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Be inspired – Forschungsprojekte als Podcast

Durch Zufall bin ich auf die Seite “Stimmen der Kulturwissenschaften” von Daniel Meßner gestoßen. Selbst Forscher, möchte er mit der Seite Dissertationsprojekte der Kulturwissenschaften auch außerhalb des engen wissenschaftlichen Raum bekannt machen. Die Podcasts dauern zwischen 60 – 90 Minuten, in denen im Interview ein Doktorand sein Projekt vorstellt. Sehr praktisch ist auch die Anzeige von “Kapiteln” innerhalb des Podcasts, sodass man je nach Lust und Laune gezielt bestimmte Abschnitte hören bzw. wiederhören kann. Thematisch sind unterschiedliche Bereiche der Kulturwissenschaften abgedeckt.

Also los – lasst euch von den verschiedenen Forschungsprojekten inspirieren!


Hurra! Meine Uni hat gebaut!

Endlich wird er eröffnet! Der Neubau “Kulturwissenschaftliches Zentrum” der Uni Göttingen ist fertig und bezogen. Die offizielle Pessemitteilung findet man hier – und kann sogar einen sechsminütigen Werbefilm sehen.

Im Büro

Doch ist wirklich alles Friede-Freude-Eierkuchen? Die Mängelliste am Gebäude ist lang, die Bauarbeiten tatsächlich noch lange nicht abgeschlossen und die Mitarbeiter*innen zunehmend genervt. Muss es wirklich sein, dass es in einzelnen Büros bei schönem Wetter auch mal 40° C heiß wird? Denn nach allem was man als Student so an Gerüchten hört, ging der Uni bei Baukosten von 25,2 Millionen Euro am Ende doch das Geld aus, so dass das Flachdach nicht mehr isoliert werden konnte. Doch nicht nur das: Die engen Treppen machen es beinahe unmöglich, dass zwei Personen sie gleichzeitig nutzen. Oft genug steht man also abwartend am Treppenabsatz, dem entgegenkommenden Kollegen*innen im Einverständnis über die nervige Situation zulächelnd.

Im Seminarraum

Doch nicht nur die neuen Büros sind gewöhnungsbedürftig. An 60 x 120 cm kleinen Tischen in den Seminarräumen ist es nicht nur nahezu unmöglich entspannt nebeneinander zu sitzen, auch die für Geisteswissenschaftler*innen eher typische Menge an Unterlagen ist darauf nur mit großem Ordnungsgeschick angemessen unterzubringen.

Die anhaltenden Bauarbeiten rund um das Gebäude machen die gesprächsintensiven Seminare auch nicht einfacher. Lange waren noch letzte Arbeiten an der Außenfassade umzusetzen und an den Grünanlagen wird immer noch mit schweren Maschinen gearbeitet. Der Lärmpegel draußen ist hoch, doch ohne geöffnete Fenster ist drinnen die Luft vom vielen Denken viel zu schnell verbraucht. Ein Teufelskreis.

Hinzu kommt, dass es im Erdgeschoss mit immerhin 9 großen Seminarräumen keine einzige Toilette gibt, die für die öffentliche Benutzung gedacht ist. Der dreifache Gang zur Toilette aus Nervosität vor dem nächsten wichtigen Referat ist also umständlich und führt dazu noch in den Keller.

Großartige Bibliothek

Zugegeben: die Bibliothek dagegen, die 23 Teilbibliotheken der Kulturwissenschaften zusammenführt, ist großartig! Endlich nicht mehr durch die ganze Stadt fahren müssen, um ein Buch zu besorgen. Doch Moment: obwohl es wirklich viele Arbeitsplätze gibt, hat sich wohl schnell herumgesprochen, dass es hier sehr leise und hell ist und wirklich große Arbeitstische zur Verfügung stehen. Studierende aller Fachrichtungen kommen inzwischen um hier in Ruhe arbeiten zu können. So wird es zu den Stoßzeiten schon mal schwierig einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Konzept der unterschiedlichen Arbeitsplätze geht offensichtlich auf: mietbare Arbeitskabinen, Tageskabinen, Einzelarbeitsplätze und Räume für Gruppenarbeit sind schneller belegt als man gucken kann. Student*innen und Dozenten*innen schätzen die gut strukturierte Bibliothek mit den schnell auffindbaren Büchern offensichtlich.
Das gleiche Temaraturproblem wie im ganzen Haus gibt es überigens in abgemilderter Form auch in der Bibliothek: mit jedem Stockwerk das man erklimmt, steigt schon nach wenigen Sonnentagen die Temparatur derart, dass der Gedanke an Bademode und Pools in der Bibliothek unglaublich verlockend wird.

Behindertengerecht?

Doch der offensichtlichste Mangel: für einen Neubau ist das Kulturwissenschaftliche Zentrum erschreckend wenig barrierefrei. Die Eingangstür lässt sich von einer Person, die im Rollstuhl sitzt, trotz Türöffner auf keinen Fall benutzen. Immerhin muss man seitlich neben die Tür fahren, den Türöffner betätigen und bekommt dann auch schon die schwere Türe in den Weg. Die Behindertentoilette des Erdgeschosses, lässt sich nur über den Aufzug erreichen, denn sie liegt auf einer über drei Stufen zu erreichenden Zwischenebene. Darüber hinaus kann man die Türe zur Toilette noch nicht mal abschließen. Die Ansagen im Aufzug sind übrigens nicht verständlich, da Etagenansage und Hinweis auf das Öffnen der Tür nahtlos ineinander übergehen. Wie man als Rollstuhlfahrer*in die sehr schweren Zwischentüren im gesamten Gebäude öffnen können soll, ist mir darüber hinaus auch ein Rätsel.

Die Eröffnungsfeier

Heute Morgen wurde dieses Neubau mit den “guten Arbeitsbedingungen” feierlich eröffnet. Hochkarätige Gäste (die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan; die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka) und Unileitung trafen sich dazu jedoch unter sich: Mitarbeiter*innen wurden nur eingeladen, wenn sie eine Halbzeitstelle hatten und mussten sich zudem per Formular anmelden, um eine Eintrittskarte zu bekommen. Dass sich die Universität nur bedingt für Studierende interessiert, ist diesen bekannt. Enttäuschend ist es jedoch trotzdem jedes Mal wieder, einfach so übergangen zu werden. Immerhin wird in der Öffentlichkeit ja gerne betont, dass das Kulturwissenschaftliche Zentrum ein hervorragender Ort zum Lernen sei.