{"id":15,"date":"2011-03-18T21:28:01","date_gmt":"2011-03-18T20:28:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=15"},"modified":"2013-09-30T20:09:00","modified_gmt":"2013-09-30T18:09:00","slug":"sophie-mereau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=15","title":{"rendered":"Sophie Mereau &#8211; ein biographischer Abriss"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Im Zuge einer Hausarbeit besch\u00e4ftige ich mich gerade mit Sophie Mereau. 1770 geboren ist ihr Leben f\u00fcr eine Frau ihrer Zeit sehr ungew\u00f6hnlich. Da ist zum Einen die Tatsache, dass sie mit zwanzig Jahren ihr erstes Gedicht, eine Hymne auf die Freiheitsbewegung der Franz\u00f6sischen Revolution, in Schillers <em>Thalia<\/em> ver\u00f6ffentlichen kann und Schiller in der Folge immer wieder Gedichte von ihr in seinen Zeitschriften ver\u00f6ffentlicht und sie auch mit Ratschl\u00e4gen und Verbesserungen bez\u00fcglich ihrer literarischen Arbeit unterst\u00fctzt. Da ist zum Andern ihr Streben nach Freiheit auch f\u00fcr sie als Frau, das von Aufkl\u00e4rung und Franz\u00f6sischer Revolution inspiriert ist und das den Vorstellungen der M\u00e4nner ihrer Zeit \u00fcber das angemessene Verhalten von Frauen, entgegensteht. So weit es ihr in den engen Grenzen der Zeit m\u00f6glich ist, versucht sie diese Vorstellungen auch in ihrem eigenen Leben umzusetzen. Ihren sp\u00e4teren Mann Friedrich Carl Mereau h\u00e4lt sie sechs Jahre lang hin und heiratet ihn 1793 schlie\u00dflich nur, weil der Druck der Familie immer gr\u00f6\u00dfer wird und sie auf die finanzielle Absicherung angewiesen ist. Zudem verf\u00fcgt Carl Mereau in Jena \u00fcber gute Kontakte zu den schriftstellerischen Gr\u00f6\u00dfen und Verlegern der Zeit. Er vermittelt den ersten Kontakt zu Schiller und sorgt immer wieder daf\u00fcr, dass die Werke seiner Frau ver\u00f6ffentlicht werden. Sophie Mereau nutzt die Zeit ihrer Ehe, um ihre schriftstellerische T\u00e4tigkeit voranzutreiben. Sie selbst vertieft den Kontakt mit Schiller, korrespondiert mit ihm \u00fcber ihre Arbeit und trifft sich auch immer wieder f\u00fcr pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che dar\u00fcber. Dabei ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Schiller und Mereau nicht ausschlie\u00dflich das von Sch\u00fclerin und Lehrer, sondern durchaus kollegial. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Sophie Mereau ver\u00f6ffentlicht Gedichte und Erz\u00e4hlungen in den wichtigen Zeitschriften ihrer Zeit, wird zur Gefragten Mitarbeiterin u.a. in Schillers <em>Horen<\/em> und \u00fcbernimmt schlie\u00dflich selbst die Herausgabe von Zeitschriften (u.a. des <em>G\u00f6ttinger Musen-Almanachs<\/em>). Ihr eigenes Zeitschriftenprojekt dagegen kann sie vorl\u00e4ufig noch nicht durchf\u00fchren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Die Ehe der Mereaus ist von mangelnder Liebe seitens Sophie belastet, die sich in verschiedene Liebschaften und Aff\u00e4ren st\u00fcrzt, deren Existenz der Jenaer \u00d6ffentlichkeit durchaus bekannt sind. Dabei nimmt sie wenig R\u00fccksicht auf\u00a0 Schicklichkeitsvorstellungen und unternimmt mit einem ihrer Liebhaber sogar eine Berlinreise. F\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ein Skandal, wurde von Frauen doch erwartet, dass sie zu Hause bleiben oder wenigstens nur mit dem eigenen Ehemann, Familienangeh\u00f6rigen oder Anstandsdame reisen. Das erstaunlichste daran ist jedoch, dass diese Aff\u00e4ren keine Auswirkung auf die Rezeption ihres schriftstellerischen Schaffens hat, sondern dieses anscheinend v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von ihrem pers\u00f6nlichen Verhalten und nur auf Basis des literarischen Wertes beurteilt wurde. So nimmt Schiller, der im Urteil anderen Frauen gegen\u00fcber durchaus abf\u00e4llig werden konnte, auch dann noch keinen Ansto\u00df an ihrem Verhalten, als sie ihm selbst davon berichtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Sophie Mereau treibt ihre Schriftstellerei auch deshalb voran, um im Falle der von ihr immer st\u00e4rker angestrebten Trennung ein finanzielles Auskommen zu haben. Ab 1800 zieht sie sich immer mehr von ihrem Mann zur\u00fcck und wird schlie\u00dflich im Juni 1801 von Mereau geschieden. Im Gegensatz zu anderen Frauen, die sich in dieser Zeit scheiden lassen, geht sie jedoch nicht sofort die n\u00e4chste Beziehung ein, die ihr Auskommen sichert, sondern bleibt zun\u00e4chst allein. Ihren Lebensunterhalt sichert sie dabei, neben einer kleinen j\u00e4hrlichen