{"id":2265,"date":"2013-12-16T13:59:34","date_gmt":"2013-12-16T12:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2265"},"modified":"2014-04-07T14:08:01","modified_gmt":"2014-04-07T12:08:01","slug":"vom-marchenleser-zum-serienjunkie-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2265","title":{"rendered":"Vom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie (8)"},"content":{"rendered":"<h3>Kontexte und Rezeptionswissen: Von Gro\u00dfmutters Scho\u00df zu Kino und Fernsehen<\/h3>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/mMqSaOdBbGw\" height=\"315\" width=\"560\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die Ever After High Filme sind \u201eintertextuell\u201c und intermedial. Zum einen greifen sie das Genre des High-School-Movies auf, zum anderen werden M\u00e4rchencharaktere aus dem Medium des M\u00e4rchens in das des Films \u00fcbertragen. Die Figuren k\u00f6nnen im Film nur erkannt werden, weil das kulturell notwendige Kontextwissen vorhanden ist.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlungen wird h\u00e4ufig der Aspekt von Tradierung und Tradition zugeschrieben. Allerdings gibt es keine \u201ereine\u201c Tradition, wie sie auch in der Wissenschaft bis in die \u201860er angenommen wurde, da es auch keine \u201eOriginaltexte\u201c gibt. Texte werden beim erz\u00e4hlen immer ver\u00e4ndert, neu geformt, verl\u00e4ngert, gek\u00fcrzt. Jedes Vortragen eines Textes macht diese Performanz zu einem ephemeren Original. Erst mit der Ver\u00e4nderung der Medien, die Texte haltbar und reproduzierbar machen, entsteht \u00fcberhaupt die Frage nach dem Copyright und damit die nach dem Original eines Textes.<\/p>\n<p>Typische Rezeptionskontexte sind die Familie oder die B\u00fchne. Wird in der Familie erz\u00e4hlt, ist das intime Setting und das Zuh\u00f6ren wichtiger, als die Herkunft der Geschichte. Die Erz\u00e4hlstimme wechselt zwischen verschiedenen Personen und im Gespr\u00e4ch wird h\u00e4ufig erst Ausgehandelt, was die richtige Geschichte ist. Im Gegensatz dazu schaffen B\u00fchnen eine Hierarchie zwischen Zuschauern und Sprechern, die Autorit\u00e4t \u00fcber das Erz\u00e4hlte haben. Allerdings gibt es auch hier Formen, bei denen die Interaktion zwischen Publikum und Performierenden gew\u00fcnscht ist, wie beispielsweise im Kasperletheater.<\/p>\n<p>Durch Leinw\u00e4nde und Bildschirme werden die K\u00f6rper der Zuh\u00f6renden diszipliniert. Kinos haben den Anspruch Filmtheater zu sein und zwingen die K\u00f6rper des Publikums in eine bestimmte formelle Haltung, die auf die Leinwand ausgerichtet ist (Gleichzeitig schaffen sie aber mit Popcorn und Cola ein informelleres Setting, bei dem beim Genuss einer Erz\u00e4hlung gleichzeitig Essen konsumiert werden darf.) Mit der zunehmenden Alltagsintegration von Bildschirmen durch die Allgegenwart von Computern und Smartphones wird der Rezeptionskontext von medialen Inhalten zunehmend informeller. Auch hier l\u00e4sst sich eine Gleichzeitigkeit im Konsum von Geschichten und Nahrung beobachten. Wie sich diese geteilte Aufmerksamkeit auf Rezeptionsverhalten und Interaktion mit anderen auswirkt, ist allerdings noch nicht erforscht.<\/p>\n<p>Wie Bachtin, Barthes und Kristeva in ihren Arbeiten zu Intertextualit\u00e4t herausstellen, sind Texte nicht ohne andere Texte vorstellbar. Alle Texte greifen immer auf andere Texte zur\u00fcck. Dies kann strukturell, inhaltlich oder stilistisch geschehen. Aber auch die Performanz oder Inszenierung eines Textes kann auf andere Performanzen und Inszenierungen verweisen. Diese intertextuellen Bez\u00fcge sind dabei nicht immer positiv, sondern k\u00f6nnen auch als Abgrenzung vorhanden sein.<\/p>\n<p>Der Begriff der Intermedialit\u00e4t ist die logische Erweiterung des Begriffs der Intertextualit\u00e4t. Nun geht es nicht nur um Bez\u00fcge zwischen Texten, die im selben Medium vorliegen, sondern zwischen Erz\u00e4hlungen, die in unterschiedlichen Medien pr\u00e4sentiert werden. Geschichten k\u00f6nnen Medienwechsel durchmachen, wenn zum Beispiel aus einem Comic ein Film wird. Wenn gewisse \u00e4sthetische Aspekte gekoppelt werden, werden die Anspielungen auf ein anderes Medium deutlicher. Die Shrek-Filmreihe ist ein gutes Beispiel f\u00fcr intermediale \u00dcbernahmen: M\u00e4rchenfiguren werden aus Buchm\u00e4rchen in den Film geholt, die Filme sind als Parodie auf die Disney-M\u00e4rchenfilme zu sehen und es werden jede Menge Figuren aus anderen Erz\u00e4hlungen \u201eausgeliehen\u201c. Durch solche intermedialen Verkn\u00fcpfungen entsteht ein Sehgenuss speziell f\u00fcr Erwachsene, da zu ihrem Erkennen ein bestimmtes Vorwissen vorhanden sein muss.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/_HR-PFGi43I\" height=\"315\" width=\"420\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontexte und Rezeptionswissen: Von Gro\u00dfmutters Scho\u00df zu Kino und Fernsehen Die Ever After High Filme sind \u201eintertextuell\u201c und intermedial. Zum einen greifen sie das Genre des High-School-Movies auf, zum anderen werden M\u00e4rchencharaktere aus dem Medium des M\u00e4rchens in das des Films \u00fcbertragen. Die Figuren k\u00f6nnen im Film nur erkannt werden, weil das kulturell notwendige Kontextwissen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wprm-recipe-roundup-name":"","wprm-recipe-roundup-description":""},"categories":[322,320],"tags":[656,682,681,680,679],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2265"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2265"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2268,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2265\/revisions\/2268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}