{"id":884,"date":"2012-09-12T14:19:38","date_gmt":"2012-09-12T12:19:38","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=884"},"modified":"2013-10-08T10:57:26","modified_gmt":"2013-10-08T08:57:26","slug":"schreiben-um-zu-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=884","title":{"rendered":"Schreiben, um zu leben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe \u00bbFaszinosum Autorinnen um 1800\u00ab wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. Heute: Johanna Schopenhauer, die Gesellige.<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 318px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Johanna Schopenhauer mit ihrer Tochter Adele\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/a3\/Bardua_Schopenhauer.jpg\" alt=\"\" width=\"308\" height=\"339\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Johanna Schopenhauer mit ihrer Tochter Adele<\/p><\/div>\n<p>Nach dem Tod ihres Mannes 1805 blieb Johanna Schopenhauer als wohlhabende Frau zur\u00fcck. Der Hamburger Kaufmann Heinrich Floris Schopenhauer hatte ihr und den beiden Kindern Arthur und Adele jeweils ein Drittel seines Verm\u00f6gens vermacht. Nun unabh\u00e4ngig suchte Johanna Schopenhauer einen neuen Wirkungsort. Nach einigen \u00dcberlegungen fiel ihre Wahl auf Weimar. Die \u00bbMusenstadt\u00ab war durch die zahlreichen intellektuellen Gr\u00f6\u00dfen, die dort lebten, attraktiv, obwohl die Stadt nur sehr klein war.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Ankunft in Weimar h\u00e4tte Johanna Schopenhauer eigentlich keinen ung\u00fcnstigeren Zeitpunkt w\u00e4hlen k\u00f6nnen: Nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft wurde Weimar von franz\u00f6sischen Soldaten besetzt und vom Krieg \u00fcberzogen. Doch Johanna Schopenhauer machte das Beste aus der Situation. Als Ortsfremde unter dem Schutz der franz\u00f6sischen Besatzer setze sie ihr Verm\u00f6gen ein, um der Weimarer Bev\u00f6lkerung durch Nahrungsmittel und Verbandszeug zu helfen. So erhielt sie schnell Zugang zum intellektuellen B\u00fcrgertum der Stadt.<\/p>\n<address>Der \u00bbTheetisch\u00ab<\/address>\n<p>Diese Aufnahme in die Weimarer Gesellschaft nutzte sie geschickt, um den Plan umzusetzen, mit dem sie nach Weimar gekommen war: Bereits im Herbst 1806, nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft gr\u00fcndete sie ihren Salon. Ihr \u00bbTheetisch\u00ab wurde schnell zu dem geselligen Zirkel in Weimar. Dabei half besonders, dass sie sich durch die offene und vorurteilsfreie Aufnahme der frisch mit Goethe verheirateten Christiane Vulpius Goethes Dankbarkeit gesichert hatte. Dieser bildete den Mittelpunkt und Anziehungspunkt ihres Salons. Denn w\u00e4hrend Johanna Schopenhauer zwar die R\u00e4ume und M\u00f6glichkeiten zum Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung stellte, kamen die Besucher doch vor allem, weil sich hier die Gelegenheit bot, Goethe im ungezwungenen Rahmen kennenzulernen.<\/p>\n<address>Reiseberichte<\/address>\n<p>Der gesellige Rahmen in Johanna Schopenhauers Salon diente jedoch nicht nur dem Gespr\u00e4ch, sondern auch dem k\u00fcnstlerischen Leben. Es wurde musiziert, gezeichnet, aber vor allem \u00fcber Literatur gesprochen. Der Salon bildete die erste B\u00fchne f\u00fcr literarische Versuche. Auch Johanna Schopenhauer wurde in ihrem eigenen Salon zum Schreiben ermutigt. Zur Unterhaltung ihrer G\u00e4ste erz\u00e4hlte sie von ihren Reisen mit ihrem verstorbenen Mann. Mit ihm hatte sie Belgien, Italien, England und Schottland bereist. Nun wurde sie von ihren G\u00e4sten aufgefordert diese Erlebnisse auch aufzuschreiben und zu ver\u00f6ffentlichen. Dass sich diese Berichte auch noch erfolgreich verkauften, war ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr Johanna Schopenhauer. Denn 1819 ging das Bankhaus, bei dem sie ihr ganzes Verm\u00f6gen angelegt hatte Bankrott. Sie verlor einen betr\u00e4chtlichen Teil ihres Verm\u00f6gens und war pl\u00f6tzlich auf andere Eink\u00fcnfte angewiesen. Sie begann erfolgreich Erz\u00e4hlungen und Romane zu ver\u00f6ffentlichen, um Geld hinzu zu verdienen. Dennoch hatte sie nun erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, musste ihren Salon aufl\u00f6sen und mehrfach in billigere St\u00e4dte umziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf: <a title=\"Litlog \u2013 Johanna Schopenhauer\" href=\"http:\/\/www.litlog.de\/schreiben-um-zu-leben\/\" target=\"_blank\">litlog<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Zur Reihe geh\u00f6rt auch: <a title=\"Federkiel statt Kochl\u00f6ffel\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2012\/09\/10\/federkiel-statt-kochloffel\/\" target=\"_blank\">Federkiel statt Kochl\u00f6ffel<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder, K\u00fcche, Kirche \u2013 dieser Slogan beschreibt, welche Rolle Frauen in der zeitgen\u00f6ssischen Vorstellung um 1800 zugewiesen wird. Doch einige Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken! In der Reihe \u00bbFaszinosum Autorinnen um 1800\u00ab wird der Blick auf Frauenfiguren gelenkt, die versuchen aus den vorgeschriebenen Rollen auszubrechen. 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