{"id":2425,"date":"2015-04-13T11:20:21","date_gmt":"2015-04-13T09:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2425"},"modified":"2015-04-14T12:38:21","modified_gmt":"2015-04-14T10:38:21","slug":"o-tempora-o-modi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2425","title":{"rendered":"O tempora o modi!"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl an meinem Laptop seit geraumer Zeit ein Zettel &#8220;Kein historischhes Pr\u00e4sens&#8221; klebt, sind die Tempi und Modi in meiner Masterarbeit ein f\u00fcrchterliches Durcheinander. Also sitze ich jetzt da und ackere mich in der Dudengrammatik durch das Kapitel &#8220;Die Funktionen der (einfachen und mehrteiligen) Verbformen&#8221;. Bisher habe ich dabei gelernt, dass es im Konjunktiv schwierig wird zeitliche Bez\u00fcge zu differenzieren. Dabei w\u00e4re f\u00fcr meinen Text durchaus wichtig. Schlie\u00dflich arbeite ich historisch und muss immer wieder Quellen zitieren, was ich \u00fcblicherweise in der indirekten Rede, also im Konjunktiv tue. Dabei w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn ich dabei auch nach Tempus differenzieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich glaube \u00fcbrigens, dass die gro\u00dfe Beliebtheit des historischen Pr\u00e4sens (= \u00fcber ein historisches Ph\u00e4nomen wird im Pr\u00e4sens geschrieben) darauf zur\u00fcck zu f\u00fchren ist, dass es die Tempusverwendung so viel einfaher macht, weil es st\u00e4rker der gesprochenen Alltagssprache entspricht, in der sich die Autorinnen sicherer f\u00fchlen, als in der Schriftsprache.<\/p>\n<p>Dann wiederum macht der Duden auch deutlich, weshalb es eigentlich doch sinnvoll w\u00e4re in erz\u00e4hlenden und wissenschaftlichen Texten das Pr\u00e4teritum zu verwenden:<\/p>\n<blockquote><p>Verst\u00e4ndlich wird auch, dass das Pr\u00e4teritum das typische Tempus des Erz\u00e4hlens ist. Erz\u00e4hlen\u00a0im nicht fiktionalen Sinne kann der Sprecher nur das, was von seinem Jetzt aus betrachtet festliegt und sich \u00fcberblicken l\u00e4sst \u2013 das hei\u00dft, Gegebenheiten in der Vergangenheit. Wenn nichts dagegen spricht, zeigt das Pr\u00e4teritum [\u2026] mithin nicht nur Vergangenheits-, sondern auch Wirklichkeitsbezug (&#8220;Faktizit\u00e4t&#8221;) an. (Duden. Die Grammatik S. 504)<\/p><\/blockquote>\n<p>Mal abgesehen davon, dass ich das Wort &#8220;Faktizit\u00e4t&#8221; einfach gerne mag, sagt dieser Satz auch etwas ganz Gro\u00dfartiges: Wenn ich mich in einem Text mit dem Pr\u00e4teritum ausdr\u00fccke, signalisiert die Sprache allein durch die Grammatik, dass etwas Wirklich und Echt ist. Das hei\u00dft auch, dass ich meinem Text allein durch die Verwendung des Pr\u00e4teritums mehr Nachdruck verleihen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl an meinem Laptop seit geraumer Zeit ein Zettel &#8220;Kein historischhes Pr\u00e4sens&#8221; klebt, sind die Tempi und Modi in meiner Masterarbeit ein f\u00fcrchterliches Durcheinander. Also sitze ich jetzt da und ackere mich in der Dudengrammatik durch das Kapitel &#8220;Die Funktionen der (einfachen und mehrteiligen) Verbformen&#8221;. Bisher habe ich dabei gelernt, dass es im Konjunktiv schwierig [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wprm-recipe-roundup-name":"","wprm-recipe-roundup-description":""},"categories":[322,320],"tags":[644,445,708,825,713,847],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2425"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2425"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2428,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2425\/revisions\/2428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}