{"id":2297,"date":"2014-01-27T13:00:23","date_gmt":"2014-01-27T12:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2297"},"modified":"2014-05-07T16:14:39","modified_gmt":"2014-05-07T14:14:39","slug":"vom-marchenleser-zum-serienjunkie-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2297","title":{"rendered":"Vom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie (11)"},"content":{"rendered":"<h3>Serienkonsum, Soziabilit\u00e4t, Partizipation. Der Geschichten getr\u00e4nkte Alltag<\/h3>\n<p>Serienwissen schafft neue Narrative. Serien f\u00fchren zur Verdichtung von narrativem Wissen. Serien f\u00fchren zum von Geschichten durchdr\u00e4ngten Alltag.<\/p>\n<p>Fans produzieren neue, breit rezipierte Medieninhalte:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/CayMeza487M\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Zirkulation von Erz\u00e4hlinhalten ist eng verbunden mit Distinktionsmechanismen. W\u00e4hrend im 19. Jahrhundert der b\u00fcrgerliche Geschmack und die Felder der Kultur, die als &#8220;Hochkultur&#8221; bezeichnet werden, pr\u00e4gend sind, werden im 21. Jahrhundert Wertzuschreibungen ausgeweitet. Nun k\u00f6nnen auch popul\u00e4re Stoffe der Distinktion dienen. Die Unterhaltungsindustrie f\u00fchrt zu einer Globalisierung von Unterhaltung und dazu, dass auch andere als europ\u00e4isch-b\u00fcrgerliche Skalen von Wertzuschreibungen relevant werden (Bsp. indische Hochkultur, japanische Animes). Werte werden in der Folge zunehmend hybrid. Die Zuordnung zu bestimmten Geschmacksschichten wird schwierig.<\/p>\n<p>In seinem Talk auf dem 11. Kongress der <a href=\"http:\/\/www.siefhome.org\" target=\"_blank\">SIEF<\/a> zeigt Joep Leerssen beispielsweise, wie das Schlafmotiv aus <em>Schneewittchen<\/em> weltweit zirkuliert:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"720\" height=\"440\" src=\"https:\/\/www.uttv.ee\/embed?id=17546\" frameborder=\"0\"  allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Urban beschreibt den Prozess von &#8220;Metaculture&#8221;: durch Zirkulation der Inhalte kommt es zu immer st\u00e4rkerer Medienverdichtung. Dieser Prozess beschleunigt sich immer mehr. Gerade Remakes und Retellings, bei denen der selbe Stoff in neuen Medien adaptiert wird, tragen dazu bei (Bsp. Miss Marple: Buch => Film; Feuervogel\/Ph\u00f6nix: Erz\u00e4hlung => M\u00e4rchen => Ballett). Besonders in Hollywood ist diese Methode sehr beliebt. Dem gegen\u00fcber steht, dass m\u00fcndliches Erz\u00e4hlen eigentlich immer ein Remake ist, da jede Erz\u00e4hlperformanz einmalig ist. Remakes k\u00f6nnen als Varianz des Seriellen aufgefasst werden. Auch sie spielen mit der Lust an Varianz und Differenz des immer selben Stoffes.<br \/>\nErst durch die Rezipienten wird die Zirkulation von Inhalten erfolgreich. So folgen beispielsweise die Rezipientinnen von <em>Buffy<\/em> dem Produzenten Joss Wheedon und den Schauspielern zu anderen Serien wie <em>Angel<\/em> und <em>Bones<\/em>.<br \/>\nW\u00e4hrend Vereine eine aussterbende Organisationsform des 19. Jahrhunderts zu sein scheinen, wachsen digitale Vernetzung und Fan-Conventions.<\/p>\n<p>Der Konsum von Serien regt auch die Lust am eigenen Erz\u00e4hlen an. Fanzines und Fanfiction-Foren geben ein eindrucksvolles Beispiel davon. Diese Erz\u00e4hlungen von Fans werden mit hohem Aufwand an kreativer Energie und Arbeit produziert. Sie heben den Status von Serien und lassen Handlung und Charaktere von Erz\u00e4hlungen in Varianten fortleben. Autorenschaft kann in der Folge nicht mehr klar von Rezeption getrennt werden. Es entstehen neue Formen von &#8220;narrativen Allmenden&#8221; oder erz\u00e4hlerischem Gemeingut, auf die gegenw\u00e4rtig g\u00fcltiges Urheberrecht nicht mehr anzuwenden sind.<\/p>\n<p>Durch das Zusammenwachsen von \u00dcbertragungs- und Nutzungswegen, der Vernetzung von Produktion, Produkt, Distribution und Rezeption und der multiblen, parallelen und \u00fcberlappenden Nutzung von Erz\u00e4hlungen entstehen verschiedene Formen der Medienkonvergenz. Alex Bruns besch\u00e4ftigt sich mit verschiedenen Formen von Produsage, also Formen bei denen zwischen Produktion und Nutzung von Inhalten nicht mehr klar getrennt werden kann. Ein Beispiel f\u00fcr die M\u00f6glichkeit Dinge nicht nur zu nutzen, sondern sich auch in die Produktion einzubringen, ist Wikipedia. Die Dichotomie zwischen passivem Konsumenten und aktivem Produzenten wird bei solchen Formen zumindest teilweise aufgel\u00f6st. Allerdings gibt es auch Formen, wie beispielsweise Fanwikis, die urspr\u00fcnglich von Rezipienten also als Form von Produsage entstanden sind, heute aber wieder von Seite der Produzenten gleich beim Erscheinen von Serien oder Filmen mitgeliefert werden.<br \/>\nIn der Convergence Culture werden Erz\u00e4hlungen bewusst so konstruiert, dass die Partizipation daran m\u00f6glich ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serienkonsum, Soziabilit\u00e4t, Partizipation. Der Geschichten getr\u00e4nkte Alltag Serienwissen schafft neue Narrative. Serien f\u00fchren zur Verdichtung von narrativem Wissen. Serien f\u00fchren zum von Geschichten durchdr\u00e4ngten Alltag. Fans produzieren neue, breit rezipierte Medieninhalte: Die Zirkulation von Erz\u00e4hlinhalten ist eng verbunden mit Distinktionsmechanismen. W\u00e4hrend im 19. 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