{"id":1169,"date":"2012-10-24T15:06:33","date_gmt":"2012-10-24T13:06:33","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1169"},"modified":"2012-12-28T13:53:55","modified_gmt":"2012-12-28T12:53:55","slug":"agota-kristof-das-grose-heft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturblaettchen.de\/?p=1169","title":{"rendered":"Agota Krist\u00f3f: Das gro\u00dfe Heft"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Der Klappentext klang harmlos, als ich das kleine Buch entdeckte \u2013 zwei Jungen, die w\u00e4hrend dem Zweiten Weltkrieg\u00a0in ein gro\u00dfes Heft f\u00fcr sie Wichtiges aufschreiben. Der gesetzte Kontext des Krieges lie\u00df mich schon Schreckliches erwarten, aber auf die leise und trotzdem direkte Erz\u00e4hlweise war ich nicht eingestellt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die zwei Jungen werden von ihrer Mutter aufs Land zu ihrer Gro\u00dfmutter gebracht, damit sie besser versorgt und sicherer als in der Stadt sind. Die Gro\u00dfmutter will die Zwei gar nicht aufnehmen, schlie\u00dflich hat sich die Mutter vor dem Krieg auch nicht h\u00e4ufig bei ihr gemeldet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die zwei Jungen kapieren schnell, dass man der Gro\u00dfmutter am besten gehorcht und alle geforderten Arbeiten ausf\u00fchrt, wenn man essen will. Neben den t\u00e4glichen Arbeiten, beginnen sie \u00dcbungen zur Abh\u00e4rtung zu machen \u2013 dass hei\u00dft, sie schlagen sich gegenseitig bis sie fast bluten. Sie \u00fcben blind oder taub zu sein, sie stehlen und bilden sich mit Hilfe des W\u00f6rterbuchs ihres Vaters weiter. Und sie kaufen \u201eein gro\u00dfes Heft\u201c, in dem sie nur die Wahrheit und ganz Wahres aufschreiben. Die Zwillinge werden stets nur von au\u00dfen beschrieben und bilden eine Einheit \u2013 meist kommen sie nur in \u201eWir-Form\u201c vor. Das macht ihre Aktionen manchmal noch unverst\u00e4ndlicher \u2013 es gibt keinen Kommentar \u00fcber das Innenleben des Einzelnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Geschichte zieht den Leser einerseits durch die Schreibtechnik\u00a0in den Bann, andererseits st\u00f6\u00dft sie auch ab wegen ihrer Brutalit\u00e4t, die ganz frei geschildert wird. Die S\u00e4tze sind nackt \u2013 es wird nur das Wesentliche erz\u00e4hlt, wie eine schnelle, pr\u00e4zise Skizze; dadurch \u00fcberliest man manchmal die grausamen Szenen, weil es ohne Pathos und Adjektivkumulationen beschrieben ist. Es ist aber genau dieses Neutrale, Nackte, das eben Faszination und Abscheu zugleich konstituiert. Ich war erstaunt dar\u00fcber, mit wie wenigen Worten man eine spannende Geschichte schreiben kann.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Agota Krist\u00f3f wurde 1935 im ungarischen Csikv\u00e1nd geboren. Kurz nach dem Aufstand 1956 floh sie mit ihrer Familie in die Schweiz nach Neufch\u00e2tel. Ab 1978 schrieb sie erste Texte auf Franz\u00f6sisch. Ihr gro\u00dfer Durchbruch war \u201eDas gro\u00dfe Heft\u201c, welches mit den Romanen \u201eDer Beweis\u201c und \u201eDie dritte L\u00fcge\u201c eine Trilogie bildet. Mehrfach ausgezeichnet f\u00fcr ihre Werke, starb sie 2011 in der Schweiz. <\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klappentext klang harmlos, als ich das kleine Buch entdeckte \u2013 zwei Jungen, die w\u00e4hrend dem Zweiten Weltkrieg\u00a0in ein gro\u00dfes Heft f\u00fcr sie Wichtiges aufschreiben. Der gesetzte Kontext des Krieges lie\u00df mich schon Schreckliches erwarten, aber auf die leise und trotzdem direkte Erz\u00e4hlweise war ich nicht eingestellt. 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