{"id":71,"date":"2011-03-30T17:05:25","date_gmt":"2011-03-30T15:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=71"},"modified":"2013-09-30T20:09:08","modified_gmt":"2013-09-30T18:09:08","slug":"the-kings-speech-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=71","title":{"rendered":"The King&#8217;s Speech"},"content":{"rendered":"<p>The King&#8217;s Speech ist seit langer Zeit der erste Film, den ich im Kino (und nicht auf DvD etc.) gesehen und es nicht bereut habe, Geld f\u00fcr eine Kinokarte aus dem Fenster geworfen zu haben. Dabei bin ich (selbstverst\u00e4ndlich zusammen mit meiner werten Blogkollegin) nicht mal einfach so ins n\u00e4chste Kino gegangen: Es musste schon die Originalfassung sein und da 66,66% der guten G\u00f6ttinger Kinos in letzter Zeit zugemacht haben, mussten wir nach Hannover fahren und sa\u00dfen somit etwa genauso lange im Zug wie im Kino.<\/p>\n<p>Allein f\u00fcr die ersten Szenen haben sich die Kinokarte und die Fahrt aber gelohnt: Ein Sprecher der BBC bereitet sich minuti\u00f6s auf seine drei S\u00e4tze lange Ank\u00fcndigung der Rede des Duke of York vor, die er folgerichtig auch im wundersch\u00f6nsten BBC Englisch der Filmgeschichte (zumindest meiner pers\u00f6nlichen) von sich gibt. Woraufhin der Duke of York (zuk\u00fcnftiger King George VI, Spitzname Bertie) von enorm hilfreichen Tipps begleitet (&#8220;Let the microphone do the work, Sir&#8221;) ans Mikrophon tritt und nach einer unendlich langen Pause beginnt, stockend ins Mikrophon zu sprechen, das sein Stottern durch das Echo im Stadion zu verspotten scheint und seine pers\u00f6nliche Qual ins Unermessliche steigert. Seine Frau wischt sich eine Tr\u00e4ne aus den Augenwinkeln weiter geht es zur n\u00e4chsten Szene, in der ein jovialer Arzt den Duke mit Hilfe von Glaskugeln im Mund &#8220;heilen&#8221; will und die voll des herrlich trockenen Humors ist, der sich durch den ganzen Film zieht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird Bertie von seiner resoluten Frau zu dem Mittelschichtssprachtherapeuten Lionel Logue geschickt, was wenig \u00fcberraschend den Beginn einer wunderbaren Freundschaft markiert. Trotz dieses eher ausgelatschten Motivs einer M\u00e4nnerfreundschaft mit ihren H\u00f6hen und Tiefen schafft es der Film, echte Menschen zu zeichnen, deren Leben und deren Beziehungen nicht in einem Vakuum stattfinden sondern von den soziohistorischen und politischen Umst\u00e4nden gepr\u00e4gt sind.\u00a0Der Film zeichnet ein nostalgisches Vorkriegsengland mit gedeckten, an Sepia erinnernden Farben und Dialogen voll feinster Ironie und schafft es gleichzeitig neben der pers\u00f6nlichen Entwicklung Berties auch den dramatischen Wandel der Welt um ihn herum zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>Ganz besonders deutlich wird dieser Wandel wohl in seinem Bruder David (King Edward VIII). David\/Edward, der f\u00fcr gew\u00f6hnlich als romantischer Held, als K\u00e4mpfer f\u00fcr die Liebe, der tragischerweise abdanken muss, nur weil er eine geschiedene Amerikanerin heiraten will, dargestellt wird, kommt in dieser Produktion weit weniger gut weg. Hier sehen wir einen egoistischen, unbeherrschten, weinerlichen Menschen, der die Ereignisse um sich herum (weder politisch noch was sein Familie oder Wallis betrifft) niemals richtig zu erkennen scheint und eine Affinit\u00e4t zu den Nazis zeigt (&#8220;Herr Hitler will sort it out!&#8221;).<\/p>\n<p>Helena Bonham Carter spielt eine wunderbare Queen Mum in spe, die ihren Bertie gut im Griff hat, die kleine Elizabeth erweist sich bereits als die w\u00fcrdevolle Queen in spe, als sie vor ihrem Vater knickst anstatt ihn zu umarmen (was ihn sichtlich ersch\u00fcttert), und Churchill als Prime Minister in spe ist eine herrliche Karikatur seiner selbst. Geoffrey Rush ist wie immer wunderbar und \u00fcber die oskargekr\u00f6nte schauspielerische Leistung von Colin Firth braucht wohl auch nichts weiter gesagt zu werden.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bLF6sAAMb4s\">Der Bechdel Test <\/a><\/strong><\/p>\n<p>In dem Film spielen mindestens zwei Frauen mit<\/p>\n<p>&#8211; die Namen haben<\/p>\n<p>&#8211; ein Gespr\u00e4ch miteinander f\u00fchren<\/p>\n<p>&#8211; und dabei nicht ausschlie\u00dflich \u00fcber M\u00e4nner reden<\/p>\n<p>Leider nicht bestanden. Helena Bonham Carter und Jennifer Ehle (die die jeweilige Ehefrau des K\u00f6nigs und seines Sprachtherapeuten spielen) sprechen zwar ganz kurz miteinander, tauschen aber nur eine Begr\u00fc\u00dfung und einen Satz \u00fcber Bertie aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The King&#8217;s Speech ist seit langer Zeit der erste Film, den ich im Kino (und nicht auf DvD etc.) gesehen und es nicht bereut habe, Geld f\u00fcr eine Kinokarte aus dem Fenster geworfen zu haben. 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