{"id":2263,"date":"2013-12-09T13:41:40","date_gmt":"2013-12-09T12:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2263"},"modified":"2014-04-07T13:58:52","modified_gmt":"2014-04-07T11:58:52","slug":"vom-marchenleser-zum-serienjunkie-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2263","title":{"rendered":"Vom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie (7)"},"content":{"rendered":"<p>Angstlust, also das Vergn\u00fcgen daran sich freiwillig in Situationen zu begeben, in denen Angst empfunden wird, wird von Filmen durch verschiedene Erz\u00e4hlstrategien besonders gef\u00f6rdert. In Psycho wird beispielsweise schon durch die schwarz-wei\u00df Bilder ein Entfremdungseffekt erzielt. Bestimmte Kameraperspektiven steuern die Perzeption des Zusehers. Die Inszenierung und besonders die Filmmusik machen die Erz\u00e4hlung eigentlich erst Angsteinfl\u00f6\u00dfend. Dabei wird geschickt mit erz\u00e4hlerischen Steigerungen gespielt, die \u00fcblicherweise zu Horrormomenten f\u00fchren, ohne dass diese Erwartung dann eingel\u00f6st wird.<\/p>\n<h3>Humor und Aggression<\/h3>\n<p>Nach Propp und Jolles haben einfache Formen bestimmte Emotionen zugeordnet. Die Oberfl\u00e4chenstruktur der Erz\u00e4hlung bestimmt die hervorgerufenen Emotionen.<br \/>\nDas Kategorisieren von Erz\u00e4hlgattungen und die dadurch hervorgerufenen Erwartungen hat also eine gewisse Tradition<\/p>\n<p>Bambi war 1942 der erste abendf\u00fcllende Tierfilm. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=o4s-_cZNAGs\" target=\"_blank\">Bambi meets Godzilla<\/a> von 1963 wird bist heute auf der Liste der 50 besten je gemachten Cartoons gef\u00fchrt. Was auch die Menge der davon inspirierten Kurzfilme beweist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/-Lces8YVhI4\" height=\"315\" width=\"560\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/VujzyznQ4eE\" height=\"315\" width=\"420\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Lachen geh\u00f6rt zu den Emotionen, die Menschen zu Menschen macht. Es ist eine \u201ephysische Reaktion auf eine kognitive Erfahrung\u201c. Menschen lachen \u00fcber Dinge, die ihnen Spass machen, um Konflikte abzuwenden, aus Erleichterung nach Angstsituationen. Lachen kann jedoch auch eine Drohgeb\u00e4rde sein oder \u00dcberlegenheit demonstrieren.<\/p>\n<p>Verschiedene Wissenschaftler haben sich theoretisch mit dem Lachen auseinandergesetzt. Henri Bergson versuchte um 1900 eine Theorie des Komischen aufzustellen. Michail Bachtin hat mit seinen Forschungen zum Karneval Mitte des 20. Jahrhunderts das anarchische Potential von Lachen und Humor untersucht. Er stellt den Karneval als Zeit der sozialen Umkehr und der m\u00f6glichen Tabuverletzungen heraus. Freud dagegen hat sich mit dem Witz als spezifischer Erz\u00e4hlgattung besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Humor wird seit dem 18. Jahrhundert ausgehend von England zur grunds\u00e4tzlichen Einstellung gegen\u00fcber der Welt. Er bildet dabei einen psychischen Ausgleich. Die F\u00e4higkeit Dinge mit Humor zu nehmen ist im Gegensatz zum Lachen allerdings nicht angeboren.<\/p>\n<p>Komik wirkt in Erz\u00e4hlungen vor allem \u00fcber den Intellekt. So wird zum Beispiel eine Einheit aus Gegensinnigem oder Inkongruentem gebildet oder starke Kontraste zwischen Inhalt und Stil verwendet, die dann verstanden und entschl\u00fcsselt werden m\u00fcssen. Komik wird von Lust und einem positiven Lebensgef\u00fchl getragen, kann aber auch Aspekte von Aggression enthalten.<\/p>\n<p>Humorvolle Erz\u00e4hlgattungen wie Witz, Schwank, Seemansgarn oder L\u00fcgenm\u00e4rchen, arbeiten h\u00e4ufig mit Elementen der Statusgef\u00e4hrdung und Untergrabung. So beispielsweise bei der Erz\u00e4hlung von Majestix aus Asterix oder dem verkehrten Herrschaftsverh\u00e4ltnis in Jeeves and Wooster. (Der Trailer ist leider nur auf deutsch verf\u00fcgbar, aber man sollte Jeeves and Wooster DRINGEND und am besten auf englisch angucken.)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/NTgB0a_6EtI\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Markierung als Witz im performativen Erz\u00e4hlrahmen macht es h\u00e4ufig m\u00f6glich Dinge zu sagen, die anders nicht sagbar sind und sch\u00fctzt somit vor negativen Konsequenzen. Auch der Verweis darauf, dass mit dem Witz nicht prim\u00e4r eigene Gedanken wiedergegeben werden, hat diese Schutzfunktion.<br \/>\nWitze sind eine recht gut untersuchte Gattung, wie zahlreiche Witzsammlungen, Aufs\u00e4tze und Publikationen belegen. Im Gegensatz dazu sind allerdings die Erz\u00e4hlkontexte und die Rezeption eher schlecht erforscht.<\/p>\n<p>Psychologie und Psychoanalyse haben sich mit fantasievollen Erz\u00e4hlungen auseinandergesetzt. Freud sieht phantastische Erz\u00e4hlungen als Zeichen von Realit\u00e4tsverlust und Produkt von Neurosen und St\u00f6rungen. Das Lachen als Lustgewinn gegen\u00fcber unterdr\u00fcckten (sexuellen) Bed\u00fcrfnissen. Jung dagegen bewertet Fantasie positiv. Er sieht ihn fantasievollen Geschichten einen kollektiven Fundus angeborener Bilder (Archetypen).<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wird auch immer wieder der hohe Nutzen von Erz\u00e4hlungen bei der individuellen Reifung betont. Bettelheim weist besonders auf den Nutzen von M\u00e4rchen hin. Dass M\u00e4rchen aktuell als besonders brutale Erz\u00e4hlungen angesehen werden k\u00f6nnen, ist ihm zufolge nicht so relevant, da Kinder diese Brutalit\u00e4t erkennen und verarbeiten k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angstlust, also das Vergn\u00fcgen daran sich freiwillig in Situationen zu begeben, in denen Angst empfunden wird, wird von Filmen durch verschiedene Erz\u00e4hlstrategien besonders gef\u00f6rdert. In Psycho wird beispielsweise schon durch die schwarz-wei\u00df Bilder ein Entfremdungseffekt erzielt. Bestimmte Kameraperspektiven steuern die Perzeption des Zusehers. Die Inszenierung und besonders die Filmmusik machen die Erz\u00e4hlung eigentlich erst Angsteinfl\u00f6\u00dfend. 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