{"id":190,"date":"2011-06-11T18:45:46","date_gmt":"2011-06-11T16:45:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2011\/06\/19\/museum-schillerhaus-weimar\/"},"modified":"2013-09-30T20:09:47","modified_gmt":"2013-09-30T18:09:47","slug":"museum-schillerhaus-weimar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=190","title":{"rendered":"Museum: Schillerhaus Weimar"},"content":{"rendered":"<p>Unsere zweite Exkursion f\u00fchrte uns nach Weimar. Der erste Teil der Miniserien \u00fcber die Museumsexkursionen findet sich <a title=\"Museum: Luthergeburtshaus in Eisenach\" href=\"http:\/\/kulturblaettchen.de\/2011\/05\/28\/museum-luthergeburtshaus-in-eisenach\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Um 1800 bildete das Herzogtum Sachsen-Weimar unter der Regentschaft von Herzogin Anna-Amalia einen Raum, in dem sich die intellektuellen Gr\u00f6\u00dfen der Zeit versammeln konnten. Dies lag unter anderem daran, dass im Herzogtum eine relativ gro\u00dfz\u00fcgige Zensur gehandhabt wurde, so dass es nicht nur Goethe und sp\u00e4ter Schiller, sondern auch Herder und Wieland dorthin zogen. Hinzu kam, dass die am geistigen Leben interessierte Herzogin diesen M\u00e4nnern auch Anstellungen an ihrem Hof bieten konnte. In der Folge ist Weimar heute voller Gedenkorte und Museen, die Personen thematisieren, die dort um 1800 gelebt haben.<\/p>\n<p>Schiller selbst lebte nur von Oktober 1799 bis zu seinem Tod 1804 in Weimar und bewohnte dort \u00fcberdies mehrere Wohnungen. Dass wir ausgerechnet das Schillerhaus besuchten, liegt am Kult der bereits im 19. Jahrhundert um Schiller und dessen Wohnhaus entstand. Im identifikationsbed\u00fcrftigen 19. Jahrhundert begann, im Zusammenhang mit der Nationalstaatbewegung die Suche nach Identifikationsfiguren. Mit dem vorl\u00e4ufige Scheitern der Nationalbewegung verst\u00e4rkte sich dieses Bed\u00fcrfnis nach Figuren der nationalen Identifikation noch. Dass ausgerechnet Schiller zu einer der deutschen Identifikationsfiguren des 19. Jahrhunderts wurde liegt daran, dass er nicht nur als &#8220;der deutsche Autor&#8221; galt, dessen Texte zur Allgemeinbildung beinahe aller Bev\u00f6lkerungsgruppen geh\u00f6rte, sondern auch seine Lebensgeschichte zur &#8220;Heilsgeschichte&#8221; umgedeutet wurde. W\u00e4hrend seine Texte, die nach heutigem Verst\u00e4ndnis keineswegs national, sondern garadezu europ\u00e4isch sind (man betrachte nur einmal die Handlungsorte seiner Dramen), als Ausdruck der nationalen Revolution gedeutet wurden, wurde Schiller selbst zur &#8220;Christusgestalt&#8221;. Dabei wurde sein k\u00fcnstlerisches Schaffen als &#8220;hohe Begabung&#8221; mit &#8220;heiligem Ernst&#8221; gedeutet und seine immer wieder aufkeimende Krankheit mit dem Leiden Christus&#8217; gleichgesetzt. In diesem Zusammenhang entstanden nun nicht nur zahlreiche Schillerdenkm\u00e4ler, sondern auch das Schillerhaus. Dieses wurde 1847 und damit am Vorabend der Revolution von 1848\/49 als nationale Gedenkst\u00e4tte eingerichtet.<\/p>\n<div style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"      \" title=\"Schillerhaus Weimar\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d6\/Schiller_Weimar.jpg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"343\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Schillerhaus Weimar (via Wikipedia; Urheber: Andreas Trepte)<\/p><\/div>\n<p>Diese urspr\u00fcngliche Gestaltung des Schillerhauses als Gedenkst\u00e4tte und Ort der Schillerverehrung spiegelt sich noch im heutigen Museum. Obwohl der Innenhof mit einem Neubau gestaltet wurde, in dem sich neben Kasse, Museumsshop und sanit\u00e4ren Anlagen auch mehrere Funktions- und Ausstellungsr\u00e4ume befinden, gibt es keine wirkliche Thematisierung Schillers und seines Werkes. Stattdessen ist die Hauptattraktion seine Wohnst\u00e4tte, in der versucht wurde, die Inneneinrichtun so originalgetreu wie m\u00f6glich wiederherzustellen. Dabei gibt es jedoch in den R\u00e4umen selbst keine Hinweise darauf, dass es eben dennoch kaum Originaleinrichtungsgegenst\u00e4nde mehr gibt. Gleichzeitig bleiben die R\u00e4ume seltsam seelenlos. Nur mit viel Phantasie kann der Besucher sich vorstellen, dass \u00fcberhaupt jemand in ihnen gelebt haben soll.<\/p>\n<p>Da wir ein F\u00fchrung durch den Dozenten bekommen haben, kann ich zudem leider nicht beurteilen, ob in den F\u00fchrungen des Museums oder im Audioguide die Einrichtung problematisiert und die Geschichte des Schillerhauses besser erz\u00e4hlt wird. Die Erkl\u00e4rungen, die wir zumindest zum Audioguide bekommen haben, deuten jedoch darauf hin. F\u00fcr einen Besuch, empfehle ich daher diesen zu benutzen, auch wenn ich selbst keine Erfahrungen mit diesem Audioguide gemacht habe.<\/p>\n<p>Kurze Linkliste:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.klassik-stiftung.de\/index.php?id=84\" target=\"_blank\">Die Klassikstiftung zu Schillers Wohnhaus<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.klassik-stiftung.de\/index.php?id=76\">Die Klassikstiftung zum Schiller-Museum<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere zweite Exkursion f\u00fchrte uns nach Weimar. Der erste Teil der Miniserien \u00fcber die Museumsexkursionen findet sich hier. Um 1800 bildete das Herzogtum Sachsen-Weimar unter der Regentschaft von Herzogin Anna-Amalia einen Raum, in dem sich die intellektuellen Gr\u00f6\u00dfen der Zeit versammeln konnten. 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