{"id":1534,"date":"2013-02-09T10:26:54","date_gmt":"2013-02-09T09:26:54","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1534"},"modified":"2013-02-07T22:29:05","modified_gmt":"2013-02-07T21:29:05","slug":"replay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1534","title":{"rendered":"Replay"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Benjamin Stein denkt in seinem Roman \u201eReplay\u201c (2012 im C.H.Beck Verlag erschienen) die nahe Zukunft an \u2013 was aus unserer heutigen Gesellschaft mit ein bisschen Technikentwicklung werden kann.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ed Rosen, Informatiker, entwickelt mit dem Biologen Matana ein Implantat, dass ihn wieder die volle Sehqualit\u00e4t gibt, da eines seiner Augen seit Geburt nicht funktionierte. Mit der Zeit erlaubt dieses Implantat auch die Aufzeichnung aller Gef\u00fchle und Bilder, die der Tr\u00e4ger sieht. Und auch das wieder abspielen dieser, was nat\u00fcrlich vor allem f\u00fcr sexuelle Erlebnisse interessante Perspektiven er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die eigentliche Frage, die das Buch aufwirft, ist aber eher die der Informationsverwaltung. Bereits jetzt l\u00e4sst sich \u00fcber die meisten Menschen mehr im Internet erfahren, als vor 20 Jahren es noch m\u00f6glich war. Allein in Deutschland gibt es 25 Millionen aktive Facebooknutzer und Google besitzt das Suchmaschinenmonopol und kann durch seine zus\u00e4tzlichen Dienste leicht Nutzerprofile anlegen. Wie im Buch, steigt auch die Anzahl derer, die einen gewissen Verlust \u00fcber ihre Daten hinnehmen, da es keine Alternativen zu geben scheint, um \u00e4hnlichen Komfort oder Vernetzung zu erreichen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wollen wir wirklich, dass pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che und Daten \u00fcber die Server von wenigen gro\u00dfen Firmen laufen, wo wir nicht wirklich wissen, was sonst noch mit unseren Daten passiert? Wo wir keine Kontrolle \u00fcber die tats\u00e4chliche Verwendung unserer Daten haben? Wollen wir wirklich, dass Fotos oder Aussagen, die tempor\u00e4r vielleicht so richtig waren, f\u00fcr immer irgendwo auf der Welt Datenplatz belegen? Denn selbst wenn man sein Profil bei Facebook l\u00f6schen kann, selbst wenn man bei jeden Onlineshop einfordern kann, dass die Kundendaten gel\u00f6scht werden, man wei\u00df nie, wie viel davon bereits in Datenbanken gewandert ist, und zur Marktbeobachtung genutzt wird.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In \u201eReplay\u201c l\u00e4sst sich das Implantat nicht mehr abschalten, wieso auch \u2013 die andauernde Kommunikation, Speicherung von Aufenthaltsdaten ist gewollt. Kaum jemand hinterfragt es, wo und wie die Daten gespeichert werden. In dieser Welt der Zukunft lassen sich die meisten Kredite oder Gesch\u00e4fte nur mehr abschlie\u00dfen, sofern man ein Implantat besitzt \u2013 denn wer ein Implantat hat, hat nichts zu verbergen. Die \u201eAnonymen\u201c hingegen, die keines haben, werden mit der Zeit schon per se verd\u00e4chtig, schlie\u00dflich k\u00f6nnen sie, beispielsweise bei der Verbrechungsaufkl\u00e4rung, nicht nachweisen, wo sie gewesen sind, im Gegensatz zu den Implantatstr\u00e4gern.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Stein versteht es diese be\u00e4ngstigende Zukunftsvision mit der pers\u00f6nlichen Geschichte von Ed Rosen zu verpacken \u2013 geeignet als Lekt\u00fcre f\u00fcr einen Abend, da die Geschichte auf 176 Seiten Platz findet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Stein denkt in seinem Roman \u201eReplay\u201c (2012 im C.H.Beck Verlag erschienen) die nahe Zukunft an \u2013 was aus unserer heutigen Gesellschaft mit ein bisschen Technikentwicklung werden kann. Ed Rosen, Informatiker, entwickelt mit dem Biologen Matana ein Implantat, dass ihn wieder die volle Sehqualit\u00e4t gibt, da eines seiner Augen seit Geburt nicht funktionierte. 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