{"id":2746,"date":"2016-07-12T08:03:22","date_gmt":"2016-07-12T06:03:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2746"},"modified":"2016-07-11T22:16:54","modified_gmt":"2016-07-11T20:16:54","slug":"the-lobster-absurdes-lieben-in-perfektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2746","title":{"rendered":"&#8220;The Lobster&#8221; &#8211; absurdes Lieben in Perfektion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Yorgos Lanthimos neuer Film &#8220;The Lobster&#8221; ist verst\u00f6rend wie faszinierend zugleich. Wer einen Film \u00fcber Liebe sehen m\u00f6chte, der nicht den klassischen Hollywooderz\u00e4hlstrang folgt, ist hier genau richtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film\u00a0&#8220;<a href=\"http:\/\/www.lobsterfilm.co.uk\/watch-at-home-hub\">The Lobster<\/a>&#8221; (Der Hummer) startet unvermittelt damit, dass eine Frau aus einem Auto steigt und einen von zwei grasenden Eseln erschie\u00dft und anschlie\u00dfend weiterf\u00e4hrt. Es gibt hierf\u00fcr keine weitere Erkl\u00e4rung sp\u00e4ter im Film, gibt dem Zuschauer jedoch bereits einen Vorgeschmack auf die Grundstimmung des Films. (Wer den Film sehen m\u00f6chte, sollte hier zu lesen aufh\u00f6ren.)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dAxMksPWGXI\" width=\"640\" height=\"340\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">David (Colin Farrell) kommt in einem Hotel an, in dem Singles untereinander vermittelt werden. Jeder neuankommender Single hat 45 Tage Zeit einen Partner zu finden unter den anderen Hotelg\u00e4sten. Damit jeder die gleichen Chancen hat, gibt es f\u00fcr jedes Geschlecht auch die gleiche Kleidung, vier Alltagsroben und eine Galaversion. Die Spielregeln sind klar: Schafft man es nicht innerhalb dieser 45 Tage einen Partner zu finden, wird man in ein Tier seiner Wahl verwandelt. Indem man jedoch &#8220;Loners&#8221; auf der Jagd erlegt, kann man diesen Tag hinausschieben. Die &#8220;Loners&#8221;, oder Alleing\u00e4nger, sind diejenigen, die aus dem System ausgebrochen sind und bewusst allein leben wollen. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie in Kauf nehmen, nur in den W\u00e4ldern eine Heimat zu haben und von den &#8220;normalen&#8221; Menschen im Hotel gejagt und verachtet zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Hotel werden Verst\u00f6\u00dfe gegen die Spielregeln bzw. Moral geahndet: wer im Singlebereich wohnt, hat kein Recht auf Selbstbefriedigung oder Sex mit einem weiteren Single. Erst wenn man sich offiziell einen Partner ausgesucht hat und in den Paarbereich umziehen darf, hat man ein Recht darauf. Bis dahin erhalten die Singles Schie\u00dfunterricht, um besser auf den Jagden zu sein und werden instruiert, wieso ein Single &#8211; Dasein nur negativ sein kein. Schafft man es und findet einen Partner der zu einem passt, was auf einer simplen \u00c4hnlichkeit wie h\u00e4ufigen Nasenbluten beruhen kann, hat man weitere zwei Wochen Probezeit im Paarbereich. Dann kann man endlich in die Stadt zur\u00fcck, wo jedoch auch peinlich genau \u00f6ffentlich gepr\u00fcft wird, ob man einen Partner hat mittels eines Zertifikats.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Zuschauer braucht man erst eine Weile bis man versteht, in welcher Welt man sich bewegt. Irritierend sind zum einen die kalten, blassen Farben, in denen der Film gefilmt ist und zum zweiten die <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt3464902\/soundtrack?ref_=tt_trv_snd\">Musik<\/a>, die durch die Dissonanzen harmlose Szenen unangenehm machen. David f\u00fcgt sich seinem Schicksal und versucht jemanden \u00e4hnlichen zu finden. Nachdem es relativ erfolglos ist, verlegt er sich auf das Taktieren, wie ein Freund von ihm. Dieser gibt vor auch h\u00e4ufig Nasenbluten zu haben, wie eine der jungen Frauen, um als Mensch zu \u00fcberleben. David gibt vor keine Gef\u00fchle zu haben, genauso wie eine der