{"id":876,"date":"2012-09-10T16:33:20","date_gmt":"2012-09-10T14:33:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=876"},"modified":"2013-10-08T10:56:37","modified_gmt":"2013-10-08T08:56:37","slug":"federkiel-statt-kochloffel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=876","title":{"rendered":"Federkiel statt Kochl\u00f6ffel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geschichte? \u2013 Langweilig! Biographien? \u2013 Langweilig! Historische Frauenbiographien? \u2013 Doppelt langweilig? Denn welche Faszination sollte das Leben gerade von Frauen im sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert schon haben? Die Rollenverteilung zwischen Frauen und M\u00e4nnern scheint immerhin klar zu sein: W\u00e4hrend jene sich um Beruf, Politik und Philosophie k\u00fcmmern und Weltgeschichte schreiben, sind diese f\u00fcr Kinder, Haushalt und Familie zust\u00e4ndig und tauchen in der Weltgeschichte kaum einmal am Rande auf.<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 542px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Therese Huber am Schreibtisch\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/4\/45\/Therese_Huber_silhouette.jpg\" alt=\"\" width=\"532\" height=\"480\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Therese Huber am Schreibtisch<\/p><\/div>\n<p>Die These der \u00bbgetrennten Sp\u00e4hren\u00ab scheint sich noch zu best\u00e4tigen, wenn man einen Blick in die meisten theoretischen Schriften der Zeit wirft. Angefangen bei Rousseau wird den Frauen das Private und Nat\u00fcrliche, den M\u00e4nnern dagegen das \u00d6ffentliche und Kultivierte zugeschrieben.<\/p>\n<address>Emanzipation um 1800<\/address>\n<p>Diese Zuschreibungen sind sicherlich vor allem auf das entstehende B\u00fcrgertum beschr\u00e4nkt. Denn f\u00fcr Adel und Unterschichten galten schon immer andere Regeln als f\u00fcr das B\u00fcrgertum. Doch gibt es die \u00bbgetrennten Sph\u00e4ren\u00ab auch im B\u00fcrgertum wirklich uneingeschr\u00e4nkt? Der genaue Blick auf einzelne Frauen f\u00fchrt zum Schluss, dass um 1800 die ersten emanzipierten Frauen leben. Sie bilden keine Frauenbewegung, aber jede f\u00fcr sich erk\u00e4mpfen sie sich Freir\u00e4ume und Rechte, die sp\u00e4ter auch von der Frauenbewegung f\u00fcr alle Frauen gefordert werden. Sie haben kein gemeinsames Programm, aber doch das gleiche Ziel: All diese Frauen sind inspiriert von Aufkl\u00e4rung und Franz\u00f6sischer Revolution. Sie wollen die Forderungen nach Gleichheit, Freiheit und Br\u00fcderlichkeit auch f\u00fcr sich selbst, als Frauen, stellen d\u00fcrfen.<\/p>\n<address>Frauenbildung<\/address>\n<p>Von Lateinschule und Universit\u00e4t ausgeschlossen ist es f\u00fcr die Frauen der Zeit schwer, Bildung zu erlangen. Allein durch Lesen eignen sich die Frauen des gebildeten B\u00fcrgertums jedoch ungeheueres Wissen an. Sie sind eloquent, kultiviert und an Gesellschaft und Politik interessiert. In Salons und durch europaweite Korrespondenzen verschaffen sie sich Freir\u00e4ume, in denen sie zu Wort kommen k\u00f6nnen und ihre Position vertreten. Auch von den Eltern bestimmte Konvenienzehen stellen f\u00fcr diese Frauen keine Option mehr dar: Die Scheidungsrate unter ihnen ist enorm hoch.<\/p>\n<address>Zwang zum Schreiben?<\/address>\n<p>Mit dieser selbst gew\u00e4hlten Freiheit entsteht f\u00fcr eine Reihe der Frauen jedoch auch die Not, dass sie \u2013 zumindest teilweise \u2013 zu ihrem eigenen Lebensunterhalt beitragen m\u00fcssen. F\u00fcr b\u00fcrgerliche Frauen der Zeit ist dies eigentlich unm\u00f6glich, gibt es doch keinen einzigen Beruf der ihnen offen steht. Der einzige schickliche Ausweg ist da h\u00e4ufig die Schriftstellerei. Diese findet hinter verschlossenen T\u00fcren statt und B\u00fccher k\u00f6nnen zudem unter sch\u00fctzendem Pseudonym \u2013 h\u00e4ufig einem M\u00e4nnernamen \u2013 ver\u00f6ffentlicht werden. Zur Schriftstellerin taugen die meisten dieser Frauen auch tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Zwar haben sie anders als die gebildeten M\u00e4nner ihrer Zeit keine systematische Ausbildung erhalten, aber dennoch brillieren sie im neuen literarischen Genre, dem Roman. Die von ihnen verfassten Romane werden zum Teil so popul\u00e4r, dass eine Reihe der Frauen von den eigenen Eink\u00fcnften leben kann. Dieser Erfolg bleibt sogar den meisten M\u00e4nnern der Zeit versperrt, gibt es doch noch keine Vertr\u00e4ge, die das Einkommen von Schriftstellern regeln. Gleichzeitig ist das Schreiben f\u00fcr diese Frauen jedoch nicht nur \u00e4u\u00dferer Zwang. F\u00fcr viele der Schriftstellerinnen ist es ein inneres Bed\u00fcrfnis zu schreiben und stellt oft die einzige M\u00f6glichkeit dar, eigene Gedanken zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<address>Und das Faszinierende?<\/address>\n<p>Durch geschicktes Ausnutzen der Freir\u00e4ume, die ihnen zur Verf\u00fcgung stehen und das gezielte \u00dcbertreten von Grenzen, die ihnen zu eng gesetzt sind, schaffen es bildungsb\u00fcrgerliche Frauen um 1800 v\u00f6llig neue Wege zu gehen. Sie lassen sich scheiden, ergreifen einen Beruf und verdienen damit Geld, das sie von M\u00e4nnern unabh\u00e4ngig werden l\u00e4sst. In einer Zeit, in der das genaue Gegenteil zu vermuten w\u00e4re, gibt es eine gro\u00dfe Zahl unkonventioneller, frei denkender Frauen, die ihr Leben nicht von anderen einschr\u00e4nken lassen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf: <a href=\"http:\/\/www.litlog.de\">litlog<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte? \u2013 Langweilig! Biographien? \u2013 Langweilig! Historische Frauenbiographien? \u2013 Doppelt langweilig? Denn welche Faszination sollte das Leben gerade von Frauen im sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert schon haben? Die Rollenverteilung zwischen Frauen und M\u00e4nnern scheint immerhin klar zu sein: W\u00e4hrend jene sich um Beruf, Politik und Philosophie k\u00fcmmern und Weltgeschichte schreiben, sind diese f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wprm-recipe-roundup-name":"","wprm-recipe-roundup-description":""},"categories":[12,46,13,11],"tags":[89,820,312,314,821,311,313,15,315,819],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/876"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=876"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2095,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/876\/revisions\/2095"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}