{"id":2529,"date":"2015-09-04T12:44:55","date_gmt":"2015-09-04T10:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2529"},"modified":"2015-09-02T12:53:46","modified_gmt":"2015-09-02T10:53:46","slug":"buddenbrook-haus-lubeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2529","title":{"rendered":"Buddenbrook-Haus L\u00fcbeck"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"http:\/\/buddenbrookhaus.de\" target=\"_blank\">Museum<\/a> ist so entt\u00e4uschend, dass ich kein einziges Foto gemacht habe. Das f\u00e4ngt damit an, dass das Haus leider schon von au\u00dfen viel kleiner ist, als ich es mir vorgestellt habe. Im Eingang steht dann eine lebensgro\u00dfe Figur von Thomas Mann, die ausgerechnet knallpink ist. Ich meine KNALL PINK. Thomas Mann. Man kommt dann zur Kasse, die gleichzeitig der Museumsshop ist. Dort habe ich sehr vermisst, dass die gro\u00dfe kommentierte Frankfurter Ausgabe der Werke von Thomas Mann nicht wenigstens in einem Exemplar vorhanden war. Nat\u00fcrlich ist die super teuer und kaum einer wird sie kaufen, aber warum sollte man irgendwas von Thomas Mann ohne Kommentar lesen wollen? Bildungsauftrag!<\/p>\n<p>Im Erdgeschoss ist ein riesiger Raum, in dem die Familiengeschichte der Manns erz\u00e4hlt wird. Dazu gibt es vor allem Texte. Ein paar Fotos, Briefe, B\u00fccher. In der Mitte eine H\u00f6rstation und an einer Stelle ein Film. Ansonsten aber Flachware. Der Raum ist nur interessant, wenn man sich noch NIE mit den Manns besch\u00e4ftigt hat. Aber eine Mann-Biographie von Inge und Walter Jens ist informativer und spannender. Die beiden k\u00f6nnen n\u00e4mlich gut schreiben.<\/p>\n<p>Im ersten Stock ist ein Raum f\u00fcr die Sonderausstellung. Dort ist kein Licht angemacht, alle Installationen der Ausstellung haben nicht funktioniert, als wir da waren. Es sah aus, als k\u00f6nne man zwei Filme ansehen. Und ansonsten gibt es die M\u00f6glichkeit sich ein eigenes &#8220;Buch&#8221; mit Meertexten zu basteln, indem man einen Schnellhefter nimmt und sich einzelne Bl\u00e4tter mit Texten von der Wand nimmt. LANGWEILIG. Und ich lese eigentlich wirklich gerne. Aber soo langweilig.<\/p>\n<p>Im zweiten Stock schlie\u00dflich die Buddenbrook-Ausstellung. Dort sind das &#8220;Landschaftszimmer&#8221; und der Speisesaal nachgebaut. Aber auch hier: Thomas Manns Beschreibungen und die Nachgestaltung \u2013 was f\u00fcr ein trauriger Unterschied. Alles wirkt pl\u00f6tzlich viel kleiner und weniger reich als im Roman. Au\u00dferdem wirken die R\u00e4ume irgendwie seltsam unbelebt und tot. Vermutlich vor allem deshalb, weil alle M\u00f6bel abgedeckt sind, als w\u00e4ren die Buddenbrooks gerade auf einer l\u00e4ngeren Reise. Am spannendsten sind noch Zettelchen in den R\u00e4umen, die auf verschiedene Stellen des Romans verweisen. Ansonsten wird das Stockwerk vor allem von einer riesigen Bibliothek eingenommen, die man als normaler Besucher aber noch nicht mal betreten darf. Es gibt eine coole Station an der man verschiedene Film-Versionen des Romans vergleichen kann, die eingesetzte Technik ist allerdings leider ziemlich veraltet und nicht gerade selbsterkl\u00e4rend. An mehreren Steelen gibt es au\u00dferdem Hintergrundinformationen zu den\u00a0<em>Buddenbrooks.<\/em>\u00a0Aber wieder wird haupts\u00e4chlich Text gezeigt und ausgestellt.<\/p>\n<p>Insgesamt hatte ich bei meinem Besuch den starken Eindruck, dass das Museum viele Chancen nicht nutzt. Meins Wissens ist das Buddenbrookhaus, das einzige Literaturmuseum in Deutschland, das einen Roman zum Gegenstand hat und nicht einen Autor. Leider kommt das nicht so sehr zur Geltung, wie es sollte. Zudem handelt es sich bei den\u00a0<em>Buddenbrooks<\/em>\u00a0auch noch um einen Roman, der mit \u00e4u\u00dferstem Detail die verschiedenen R\u00e4ume, Orte und Personen beschreibt. Mit etwas Kreativit\u00e4t sollten doch passende M\u00f6bel, Kleidungsst\u00fccke, Dekoration, Geschirr, B\u00fccher\u2026 zu beschaffen sein, die zeigen, wie die Buddenbrooks so leben. Mir steht die Familie viel zu wenig im Mittelpunkt. Die einzelnen Figuren werden nicht erkl\u00e4rt. Man k\u00f6nnte doch so einfach so tun, als w\u00e4ren die Buddenbrooks eine &#8220;reale&#8221; Familie. Und h\u00e4tte viel weniger Probleme damit, dass die Museen immer nur eine Geschichte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, auch \u00fcber reale Menschen. Denn man k\u00f6nnte einfach eine Geschichte nacherz\u00e4hlen. So viele typische Legitimationsprobleme f\u00fcr ein Museum w\u00e4ren nicht gegeben, wenn man einfach ein echtes Literaturmuseum machen w\u00fcrde und den Roman ausstellte!<\/p>\n<p>Da das Museum bis 2018 renoviert werden soll, hoffe ich sehr, dass dann der Schwerpunkt st\u00e4rker auf die Familie Buddenbrook gesetzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Museum ist so entt\u00e4uschend, dass ich kein einziges Foto gemacht habe. Das f\u00e4ngt damit an, dass das Haus leider schon von au\u00dfen viel kleiner ist, als ich es mir vorgestellt habe. Im Eingang steht dann eine lebensgro\u00dfe Figur von Thomas Mann, die ausgerechnet knallpink ist. Ich meine KNALL PINK. Thomas Mann. 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