{"id":1855,"date":"2013-07-01T09:02:43","date_gmt":"2013-07-01T07:02:43","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1855"},"modified":"2013-07-01T00:51:49","modified_gmt":"2013-06-30T22:51:49","slug":"uber-das-musizieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1855","title":{"rendered":"\u00dcber das Musizieren"},"content":{"rendered":"<p>Selbst gemachte Musik spielt in meinem Leben ja schon so lange ich denken kann\u00a0eine Rolle. Als ich ganz klein war, gab es bei uns eine Heimorgel, die nach einem Umzug aus Platzgr\u00fcnden durch ein Klavier ersetzt wurde. Mit sechs Jahren habe ich angefangen Blockfl\u00f6te zu spielen \u2013 nachdem mein Bruder und ich vorher schon jahrelang mit Stricknadeln die Zauberfl\u00f6te dirigierten und mit besonderer Vorliebe im Auto\u00a0<em>die<\/em> Arie der K\u00f6nigin der Nacht schmetterten.<\/p>\n<p>In der ersten Klasse wollte ich schlie\u00dflich Geige lernen \u2013 ein Instrument bei dem ich mit unterschiedlichem \u00dcbe-Eifer bis heute geblieben bin. Sehr viel sp\u00e4ter, die Geige klang f\u00fcr sich so alleine, alle anderen in meiner Klasse am musischen Gymnasium spielten es eh, kam dann noch das Klavier hinzu. Ebenfalls mit stark schwankendem Engagement, was das \u00dcben betraf. Denn leider ist es ja so: Ich m\u00f6chte weder Geige noch Klavier \u00fcben. Ich m\u00f6chte Geige und Klavier spielen. Nicht hervorragend, schon gar nicht professionell, aber mit akzeptablem Mittelma\u00df so, dass es Spass macht. Gerne auch zusammen \u2013 blo\u00df nicht so, dass ich alleine damit auftreten muss.<\/p>\n<p>Ich liebe Musik. Aber ich h\u00f6re kein Radio, kaum die Lieder in meiner iTunes-Bibiliothek, au\u00dfer ein bisschen Bach, wenn ich mich konzentrieren muss, aber eigentlich ganz unkonzentriert bin. Zu viele Ger\u00e4usche um mich rum machen mich hibbelig und ich konnte mich eigentlich noch nie gut konzentrieren, wenn irgendwas nebenher l\u00e4uft. Ich werde allerdings \u2013 und das habe ich gerade mal wieder ganz besonders stark gemerkt \u2013 auch hibbelig und nerv\u00f6s, unausgeglichen und gestresst, wenn ich keine Musik <span style=\"text-decoration: underline;\">mache<\/span>.<\/p>\n<p>Manchmal bedauere ich ja sehr, dass das, was fr\u00fcher Hausmusik war, mit dem Aufkommen von Schallplatten, Radio und allen anderen Methoden professionelle Musik aufzuzeichnen und distribuieren, irgendwie ausgestorben ist. Dass es nicht mehr n\u00f6tig ist, sich zusammenzusetzen und gemeinsam zu singen und zu musizieren, damit Musik ins Leben der Menschen kommt. Dass die wenigsten Leute, die ich kenne, sich spontan hinsetzen und mehrstimmig stundenlang singen k\u00f6nnen. Aus dem Kopf. Nat\u00fcrlich ist das eine wunderbare Bereicherung f\u00fcr alle, denen es nicht m\u00f6glich w\u00e4re selbst zu lernen, wie man musiziert. Nat\u00fcrlich gibt es immer noch genug Menschen, die sich hinsetzten und gemeinsam Musik machen. Und nat\u00fcrlich ist es mein besonderes Spezialproblem, dass ich mich nur selten mit Pop und Rock erw\u00e4rmen kann und schon allein bedingt durch die Wahl meiner Instrumente, eher am klassischen Repertoire interessiert bin. Dass ich kein Bandmitglied bin und auch nie eines sein wollte. Aber manchmal bedauere ich doch, dass ich so wenig Menschen kenne, die nur f\u00fcr das pers\u00f6nliche Vergn\u00fcgen, ohne den Ehrgeiz perfekt und schnell auff\u00fchrungsreif zu sein Musik machen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spiele ich trotzdem im Orchester (und singe im Chor), aber dabei geht es doch immer um die n\u00e4chste Auff\u00fchrung als Antrieb und Motivation. Und wenn etwas nicht klappt, nicht perfekt genug ist, dann sinkt schnell die Frustrationstoleranz und die Stimmung. Dann wird vergessen, dass das gemeinsame Zusammenspiel in jeder viel wichtiger ist, als die eine Auff\u00fchrung am Ende des Semesters (und auch viel effektiver, wenn es darum geht, dass das Endprodukt sch\u00f6n und gef\u00e4llig wird).<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte St\u00fccke spielen und gemeinsam oder abwechselnd immer wieder an der selben Stelle scheitern. Dr\u00fcber hinweg spielen. So lange von vorn anfangen, bis es doch ganz gut klingt. Gemeinsam spielend \u00fcben, statt stur alleine in meiner Kammer zu sitzen. Lieblingsstellen haben, die nur im Zusammenspiel herzzerrei\u00dfend sch\u00f6n klingen. Ich m\u00f6chte, dass egal sein darf, wenn sich eine auch nach dem 100. Mal noch immer verspielt. Ich m\u00f6chte gemeinsam dr\u00fcber lachen, dass wenn eine die Stelle endlich kann, sich promt die andere verspielt. Ich m\u00f6chte keine Konzerte geben, nicht stundenlang \u00fcben m\u00fcssen, bevor ich mich \u00fcberhaupt mit jemandem treffen kann, um zusammenzuspielen. Ich m\u00f6chte Musik machen und nicht \u00fcben. Gemeinsam. Denn das mit der Geige kann ich leider besser, aber alleine klingt sie mir nicht harmonisch genug. Gemeinsam. Denn auch wenn ich kein Publikum brauche: Es ist viel sch\u00f6ner, wenn nicht nur man selbst sich h\u00f6rt, wenn man sich nicht nur selbst h\u00f6rt.\u00a0Ich m\u00f6chte St\u00fccke spielen, die leicht genug sind, dass sie irgendwie vom Blatt spielbar sind, so dass man zusammen dran arbeiten kann, dass sie auch sch\u00f6n werden. Die nicht die Technik herausfordern, sondern das Gef\u00fchl f\u00fcr Zusammenspiel und Klang.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gemeinsam Musik machen. Weil gemeinsam gl\u00fccklich macht. Weil Musik machen gl\u00fccklich macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst gemachte Musik spielt in meinem Leben ja schon so lange ich denken kann\u00a0eine Rolle. Als ich ganz klein war, gab es bei uns eine Heimorgel, die nach einem Umzug aus Platzgr\u00fcnden durch ein Klavier ersetzt wurde. 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