Singlefrauen. Als diese jedoch im Paarbereich merkt, dass es sich um eine L\u00fcge seitens David handelt, will sie ihn direkt zur Hotelmanagerin bringen. Mithilfe eines Zimmerm\u00e4dchens schafft er es sie jedoch in den Transformationsraum zu bringen, in dem sie in ein Tier verwandelt wird. David flieht in die W\u00e4lder und wird ein &#8220;Loner&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort verliebt er sich in die Kurzsichtige (Rachel Weisz). Doch auch hier ist es strikt verboten jemanden anderen zu zu k\u00fcssen oder zu lieben und wird vom Anf\u00fchrer der Gruppe (Lea Seydoux) mit Strafen geahndet. Dennoch beginnen David und die Kurzsichtige einen Code zu entwickeln, mit dem sie sich durch Gesten verabreden k\u00f6nnen zum Sex. Sporadisch machen die Anf\u00fchrerin mit einem Mann, sowie David und die Kurzsichtige einen Ausflug in die Stadt, wo sie die Eltern der Anf\u00fchrerin besuchen. Hier wird der Anf\u00fchrerin auch klar, dass sich David und die Kurzsichtige lieben. Daher macht sie dem ganzen auch Ende, in dem sie die Kurzsichtige unter dem Vorwand die Augen f\u00fcr besseres Sehen lasern zu lassen, blenden l\u00e4sst. Dies geschieht kurz bevor die beiden aus den W\u00e4ldern in die Stadt fliehen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das bringt die beiden nicht von ihrem Plan ab. Nach einigen Wochen fliehen sie in die Stadt. Da zuvor ihre Gemeinsamkeit in der Kurzsichtigkeit bestand, scheint David entschlossen, sich nun auch zu blenden, sodass sie beide blind sind.\u00a0Da alle in dem Film sehr unterk\u00fchlt und ohne Emotion, fast puppenartig wirken, gibt diese Ann\u00e4herung zwischen David und der Kurzsichtigen Hoffnung. Dennoch bleibt David mit seiner eigenen Blendung in der gleichen Logik der Hotelg\u00e4ste: eine simple Gemeinsamkeit bildet die Basis f\u00fcr eine Beziehung.\u00a0 Der scheinbare Ausbruch aus dem System, da sie obwohl sie Loner sind Gef\u00fchle f\u00fcr einen anderen Menschen hegen, bleibt unvollendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende bleibt man ratlos zur\u00fcck: die einzelnen Versatzst\u00fccke ergeben kein koh\u00e4rentes Gesamtbild. Einziger roter Faden:Das Verst\u00e4ndnis von Beziehung ist absolut pervertiert und absurd. Man k\u00f6nnte den Film als Kritik an unserer Gesellschaft sehen, die nach wie vor das Leben in einer Partnerschaft als das erstrebenswerte hochh\u00e4lt. Auch wenn vielleicht an der Modernit\u00e4t des Konzepts der &#8220;Ehe&#8221; zweifeln mag, so ist doch die Mehrheit der Menschen auf der Suche nach einem Partner. Hotelzimmer werden g\u00fcnstiger als Doppelzimmer und in Restaurants sitzt man auch selten gerne allein. Nur Exzentriker und M\u00f6nche sind heute noch tats\u00e4chlich anerkannte Singles f\u00fcr immer. Dabei braucht es ja nach Lanthimos gar nicht viel f\u00fcr eine scheinbar funktionierende Partnerschaft: eine oberfl\u00e4chliche Gemeinsamkeit wie h\u00e4ufiges Nasenbluten reicht schon vollkommen aus, dass man in die Familienidylle eintreten kann. Klappt es nicht mehr so gut, erh\u00e4lt man ein Kind (im Film wie in der Realit\u00e4t), dass dann die Probleme verlagert und die Partnerschaft andauern l\u00e4sst. Tiefergehende Liebe als Akzeptanz des Partners als Ganzes oder der bewussten Entscheidung scheint es nicht mehr zu geben. Man muss, nachdem eine Partnerschaft endet,\u00a0 schnellst m\u00f6glich wieder einen neuen Partner finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer also bereit ist, sich auf zwei Stunden Absurdit\u00e4t einzulassen, wird nicht entt\u00e4uscht mit diesem Film.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yorgos Lanthimos neuer Film &#8220;The Lobster&#8221; ist verst\u00f6rend wie faszinierend zugleich. Wer einen Film \u00fcber Liebe sehen m\u00f6chte, der nicht den klassischen Hollywooderz\u00e4hlstrang folgt, ist hier genau richtig. 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