Pension, die ihr geschiedener Mann ihr zahlen muss, durch ihre Schriftstellerei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Clemens Brentano, mit dem Sophie Mereau bereits vor der Scheidung eine Zeit lang liiert war, erf\u00e4hrt \u00fcber Umwege von der Trennung und versucht den Kontakt wieder aufzunehmen. Der acht Jahre j\u00fcngere Brentano hatte sich bereits beim ersten Treffen in Mereau verliebt und sie mit seiner ungest\u00fcmen Liebe bedr\u00e4ngt. Mereau scheint einem erneuten Kontakt zun\u00e4chst ablehnend gegen\u00fcber zu stehen, beginnt aber schlie\u00dflich einen Briefwechsel mit ihm, in dem er sie wortgewandt von seiner Liebe \u00fcberzeugen und zu einem Wiedersehen \u00fcberreden kann. Das Zusammentreffen f\u00fchrt nun auch bei Sophie Mereau zu einem Wechsel der Gef\u00fchle: auch sie verliebt sich heftig. Dennoch besteht sie auf ihrer Unabh\u00e4ngigkeit. Sie willigt zwar ein mit Brentano zusammenzuleben m\u00f6chte jedoch keine Ehe eingehen. Als sie jedoch schwanger wird, kann auch die so ungebundene, selbstsichere Sophie Mereau ihre Freiheit nicht l\u00e4nger bewahren: ein uneheliches Kind ist sogar f\u00fcr sie unvorstellbar. Die im November 1803 geschlossene Ehe der Brentanos ist st\u00fcrmisch und konfliktreich. Besonders der Verlust der Kinder belastet die Beziehung. Sophie Mereau wird in den drei Ehejahren vier Mal schwanger, dabei sterben drei der Kinder sterben wenige Wochen nach der Geburt, das vierte ist eine Fehlgeburt. Hinzu kommt, das Clemens Brentano, der in seinem Roman <em>Godwi<\/em> das Bild einer unabh\u00e4ngigen Frau beschworen hat, von seiner eigenen Ehefrau konventionell-b\u00fcrgerliches und ganz auf ihn ausgerichtetes Verhalten fordert. Anscheinend auf ihren Erfolg eifers\u00fcchtig, m\u00f6chte er, dass sie die Schriftstellerei aufgibt. So kommt es, dass Sophie in der Zeit ihrer zweiten Ehe nur dann arbeitet, wenn Brentano auf Reisen ist. Sie fertigt jetzt vor allem \u00dcbersetzungen, Gedichte und kurze Erz\u00e4hlungen an. Als sie 1806 im Kindbett stirbt, ist sie erst 36 Jahre alt und hat f\u00fcr die knapp 15-j\u00e4hrige Spanne ihres Schaffens ein erstaunlich umfangreiches literarisches Werk hinterlassen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Zur Situation der Frauen um 1800 im Allgemeinen:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Marie-Claire Hoock-Demarle: Die Frauen der Goethezeit. Aus dem Franz\u00f6sischen von Renate H\u00f6risch-Helligrath. M\u00fcnchen 1990.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Julia di Bartolo: Selbstbestimmtes Leben um 1800. Sophie Mereau, Johanna Schopenhauer und Henriette von Egloffstein in Weimar-Jena. Heidelberg 2008.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 13px;\">Die momentan einzige Mereau Biographie:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Dagmar von Gersdorff: Dich zu lieben kann ich nicht verlernen. Das Leben der Sophie Brentano-Mereau. Insel 2006.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Ausgaben von Mereaus Werk:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Sophie Mereau-Brentano: Wie sehn\u2018 ich mich hinaus in die freie Welt. Tagebuch, Betrachtungen und vermischte Prosa. Hersg. und kommentiert von Katharina von Hammerstein. M\u00fcnchen 1996.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Sophie Mereau-Brentano: Das Bl\u00fctenalter der Emfpindung. Amanda und Eduard. Romane. Hersg. und kommentiert von Katharina von Hammerstein. M\u00fcnchen 1996.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Sophie Mereau-Brentano: Ein Gl\u00fcck, das keine Wirklichkeit umspannt. Gedichte und Erz\u00e4hlungen. Hersg. und kommentiert von Katharina von Hammerstein. M\u00fcnchen 1996.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Auf Wikisource lassen sich einige von Sophie Mereaus Gedichten online lesen:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Sophie_Mereau\">http:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Sophie_Mereau<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 24px; font-size: 14px;\">Auf Zeno.org finden sich die beiden Romane:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Mereau,+Sophie\/Romane\">http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Mereau,+Sophie\/Romane<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge einer Hausarbeit besch\u00e4ftige ich mich gerade mit Sophie Mereau. 1770 geboren ist ihr Leben f\u00fcr eine Frau ihrer Zeit sehr ungew\u00f6hnlich. 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