{"id":2183,"date":"2013-11-04T11:34:55","date_gmt":"2013-11-04T10:34:55","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2183"},"modified":"2013-11-20T12:02:44","modified_gmt":"2013-11-20T11:02:44","slug":"vom-marchenleser-zum-serienjunkie-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=2183","title":{"rendered":"Vom M\u00e4rchenleser zum Serienjunkie (2)"},"content":{"rendered":"<h3>Erz\u00e4hlen und Erkennen<\/h3>\n<p>In der ersten echten Sitzung (die erste Sitzung im Semester dreht sich \u00fcblicherweise ja vor allem um Organisationskram) ging es darum, wie bestimmte Erz\u00e4hlformen erlernt werden: Das Ohr ist dabei das wichtigste Sinnesorgan. \u00dcber das Ohr werden sowohl die inhaltlichen als auch die formalen Aspekte des Erz\u00e4hlten aufgenommen und verarbeitet. Das Interesse am Erz\u00e4hlten entsteht dabei \u00fcber Reime, Sprachmelodie und Rhythmik (also die Form des Erz\u00e4hlten), die das Vergn\u00fcgen an dem, was man h\u00f6rt, hervorrufen.<\/p>\n<p>Das Video\u00a0<em>What does the fox say<\/em> von Ylvis (aktuell \u00fcber 230 Millionen Klicks auf Youtube) ist laut der Analyse unserer Dozentin deshalb so erfolgreich, weil es sowohl kindlich, als auch rockig, als auch parodistisch ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/jofNR_WkoCE\" height=\"315\" width=\"560\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Interessant dabei ist allerdings, dass die im Vidoe eigentlich assoziierten Kindheitserinnerungen an Kinderreime eigentlich national unterschiedlich sind. Der internationale Erfolg ist m\u00f6glich, obwohl kein einheitlicher Wissensvorrat angesprochen wird. Die assoziierten Kinderreime (Beispiel\u00a0<em>Das ist der Daumen<\/em>) sind \u00fcbrigens immer kleine Geschichten. Letztendlich ist aber noch gar nicht vollst\u00e4ndig erforscht, welche Wirkung solche kleinen Lieder und Reime beim Spracherwerb kleiner Kinder haben.<\/p>\n<p>Auch viele der kleinen Geschichten, die Kindern erz\u00e4hlt werden sind nicht erforscht. Die Erz\u00e4hlforschung besch\u00e4ftigt sich zwar mit so genannten <i>einfachen Formen<\/i>, aber endlose Geschichten (z.B. der Hohle Zahn, <a href=\"http:\/\/www.tagblatt.ch\/ostschweiz\/kantonappenzell\/auszeitung\/at-ap\/Hohler-Zahn-2-0;art120091,3209599\" target=\"_blank\">hier in einer modernen Parodie<\/a>), Ketten- oder Rundm\u00e4rchen werden dabei \u00fcbersehen. Die Volkskunde besch\u00e4ftigt sich zwar schon lange mit verschiedenen Erz\u00e4hlformen, hat dabei aber lange nur &#8220;echte m\u00fcndliche Erz\u00e4hlungen&#8221; in den Fokus genommen und multimediale Formen vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n<p>M\u00fcndlich \u00fcberlieferte Geschichten werden schon seit der Rennaissance gesammelt und publiziert, aber erst die Gebr\u00fcder Grimm systematisieren und verwissenschaftlichen dies. Sie haben ein breites Netzwerk von Erz\u00e4hlern und k\u00f6nnen so beispielsweise regionale Verbreitung und Unterschiede von Erz\u00e4hlstoffen untersuchen. Allerdings muss festgehalten werden, dass bei dieser Form der Besch\u00e4ftigung mit Erz\u00e4hlungen der Fokus auf den Erz\u00e4hlungen an sich liegt. Die Erz\u00e4hler, ihre Performanz und auch die Zuh\u00f6rer werden nicht weiter untersucht.<\/p>\n<p>In den 1920ern werden vornehmlich Formen und Strukturen von Erz\u00e4hlstoffen untersucht. Propp entwickelt die M\u00e4rchenformel (vom Mangel \u00fcber eine Reihe von Pr\u00fcfungen zum Happy End), Jolles beschreibt die\u00a0<em>einfachen Formen.<\/em> Diese sind seiner Meinung nach nicht kulturell erworben, sondern &#8220;nat\u00fcrlich&#8221; und &#8220;immer schon vorhanden&#8221;. Das soll hei\u00dfen, dass Menschen immer auf diese Erz\u00e4hlformen zur\u00fcckgreifen w\u00fcrden. Tats\u00e4chlich muss jedoch die Zeit- und Epochenabh\u00e4ngigkeit von Erz\u00e4hlformen ebenso ber\u00fccksichtigt werden (die Mythe ist heute doch eher eine ausgestorbene Gattung), wie die Tatsache, dass unterschiedliche Sprachssysteme unterschiedliche Erz\u00e4hlformen hervorbringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erz\u00e4hlen und Erkennen In der ersten echten Sitzung (die erste Sitzung im Semester dreht sich \u00fcblicherweise ja vor allem um Organisationskram) ging es darum, wie bestimmte Erz\u00e4hlformen erlernt werden: Das Ohr ist dabei das wichtigste Sinnesorgan. \u00dcber das Ohr werden sowohl die inhaltlichen als auch die formalen Aspekte des Erz\u00e4hlten aufgenommen und verarbeitet. Das Interesse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wprm-recipe-roundup-name":"","wprm-recipe-roundup-description":""},"categories":[322,320],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2183"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2194,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183\/revisions\/2194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}