{"id":683,"date":"2012-07-11T12:36:11","date_gmt":"2012-07-11T10:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=683"},"modified":"2013-09-30T20:19:45","modified_gmt":"2013-09-30T18:19:45","slug":"hurra-meine-uni-hat-gebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=683","title":{"rendered":"Hurra! Meine Uni hat gebaut!"},"content":{"rendered":"<p>Endlich wird er er\u00f6ffnet! Der Neubau &#8220;Kulturwissenschaftliches Zentrum&#8221; der Uni G\u00f6ttingen ist fertig und bezogen. Die offizielle Pessemitteilung findet man <a title=\"Pressemitteilung KWZ \u2013 Uni G\u00f6ttingen\" href=\"http:\/\/www.uni-goettingen.de\/de\/3240.html?cid=4236\" target=\"_blank\">hier<\/a> \u2013 und kann sogar einen sechsmin\u00fctigen Werbefilm sehen.<\/p>\n<h2>Im B\u00fcro<\/h2>\n<p>Doch ist wirklich alles Friede-Freude-Eierkuchen? Die M\u00e4ngelliste am Geb\u00e4ude ist lang, die Bauarbeiten tats\u00e4chlich noch lange nicht abgeschlossen und die Mitarbeiter*innen zunehmend genervt. Muss es wirklich sein, dass es in einzelnen B\u00fcros bei sch\u00f6nem Wetter auch mal 40\u00b0 C hei\u00df wird? Denn nach allem was man als Student so an Ger\u00fcchten h\u00f6rt, ging der Uni bei Baukosten von 25,2 Millionen Euro am Ende doch das Geld aus, so dass das Flachdach nicht mehr isoliert werden konnte. Doch nicht nur das: Die engen Treppen machen es beinahe unm\u00f6glich, dass zwei Personen sie gleichzeitig nutzen. Oft genug steht man also abwartend am Treppenabsatz, dem entgegenkommenden Kollegen*innen im Einverst\u00e4ndnis \u00fcber die nervige Situation zul\u00e4chelnd.<\/p>\n<h2>Im Seminarraum<\/h2>\n<p>Doch nicht nur die neuen B\u00fcros sind gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. An 60 x 120 cm kleinen Tischen in den Seminarr\u00e4umen ist es nicht nur nahezu unm\u00f6glich entspannt nebeneinander zu sitzen, auch die f\u00fcr Geisteswissenschaftler*innen eher typische Menge an Unterlagen ist darauf nur mit gro\u00dfem Ordnungsgeschick angemessen unterzubringen.<\/p>\n<p>Die anhaltenden Bauarbeiten rund um das Geb\u00e4ude machen die gespr\u00e4chsintensiven Seminare auch nicht einfacher. Lange waren noch letzte Arbeiten an der Au\u00dfenfassade umzusetzen und an den Gr\u00fcnanlagen wird immer noch mit schweren Maschinen gearbeitet. Der L\u00e4rmpegel drau\u00dfen ist hoch, doch ohne ge\u00f6ffnete Fenster ist drinnen die Luft vom vielen Denken viel zu schnell verbraucht. Ein Teufelskreis.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass es im Erdgeschoss mit immerhin 9 gro\u00dfen Seminarr\u00e4umen keine einzige Toilette gibt, die f\u00fcr die \u00f6ffentliche Benutzung gedacht ist. Der dreifache Gang zur Toilette aus Nervosit\u00e4t vor dem n\u00e4chsten wichtigen Referat ist also umst\u00e4ndlich und f\u00fchrt dazu noch in den Keller.