jahre sp\u00e4ter in Virginia Woolfes Essay\u00a0<em>A Room of one\u2018s own<\/em>\u00a0deutlich wird: Nur wer einen eigenen Arbeitsplatz hat, kann auch ungest\u00f6rt und damit gut schreiben.<\/p>\n<address>Produktives Arbeiten<\/address>\n<p>\u00bbSelbst\u00e4ndigkeit\u00ab bedeutet f\u00fcr Sophie Mereau aber auch, dass sie sich nicht auf den eigentlich ungeliebten Gatten festlegen lassen will. Sie hat diverse Aff\u00e4ren mit Studenten der Uni Jena. Nach sieben Jahren Ehe reicht sie schlie\u00dflich sogar die Scheidung ein. Damit beginnt die produktivste Phase in ihrem Leben: Hatte sie schon w\u00e4hrend ihrer Ehe mit Mereau eine unz\u00e4hlige Reihe von Gedichten und erste Erz\u00e4hlungen ver\u00f6ffentlicht, so muss sie jetzt schreiben, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Sie beginnt \u00dcbersetzungen anzufertigen, die schnell von der Hand gehen und so mehr Geld einbringen. Au\u00dferdem arbeitet sie verst\u00e4rkt als Herausgeberin. War sie seit 1799 Mitherausgeberin eines Damenkalenders, so versucht sie sich jetzt an ihrer eigenen literarischen Zeitschrift\u00a0<em>Kalathiskos<\/em>. Sie schafft es, mit diesen Arbeiten so viel zu verdienen, dass sie davon leben und ihr Kind versorgen kann.<\/p>\n<address>Die Ehe mit Brentano<\/address>\n<p>Doch dann kommt es zum Bruch: Sophie Mereau l\u00e4sst sich \u2013 auf dessen ungest\u00fcmes Dr\u00e4ngen hin \u2013 auf eine erneute Aff\u00e4re mit Clemens Brentano ein. Bereits w\u00e4hrend dessen Studienzeit in Jena waren sich die beiden n\u00e4her gekommen. Sophie Mereau besteht zun\u00e4chst auf ihrer Freiheit. Unter keinen Umst\u00e4nden m\u00f6chte sie Brentano heiraten. Doch dann wird sie ungewollt schwanger. So selbstbestimmt und auf ihre Freiheit bestehend Sophie Mereau ist: Auch sie kann nicht erwarten mit einem unehelichen Kind in einer stark restriktiven Gesellschaft zu bestehen.<\/p>\n<p>Die Ehe mit Brentano entwickelt sich f\u00fcr Sophie Mereau zum Desaster. Unf\u00e4hig neben seiner erfolgreichen Frau zu leben, tyrannisiert er Sophie Mereau mit Zuneigung und Ablehnung gleichzeitig. In nur drei Jahren wird Sophie Mereau vier Mal schwanger. Die Schwangerschaften schw\u00e4chen Sophie Mereau derart, dass sie schlie\u00dflich 1806 im Kindbett stirbt. Sophie Mereau kommt in dieser Zeit kaum noch zum Arbeiten. W\u00e4hrend der zweiten Ehe ver\u00f6ffentlicht sie vor allem \u00dcbersetzungen oder kurze Erz\u00e4hlungen. Diese Arbeiten verschaffen ihr zumindest teilweise finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit und damit Freiheit von Brentano. Nur wenn Clemens Brentano nicht bei ihr ist, hat sie die n\u00f6tige Mu\u00dfe f\u00fcr das, was ihr wirklich wichtig ist: selbstbestimmtes Schreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf:\u00a0<a title=\"Litlog \u2013 Sophie Mereau\" href=\"http:\/\/www.litlog.de\/leben-um-zu-schreiben\/\" target=\"_blank\">litlog<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Zur Reihe geh\u00f6rt auch:\u00a0<a title=\"Federkiel statt Kochl\u00f6ffel\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/10\/federkiel-statt-kochloffel\/\" target=\"_blank\">Federkiel statt Kochl\u00f6ffel<\/a>,\u00a0<a title=\"Schreiben, um zu leben\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/12\/schreiben-um-zu-leben\/\" target=\"_blank\">Schreiben, um zu leben<\/a>, <a title=\"Leben und schreiben\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/14\/leben-und-schreiben\/\" target=\"_blank\">Leben und schreiben<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. 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