{"id":2355,"date":"2014-05-13T19:19:29","date_gmt":"2014-05-13T17:19:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2355"},"modified":"2014-05-14T16:46:07","modified_gmt":"2014-05-14T14:46:07","slug":"wie-tumblr-eine-serie-schrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2355","title":{"rendered":"Wie Tumblr eine Serie schrieb"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Fan. Was lag also f\u00fcr mich n\u00e4her als in der Vorlesung \u201eVom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie\u201c eine Arbeit \u00fcber Fans zu schreiben. Dort kam auch noch <em>Sherlock<\/em> ins Spiel und die Rede darauf, wie (besonders durch das Internet) Fans nicht mehr nur Medienkonsumenten, nicht mehr nur Mediennutzer sondern &#8220;Produser&#8221; werden, also in das Zwischenfeld zwischen der Nutzung von medialen Inhalten und einem eigenen Beitrag dazu eintreten. Was im Internet in den zwei Jahren zwischen der Ausstrahlung der zweiten und dritten Staffel von Sherlock passierte,  f\u00e4llt meiner Meinung nach genau in dieses Feld: Die Fans f\u00fcllen Foren, Websiten und Blogs mit Theorien und Wissen zur Frage \u201eWie \u00fcberlebt Sherlock\u201c. Da sie dabei so gr\u00fcndlich vorgehen, dass keine Sekunde der Folge S02E03 unanalysiert bleibt, gibt es zwangsl\u00e4ufig eine R\u00fcckwirkung auf die folgende Episode. Die Autoren k\u00f6nnen nicht an den Theorien der Fans vorbei.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2014\/05\/13\/serien-fans-produsage\/\" title=\"Serien, Fans und Produsage\" target=\"_blank\">F\u00fcr den theoretischen Hintergrund habe ich mich mit der Frage vom Zusammenhang von Serialit\u00e4t und Alltagskultur, der Rolle von Fans f\u00fcr solche Serien und dem Konzept von &#8220;Produsage&#8221; auseinander gesetzt.<\/a><\/p>\n<p>Als Quelle f\u00fcr die Aktiviti\u00e4ten der Fans benutzte ich vornehmlich ein Forum, in dem die Fans wiederum auf viele andere Seiten verlinken. Dar\u00fcber hinaus habe ich mich nat\u00fcrlich in den Weiten des Internets verloren und stundenlang Video-Material zur Serie geguckt, auf das ich in meiner Analyse aber nur am Rande eingehe. Im Forum nutzen die Fans verschiedene Threads, um ihre Theorien und Fragen zur Serie zu diskutieren, miteinander zu argumentieren und versuchen auf eine L\u00f6sung zu kommen. <a href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2014\/05\/13\/sherlocknotdead\/\" title=\"#SherlockNotDead\" target=\"_blank\">Die Analysen von #SherlockNotDead sind vielf\u00e4ltig und mit unglaublichem Enthusiasmus und enormer Ausdauer verfasst.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2014\/05\/13\/be-careful-what-you-post-on-tumblr\/\" title=\"Be careful what you post on Tumblr\u2026\" target=\"_blank\">Zum Schluss werde ich zeigen, welche R\u00fcckwirkungen die Theorien der Fans auf die erste Folge der dritten Staffel hat, von der die Fans erwartet haben, dass sie die Frage nach dem \u00dcberleben Sherlocks kl\u00e4rt.<\/a><\/p>\n<p>Die Fanseite sherlock.broadhost ist ein gutes Beispiel um &#8220;produsage&#8221; von Fans zu beobachten. Jeder Diskussionsteilnehmer kann dort gleichberechtigt   seine Ideen und Theorien vorstellen und tr\u00e4gt somit dazu bei dem gemeinsamen Ziel, herauszufinden wie Sherlock es schafft zu \u00fcberleben, n\u00e4her zu kommen. Im Prozess der Wissensproduktion evaluieren und kritisieren sich die Fans gegenseitig und verbessern so ihre Theorien, decken Fehler auf und gleichen Meinungen ab. Tendenziell ist die Diskussion dabei ohne Abschluss. F\u00fcr Forschungsfragen, die zu beantworten schwierig wird, wenn sich das Feld st\u00e4ndig im Wandel befindet, ist aber gerade interessant, dass durch die Definitionsmacht der Serien-Produzenten dennoch eine endg\u00fcltige Version existieren kann. W\u00e4hrend in den fr\u00fchen Folgen von <em>Sherlock<\/em> anderer Forschung zufolge kein \u201efolding text\u201c stattfindet, wirkt sich die &#8220;produsage&#8221; der Fans nach der zweiten Staffel auf die Weitererz\u00e4hlung in der folgenden aus.  Dies muss schon zwangsl\u00e4ufig der Fall sein, weil die von den Fans produzierten Ideen so vielf\u00e4ltig sind, dass es keine weiteren M\u00f6glichkeiten gibt, wie Sherlocks \u00dcberleben erz\u00e4hlt werden k\u00f6nnte, die noch nicht irgendwo aufgegriffen wurden. Folglich bleibt den Autoren wenig anderes \u00fcbrig, als kreativ mit den  schon ver\u00f6ffentlichten Ideen der Fans umzugehen. Dabei behandeln Stephen Moffat und Mark Gatiss die Fans allerdings manchmal etwas von oben herab, insbesondere wenn sie die Spekulationen der Fans an die unsympathisch gezeichnete Figur von Anderson binden, die innerhalb der Serie auch noch f\u00fcr Sherlocks Tod mitverantwortlich gemacht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Fan. Was lag also f\u00fcr mich n\u00e4her als in der Vorlesung \u201eVom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie\u201c eine Arbeit \u00fcber Fans zu schreiben. 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