{"id":896,"date":"2012-09-14T11:54:29","date_gmt":"2012-09-14T09:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=896"},"modified":"2013-10-08T10:57:44","modified_gmt":"2013-10-08T08:57:44","slug":"leben-und-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=896","title":{"rendered":"Leben und schreiben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe \u00bbFaszinosum Autorinnen um 1800\u00ab wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. Heute: Therese Huber, die Herausgeberin.<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Wikipedia - Therese Huber\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/27\/Therese_Huber_miniatur_detail.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"310\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Therese Huber<\/p><\/div>\n<p>Als Therese Huber 1794 Ludwig Ferdinand Huber heiratete, begann f\u00fcr sie ein v\u00f6llig neues Leben. Nach der Jugendzeit in G\u00f6ttingen, wo sich trotz des Professorenhaushalts niemand um ihre Bildung k\u00fcmmerte, hatte sie zun\u00e4chst Georg Forster geheiratet. Der Naturwissenschaftler, der mit James Cook die Welt umsegelt hatte, zog mit ihr zun\u00e4chst in die polnische Provinz, eine Abgeschottetheit von der kulturellen Welt, die der Ehe nicht gut tat. Auch der Umzug nach Mainz verbesserte die Situation nicht mehr. Forster war zu sehr mit Politik besch\u00e4ftigt \u2013 Therese Huber, ihm ohnehin nie besonders tief zugeneigt, fand in Ferdinand Huber ihre gro\u00dfe Liebe.<\/p>\n<address>Die Zusammenarbeit mit Huber<\/address>\n<p>Das frisch verheiratete Paar musste zuallererst aus Mainz ins Schweizer Exil fliehen: Die Aufst\u00e4ndischen in Mainz, die versucht hatten eine Republik nach franz\u00f6sischem Vorbild zu gr\u00fcnden, waren niedergeschlagen worden und harrten schwerer Strafen. Dar\u00fcber hinaus hatte Huber auch seinen lukrativen Posten als Sekret\u00e4r des s\u00e4chsischen Gesandten aufgeben m\u00fcssen. Die Familie befand sich also nicht nur an einem v\u00f6llig neuen Ort, sondern musste auch neue Wege finden, den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Huber versuchte sich dazu als Schriftsteller und Redakteur der von Cotta herausgegebenen<em>\u00a0Allgemeinen Zeitung<\/em>. Diese Herausgeberschaft bedeutete jedoch so viel Arbeit, dass er sie nur mit Hilfe seiner Frau bew\u00e4ltigen konnte. Therese fertigte also \u00dcbersetzungen fremdsprachiger Nachrichten und verfasste Berichte. Dar\u00fcber hinaus schrieb sie zunehmend auch literarische Texte f\u00fcr andere Zeitschriften, um das Familieneinkommen aufzubessern. Um die Unschicklichkeit, dass eine Frau des B\u00fcrgertums zum Familienunterhalt durch bezahlte Arbeit beitragen muss, zu verbergen, erschienen alle ihre Texte dabei unter dem Namen ihres Mannes.<\/p>\n<address>Therese Huber als Herausgeberin<\/address>\n<p>Mit dem Tod Hubers musste sie pl\u00f6tzlich f\u00fcr sich selbst aufkommen. Sie beginnt \u2013 wie viele Frauen ihrer Zeit \u2013 Romane und Erz\u00e4hlungen zu ver\u00f6ffentlichen, die nun auch unter ihrem eigenen Namen erschienen. Ab 1816 \u00fcbernahm sie die Redaktion von Cottas\u00a0<em>Morgenblatt f\u00fcr die gebildeten St\u00e4nde<\/em>. Damit kn\u00fcpfte sie an die Arbeit an, die sie bereits w\u00e4hrend ihrer Ehe mit Huber ausge\u00fcbt hatte.<\/p>\n<p>Obwohl sie sich sowohl gegen Cottas best\u00e4ndiges Eingreifen in ihre Redaktionsarbeit, als auch gegen untalentierte Mitarbeiter durchsetzen musste, schaffte sie es, zwischen 1817 und 1823 die Auflage signifikant zu steigern. So, dass unter ihrer Leitung das\u00a0<em>Morgenblatt<\/em>\u00a0zu einer erfolgreichen Kulturzeitschrift wurde. Ihre Arbeit wurde allerdings von Cotta keinesfalls angemessen gesch\u00e4tzt. Schon 1823 endet die Zusammenarbeit von Therese Huber und Cotta unter unsch\u00f6nen Bedingungen: Durch \u00dcberlegungen Cottas, den Standort der Redaktion zu verlegen, wird Therese Huber die Redaktion geschickt entzogen, und an Wilhelm Hauff \u00fcbergeben. Dieser \u00fcberzieht Therese Huber mit Spott \u00fcber ihre Kriminalromane, anstatt ihre Arbeit als Redakteurin anzuerkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf:\u00a0<a title=\"Litlog \u2013 Therese Huber\" href=\"http:\/\/www.litlog.de\/leben-und-schreiben\/\" target=\"_blank\">litlog<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Zur Reihe geh\u00f6rt auch:\u00a0<a title=\"Federkiel statt Kochl\u00f6ffel\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/10\/federkiel-statt-kochloffel\/\" target=\"_blank\">Federkiel statt Kochl\u00f6ffel<\/a>, <a title=\"Schreiben, um zu leben\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/12\/schreiben-um-zu-leben\/\" target=\"_blank\">Schreiben, um zu leben<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! 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