{"id":2252,"date":"2013-12-02T18:05:39","date_gmt":"2013-12-02T17:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2252"},"modified":"2014-04-01T18:08:04","modified_gmt":"2014-04-01T16:08:04","slug":"vom-marchenleser-zum-serienjunkie-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2252","title":{"rendered":"Vom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie (6)"},"content":{"rendered":"<h3>Angst und Horror, R\u00fchrung und Schmerz<\/h3>\n<p>Wie kommt es, dass echte Angst und echter Horror psychisch \u00e4u\u00dferst anstrengend sind, fiktive Angst und fiktiver Horror dagegen sehr beliebt?<\/p>\n<p>Angst, so die eine These, entsteht durch die Verlusterfahrung, die jeder Mensch bei seiner Geburt macht. Angst, so die anderer These, ist immer die Angst gefressen zu werden. Aus kulturanthropologischer Sicht sind diese beiden Vorstellungen zwar zu weit gegriffen, gesellschaftlich sind sie jedoch durchaus popul\u00e4r. W\u00e4hrend also nicht so ganz klar ist, wie Angst urspr\u00fcnglich entsteht, kann aber beobachtet werden, dass Erz\u00e4hlungen die M\u00f6glichkeit bieten, Angst sekund\u00e4r zu erleben. Die menschliche F\u00e4higkeit sich Emotionen vorzustellen und fast identisch zu erleben, macht es m\u00f6glich, dass Emotionen erlernt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Menschen tendieren dar\u00fcber hinaus dazu, bewusst nach Formaten zu Suchen, die bestimmte Emotionen hervorbringen.<\/p>\n<p>Allerdings sind unterschiedliche Emotionen unterschiedlich leicht \u00f6ffentlich auszuf\u00fchren: Lachen ist beispielsweise eine deutlich einfachere und akzeptierte Emotion als Weinen. Hinzu kommt, dass durch Erz\u00e4hlungen hervorgerufene Tr\u00e4nen und R\u00fchrung gleichzeitig das Gef\u00fchl hinterlassen, der Geschichte auf den Leim gegangen zu sein.<\/p>\n<p>Bestimmte erz\u00e4hlerische Genres haben besonders ausgepr\u00e4gte gesellschaftliche Funktionen. Mythen beispielsweise erz\u00e4hlen vom Ursprung der Welt und machen die Zukunft ertragbar, indem sie ritualisierende Wiederholungen einbauen und Tod und Nachleben erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>In der Folge wird in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen h\u00e4ufig auf Erz\u00e4hlungen zur\u00fcckgegriffen, als w\u00e4ren die in den Erz\u00e4hlungen transportierten Inhalte absolute Wahrheiten, um so bestimmte Positionen zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Unterhaltung ist h\u00e4ufig nur die oberfl\u00e4chliche Funktion von Erz\u00e4hltem. Stattdessen geht es darum bestimmte kulturelle Praxen zu validieren, Institutionen und Regeln zu erkl\u00e4ren und legitimieren. Erz\u00e4hlungen haben also gewisse erzieherische Funktionen, indem sie Alltagswerte und Verhaltensweisen vermitteln. Diese verschiedenen Funktionsebenen von Erz\u00e4hlungen sind aber miteinander verschlungen und h\u00e4ufig nicht so einfach isolierbar.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlungen die Angst hervorrufen, um somit Strategien der Angstbew\u00e4ltigung zu vermitteln, sind sowohl historisch als auch aktuell sehr popul\u00e4r. Ob es sich um Sagen von schlechten Herrschern, gef\u00e4hrlichen Berufen und Monstern oder um die Gefahr neuer Technologien und gef\u00e4hrlichen fremden Kulturen handelt, als Konstante bleibt immer die Warnung vor Sittenverfall und Blamage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angst und Horror, R\u00fchrung und Schmerz Wie kommt es, dass echte Angst und echter Horror psychisch \u00e4u\u00dferst anstrengend sind, fiktive Angst und fiktiver Horror dagegen sehr beliebt? Angst, so die eine These, entsteht durch die Verlusterfahrung, die jeder Mensch bei seiner Geburt macht. Angst, so die anderer These, ist immer die Angst gefressen zu werden. 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