{"id":244,"date":"2011-07-08T17:16:29","date_gmt":"2011-07-08T15:16:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=244"},"modified":"2013-09-30T20:10:13","modified_gmt":"2013-09-30T18:10:13","slug":"filmtipp-alles-was-wir-geben-mussten-ein-horrorfilm-ohne-monster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=244","title":{"rendered":"Filmtipp: Alles was wir geben mussten &#8211; ein Horrorfilm ohne Monster"},"content":{"rendered":"<p>Regie: Mark Romanek<\/p>\n<p>Drehbuch: Alex Garland, basierend auf Kazuo Ishiguros Buch<\/p>\n<p>mit Carey Mulligan, Keira Knightley und  Andrew Garfield<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/h2aNb9TjjmM\" frameborder=\"0\" width=\"560\" height=\"349\"><\/iframe><\/p>\n<p>Wer mal wieder Lust hat auf einen ergreifenden, aber auch entsetzenden Kinofilm, sollte in Mark Romaneks Verfilmung von Kazuo Ishiguros Sciene-Fiction-Roman \u201eAlles was wir geben mussten\u201c gehen.<\/p>\n<p>Der Film beginnt mit dem R\u00fcckblick von Kathy H., die auf ihre gl\u00fcckliche Kindheit Mitte des 20 Jahrunderts in Hailsham zur\u00fcckblickt \u2013 alles scheint unbeschwert; ein englisches Internat in typischen Backsteinstil, gro\u00dfe Schlafs\u00e4le und strenge Erzieherinnen.<\/p>\n<p>Gegen diese scheinbare Idylle spricht die erste Szene \u2013 Kathy H., die melancholisch auf einen Mann blickt, der gleich operiert wird. Dieses anf\u00e4ngliche Unbehagen wird beim Zuschauer subtil gesteigert, durch Beobachtung der w\u00f6chentlichen Gesundheitsuntersuchung, die streng durchgef\u00fchrt wird oder der morgendlichen Einnahme von gesundheitsf\u00f6rdernden Mittel.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig kommt auch eine Frau, die Bilder f\u00fcr ihre Galerie ausw\u00e4hlt \u2013 die besten Werke aus dem Kunstunterricht, was auch f\u00fcr die Kinder eine besondere Ehre bedeutet.<\/p>\n<p>Erst als eine progressivere Aufsicht, Miss Lucy ihrer Klasse, worin Kathy mit ihren Freunden Tommy und Ruth sitzt, die Wahrheit \u00fcber ihre Existenz verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt, wird Sinn und Zweck von sportlicher Bet\u00e4tigung und \u00e4rztlichen Untersuchungen klar: Alle Hailsham-Sch\u00fcler sind im Grunde nichts anderes als Organspender \u2013 nur aufgezogen, um als Ersatzteillager f\u00fcr andere Menschen zu dienen.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Schule kommen Kathy, Ruth und Tommy gemeinsam auf die Cottages, ein Bauernhof, wo sie ab und an mitarbeiten m\u00fcssen, sonst aber im Gro\u00dfen und Ganzen sich selbst \u00fcberlassen sind. Die Dreiecksbeziehung zwischen den drei wird hier am schwierigsten f\u00fcr Kathy: Ruth und Tommy sind ein Paar, obwohl Kathy viel fr\u00fcher auf Tommy zugegangen ist, als er noch von allen in der Schule geh\u00e4nselt wurde, weil er weder im Sport noch im Kunstunterricht gut war.<\/p>\n<p>Nachdem Ruth Kathy unmissverst\u00e4ndlich klar gemacht hatte, dass sie sich nie von Tommy trennen w\u00fcrde, bewirbt sich Kathy f\u00fcr einen Freiwilligendienst, der f\u00fcr die \u201eOrganspender\u201c angeboten wird \u2013 sie wird Betreuerin von anderen Organspendern und begleitet diese vor und nach den Organspenden. Dies ist auch der erste Bruch zwischen den dreien \u2013 kurze Zeit sp\u00e4ter scheitert auch die Beziehung zwischen Ruth und Tommy. Sie verlieren sich aus den Augen.<\/p>\n<p>Nur \u00fcber Zufall trifft Kathy Ruth wieder \u2013 als Ruth im selben Krankenhaus wie eine ihrer betreuten Patienten liegt, nach ihrer zweiten Organspende. Ruth m\u00f6chte auch Tommy sehen, gemeinsam mit Kathy, nur um sich bei den beiden zu entschuldigen, daf\u00fcr, dass sie Tommy und Kathy bewusst voneinander ferngehalten hat. Als Wiedergutmachungsangebot gibt sie den Beiden die Adresse, wo Paare, die in Hailsham zur Schule gegangen sind, angeblich noch einen Aufschub bekommen k\u00f6nnen \u2013 vor ihren Organspenden. Die kurze Hoffnung wird entt\u00e4uscht und Tommy \u201evollendet\u201c mit seiner dritten Organspende, d.h. er stirbt w\u00e4hrend dieser.<\/p>\n<p>Besonders schockierend an dem Film ist die Tatsache, dass er so realistisch gestaltet ist, da er einmal im 20 Jahrhundert spielt, aber auch nahe an den tats\u00e4chlichen M\u00f6glichkeiten der Menschheit unserer Zeit ist. Das Gedankenspiel, dass andere Menschen \u201eaufgezogen\u201c werden, um als Ersatzteillager funktionieren, scheint auf den ersten Blick absurd. Andererseits wird es in kleinen Ma\u00df bereits betrieben: Mithilfe der Gentechnik sind schon Kinder mit fast exakt gleichen Genen gezeugt worden, damit sie sp\u00e4ter als Organspender f\u00fcr den krebskranken Bruder oder schwerkranke Schwester dienen. Im Prinzip ist dies ein \u00e4hnliches Verfahren, nur noch optimiert, da ein direkt passender Organspender geschaffen wird. Welche Problematik dadurch entstehen kann, ist im Film <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5WDGtMJpt_A&#038;feature=related\" target=\"_blank\">\u201eBeim Leben meiner Schwester\u201c<\/a> erz\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p>Neben der spannenden Geschichte, ist auch die Umsetzung bemerkenswert: Kurze Einblendungen von einem Sonnenuntergang oder der Stille auf einem Feld wirken wir filmische Vorboten f\u00fcr die folgenden Handlung. Zwar wird aus Kathys Sicht erz\u00e4hlt, aber der Zuschauer bekommt dennoch einen Einblick in das Innenleben der anderen Protagonisten durch kleine Szenen, die subtil die Filmrealit\u00e4t erkl\u00e4ren; beispielsweise als die Organentnahme bei einem dem Zuschauer unbekannten Organspender gezeigt wird, der w\u00e4hrend der OP \u201evollendet\u201c, wie es euphemistisch hei\u00dft. Fast ohne Mitgef\u00fchl wird der Sauerstoffschlauch abgesteckt, schnell die Organe weggebracht und die Tote liegt mit offenen Bauch w\u00fcrdelos und verlassen im OP-Saal.<\/p>\n<p>Insgesamt vielleicht keine leichte Sommerunterhaltung, daf\u00fcr aber ein anregender Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regie: Mark Romanek Drehbuch: Alex Garland, basierend auf Kazuo Ishiguros Buch mit Carey Mulligan, Keira Knightley und Andrew Garfield Wer mal wieder Lust hat auf einen ergreifenden, aber auch entsetzenden Kinofilm, sollte in Mark Romaneks Verfilmung von Kazuo Ishiguros Sciene-Fiction-Roman \u201eAlles was wir geben mussten\u201c gehen. 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