{"id":1667,"date":"2013-04-24T14:50:28","date_gmt":"2013-04-24T12:50:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1667"},"modified":"2013-04-24T14:56:36","modified_gmt":"2013-04-24T12:56:36","slug":"der-menschenfeind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1667","title":{"rendered":"Der Menschenfeind"},"content":{"rendered":"<p>Man verzeihe mir das schlechte Wortspiel: Aber heute gibt es mehr Moli\u00e8re. Denn ich habe die Semesterferien genutzt und war nicht nur in Wien im Theater. Und wie der Zufall so wollte, wurde auch im N\u00fcrnberger Schauspielhaus Moli\u00e8re gegeben. Allerdings nicht \u2013 was den Vergleich ganz besonders witzig gemacht h\u00e4tte \u2013\u00a0<em>Der Geizige.<\/em> Stattdessen stand\u00a0<em>Der Menschenfein<\/em> auf dem Spielzettel.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war ich, dank Schulplatzmiete regelm\u00e4\u00dfig im N\u00fcrnberger Schauspielhaus. Doch wegen Studium und Umzug war dies f\u00fcr mich der erste\u00a0Besuch im 2010 fertig gestellten &#8220;neuen&#8221; Schauspielhaus. Und ich muss sagen, der Umbau war dringend n\u00f6tig und ist gut geworden. Man merkt dem Zuschauerraum deutlich weniger an, dass er fr\u00fcher mal als Kino gedient hat. Die B\u00fchne hat endlich anst\u00e4ndige B\u00fchnentechnik. Und vor allem: das Foyer und das Treppenhaus strahlen statt muffigen 70er Jahre Charmes endlich moderne Klarheit aus.<\/p>\n<p>Da\u00a0<em>Der Menschenfeind<\/em> nicht als Adaption sondern auf Basis einer \u00dcbersetzung gegeben wurde, musste die Inszenierung fehlenden modernen Sprachwitz ausgleichen. Das minimalistische B\u00fchnenbild, das nur aus einem gro\u00dfen Glaskasten im hinteren B\u00fchnenbereich bestand, wurde durch die opulenten Kost\u00fcme ausgeglichen. W\u00e4hrend Alceste (Thomas Nunner) und sein Freund Philinte (Daniel Scholz) in gro\u00dfartigen Barocken Kost\u00fcmen stecken, sind die immer mit der Mode gehenden Gegenspieler Acaste (Christian Traubenheim) und Clitandre (Marco Steeger) in poppigen Anz\u00fcgen und heel less high heels gekleidet. Und w\u00e4hrend die ersteren beiden auch eher getragen spielen, schaffen es die beiden letzteren durch ihr Auftreten v\u00f6llig vergessen zu machen, dass sie keinen modernen Text sprechen.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Auch in dieser Moli\u00e8re Inszenierung verwischen die am Anfang gezogenen Grenzen zwischen Alt und Modern. Wenn die Kleidungsst\u00fccke fallen und die unbequemen Schuhe von den F\u00fc\u00dfen fliegen, wird deutlich, dass der Menschenfeind Alceste eine Haltung einnimmt, mit der es auch heute immer noch unm\u00f6glich ist, in der Gesellschaft zu bestehen. Es zeigt sich aber auch, dass die entgegengesetzte Haltung der v\u00f6lligen Moderne und des \u00f6ffentlichen Verspottens aller ebenso unhaltbar ist.<\/p>\n<p>Besonderes Highlight f\u00fcr alle j\u00fcngeren Theaterbesucher, war eine Tanzszene zum Ende des St\u00fcckes, in der C\u00e9lim\u00e8ne (Louisa von Spie\u00df) und Eliante (Nicola Lembach) im Gangnam Style tanzen. Zu sehen ist sie zumindest teilweise in diesem youtube-Trailer des Staatstheaters:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/Nu6SIO5Ws9k\" height=\"315\" width=\"560\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.staatstheater-nuernberg.de\/inhalte\/index.php?menu=1120&amp;id=32264&amp;jahr=2013&amp;monat=4\" target=\"_blank\">Der Menschenfeind<\/a><\/em> kann man am Staatstheater N\u00fcrnberg in dieser Spielzeit noch zu folgenden Terminen sehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Dienstag, 30.04.2013 19:30 Uhr<\/li>\n<li>Freitag, 10.05.2013 19:30 Uhr<\/li>\n<li>Sonntag, 12.05.2013 19:00 Uhr<\/li>\n<li>Samstag, 25.05.2013 19:30 Uhr<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man verzeihe mir das schlechte Wortspiel: Aber heute gibt es mehr Moli\u00e8re. Denn ich habe die Semesterferien genutzt und war nicht nur in Wien im Theater. 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