{"id":2551,"date":"2015-10-28T12:18:10","date_gmt":"2015-10-28T11:18:10","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2551"},"modified":"2015-10-28T10:35:41","modified_gmt":"2015-10-28T09:35:41","slug":"rezension-das-13-kapitel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2551","title":{"rendered":"Rezension: Das 13. Kapitel"},"content":{"rendered":"<p>Der Roman <em>Das 13. Kapitel<\/em> von Martin Walser ist wohl eher f\u00fcr \u00e4ltere, m\u00e4nnliche Feulletonisten geschrieben. Beim ersten Nachdenken, was ich in dieser Rezension \u00fcber dieses Buch schreiben m\u00f6chte, ist mir jedenfalls au\u00dfer dem, was auch im Klappentext steht,\u00a0nicht viel dar\u00fcber eingefallen. Und \u00fcberhaupt habe ich mich beim Lesen die ganze Zeit \u00fcber gef\u00fchlt, als sei ich einfach nicht die Zielgruppe des Romans. Vermutlich habe ich mich deshalb dabei ziemlich gelangweilt. Der Klappentext gibt jedenfalls beinahe die gesamte Handlung des Romans wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Mit einem Festessen im Schloss Bellevue f\u00e4ngt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr l\u00f6sen. Wenig sp\u00e4ter schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie gl\u00fccklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen k\u00f6nnen wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein pers\u00f6nliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind H\u00e4ngebr\u00fccken \u00fcber einem Abgrund namens Wirklichkeit. Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. W\u00e4hrend sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass kaum Handlung im Roman vorhanden ist, ist f\u00fcr das Buch allerdings nicht so wichtig. Vielmehr als irgendwelches Geschehen steht die M\u00f6glichkeit im Mittelpunkt in Briefen an eine fremde Person Dinge sagen zu k\u00f6nnen, die man den Vertrauten zuhause gegen\u00fcber nicht aussprechen kann. Der im Klappentext formulierte Zwang zur Antwort, den die Briefe schaffen, erschloss sich mir zwar nicht ganz, ich h\u00e4tte auf einen solchen Brief eher nicht geantwortet. Aber ich bin schlie\u00dflich auch weder ein erfolgreicher Schriftsteller, noch eine festangestellte Theologieprofessorin. Und schlie\u00dflich muss der Roman ja irgendwie weitergehen. Auch auch die angek\u00fcndigte alles umwerfende Wende fand ich nur wenig dramatisch. Letztendlich dreht sich der Briefaustausch von Schriftsteller und Professorin um die Frage, was genau Verrat am Lebenspartner und Fremdgehen bedeuten. Eine Frage, die f\u00fcr viele meiner Generation nicht auf die Art und Weise relevant ist, wie sie im Roman behandelt wird. W\u00e4hrend im Roman immer noch mitschwingt, dass letztlich der Partner f\u00fcr alle sexuellen, emotionalen und freundschaftlichen Bed\u00fcrfnisse verantwortlich ist, scheinen sich die meisten 20-30j\u00e4hrigen pragmatischer zu verhalten: Verschiedene Bed\u00fcrfnisse k\u00f6nnen von verschiedenen Personen erf\u00fcllt werden, solange offen und ehrlich damit umgegangen wird. Die Frage, ob es Verrat ist mit einem oder einer Fremde sehr vertrauliche Briefe zu schreiben, scheint mir folglich v\u00f6llig irrelevant.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus lese ich gerade besonders gerne Detektivgeschichten und Fantasy \u2013 beides Genres die sich durch jede Menge Handlung und Spannung auszeichnen. Folglich war\u00a0<em>Das 13. Kapitel<\/em>\u00a0mit all seiner Nachdenklichkeit und seinem philosophierenden Charakter vielleicht einfach nicht das richtige Genre f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Besonders entt\u00e4uscht war ich \u00fcbrigens, als ich feststellen musste, dass der Titel sich nicht auf die Struktur der Erz\u00e4hlung auswirkt. Wie viele M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte es gegeben: Nur 12 Kapitel schreiben und einen offenen Schluss lassen. Das 13. Kapitel als dramatischen H\u00f6he- und Schlusspunkt. Das 13. Kapitel als wirklich revolutionierenden Wendepunkt\u2026 Stattdessen stammt der Titel \u2013 angeblich \u2013 nur an einem weiteren &#8220;Verrat&#8221; des Schriftstellers an seiner Frau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Martin Walser. <em>Das 13. Kapitel<\/em>. \u00a02014 erschienen\u00a0bei rororo. Taschenbuch 9,99\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Roman Das 13. 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