<\/p>\n<h2>Gro\u00dfartige Bibliothek<\/h2>\n<p>Zugegeben: die Bibliothek dagegen, die 23 Teilbibliotheken der Kulturwissenschaften zusammenf\u00fchrt, ist gro\u00dfartig! Endlich nicht mehr durch die ganze Stadt fahren m\u00fcssen, um ein Buch zu besorgen. Doch Moment: obwohl es wirklich viele Arbeitspl\u00e4tze gibt, hat sich wohl schnell herumgesprochen, dass es hier sehr leise und hell ist und wirklich gro\u00dfe Arbeitstische zur Verf\u00fcgung stehen. Studierende aller Fachrichtungen kommen inzwischen um hier in Ruhe arbeiten zu k\u00f6nnen. So wird es zu den Sto\u00dfzeiten schon mal schwierig einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Konzept der unterschiedlichen Arbeitspl\u00e4tze geht offensichtlich auf: mietbare Arbeitskabinen, Tageskabinen, Einzelarbeitspl\u00e4tze und R\u00e4ume f\u00fcr Gruppenarbeit sind schneller belegt als man gucken kann. Student*innen und Dozenten*innen sch\u00e4tzen die gut strukturierte Bibliothek mit den schnell auffindbaren B\u00fcchern offensichtlich.<br \/>\nDas gleiche Temaraturproblem wie im ganzen Haus gibt es \u00fcberigens in abgemilderter Form auch in der Bibliothek: mit jedem Stockwerk das man erklimmt, steigt schon nach wenigen Sonnentagen die Temparatur derart, dass der Gedanke an Bademode und Pools in der Bibliothek unglaublich verlockend wird.<\/p>\n<h2>Behindertengerecht?<\/h2>\n<p>Doch der offensichtlichste Mangel: f\u00fcr einen Neubau ist das Kulturwissenschaftliche Zentrum erschreckend wenig barrierefrei. Die Eingangst\u00fcr l\u00e4sst sich von einer Person, die im Rollstuhl sitzt, trotz T\u00fcr\u00f6ffner auf keinen Fall benutzen. Immerhin muss man seitlich neben die T\u00fcr fahren, den T\u00fcr\u00f6ffner bet\u00e4tigen und bekommt dann auch schon die schwere T\u00fcre in den Weg. Die Behindertentoilette des Erdgeschosses, l\u00e4sst sich nur \u00fcber den Aufzug erreichen, denn sie liegt auf einer \u00fcber drei Stufen zu erreichenden Zwischenebene. Dar\u00fcber hinaus kann man die T\u00fcre zur Toilette noch nicht mal abschlie\u00dfen. Die Ansagen im Aufzug sind \u00fcbrigens nicht verst\u00e4ndlich, da Etagenansage und Hinweis auf das \u00d6ffnen der T\u00fcr nahtlos ineinander \u00fcbergehen. Wie man als Rollstuhlfahrer*in die sehr schweren Zwischent\u00fcren im gesamten Geb\u00e4ude \u00f6ffnen k\u00f6nnen soll, ist mir dar\u00fcber hinaus auch ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<h2>Die Er\u00f6ffnungsfeier<\/h2>\n<p>Heute Morgen wurde dieses Neubau mit den &#8220;guten Arbeitsbedingungen&#8221; feierlich er\u00f6ffnet. Hochkar\u00e4tige G\u00e4ste (die Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan; die Nieders\u00e4chsische Ministerin f\u00fcr Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka) und Unileitung trafen sich dazu jedoch unter sich: Mitarbeiter*innen wurden nur eingeladen, wenn sie eine Halbzeitstelle hatten und mussten sich zudem per Formular anmelden, um eine Eintrittskarte zu bekommen. Dass sich die Universit\u00e4t nur bedingt f\u00fcr Studierende interessiert, ist diesen bekannt. Entt\u00e4uschend ist es jedoch trotzdem jedes Mal wieder, einfach so \u00fcbergangen zu werden. Immerhin wird in der \u00d6ffentlichkeit ja gerne betont, dass das Kulturwissenschaftliche Zentrum ein hervorragender Ort zum Lernen sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich wird er er\u00f6ffnet! Der Neubau &#8220;Kulturwissenschaftliches Zentrum&#8221; der Uni G\u00f6ttingen ist fertig und bezogen. 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