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Seriesjunkie: Boradchurch 1 und 2

Gebloggt am: 10.11.2015 von Lisseuse

Mir fiel beim Stöbern auf, dass ich  ja schon richtig lange nichts mehr über irgendwelche Serien geschrieben habe. – Das bedeutet übrigens keinesfalls, dass ich nicht immer noch dauernd welche gucke. Meine letzte Zugfahrt nach Hause zu meinen Eltern habe ich beispielsweise damit verbracht die zweite Staffel von Broadchurch zu gucken.

Da ich bekennender Doctor Who Fan bin und besonders David Tennant als den 10. Doctor liebe, habe ich irgendwann angefangen, quasi alles zu gucken, was ich mit ihm finden konnte. (Keine Ahnung von Doctor Who? Bitte hier lang zu Wikipedia. Neugierig geworden? Mit den 2005er Folgen anfangen und die ersten beiden Episoden im Fernsehen doch sehr ungewohnter Erzählweise durchhalten. Nach der ersten Staffel weinen, die erste Folge der zweiten Staffel erst hassen und dann um so mehr lieben!)

Genau so kam ich auch auf Broadchurch. Dabei handelt es sich um eine der wundervollen englischen Mini-Series. Bei Broadchurch handelt es sich um eine der Serien, die zwischen den Genres angesiedelt sind. Broadchurch beginnt wie ein Krimi mit einem Mord. Die polizeiliche Ermittlungsarbeit zur Aufklärung des Falls nimmt auch einen wichtigen Teil der ersten Staffel ein. Die beiden Detectives Ellie Miller (Olivia Colman) und Alec Hardy (David Tennant) suchen den Mörder eines kleinen Jungen, Danny Latimer. Daneben zeigt die Serie aber auch, was der Mord an Danny mit der Gemeinschaft in der Kleinstadt macht und wie er das soziale Beziehungsgefüge zerstört. Es wird der Medienrummel nach dem Mord ebenso gezeigt, wie die Verzweiflung der Eltern Beth (Jodie Whittaker) und Mark (Andrew Buchan).

Der Spannungsbogen wird geschickt über die acht Episoden gezogen. Immer wieder tauchen neue Verdächtige auf. Immer wieder führt ein neuer Verdacht dazu, dass eine weitere Beziehung einen Vertrauensbruch erleidet. Die Cliffhanger am Ende jeder Folge führen dazu, dass man unbedingt weiter gucken möchte. Es handelt sich definitiv um Binge-Watching-Material.

Glücklicher Weise gibt es schon eine zweite Staffel zu Broadchurch. Diese zeigt nicht einfach einen neuen Fall, sondern führt weiter, was schon in der ersten Staffel begonnen wurde: Zu zeigen, wie der Mord an einem Jungen die Verhältnisse in einer Stadt verändert. Dabei greift die Staffel alte Fäden aus der ersten Staffel auf. So wird ein weiterer Mordfall, an dem Alec Hardy arbeitete, bevor er nach Broadchurch kam, in den Fokus gerückt. Entsprechend gibt es zwei Handlungsstränge. Zum einen ist das die Gerichtsverhandlung um den Mörder von Danny. Zum anderen sind es eben die wieder aufgerollten Ermittlungsarbeiten am anderen Mordfall. Dieser kontrastierte schon in der ersten Staffel die Ermittlungsarbeiten. Nun bildet er eine Folie für die Gerichtsverhandlung.

Das tolle an der zweiten Staffel ist, dass sie völlig entgegen meiner Erwartungen nicht einen neuen Fall aufmacht – wie das bei anderen Krimiserien so ist – sondern genau da weiter erzählt, wo die erste Staffel abgebrochen hat. Außerdem führt sie fort, was schon in der ersten Staffel auffällig war: Die Serie wird vor allem von den starken Frauenfiguren getragen. In der ersten Staffel sind das vor allem Olivia Colman als Elli und Jodie Whittaker als Beth. Jetzt kommt noch Charlotte Rampling als Anwältin Jocelyn Knight dazu. Das besonders faszinierende ist, dass in Broadchurch ganz selbstverständlich sehr unterschiedliche weibliche Lebensentwürfe und Charaktere gezeigt werden. Alle Frauen sind völlig normal. Gleichzeitig sind sie aber sehr unterschiedlich in ihrem Charakter, ihren Fähigkeiten und ihrer Lebensweise. Davon braucht das Fernsehen dringend mehr.

Außerdem kann man in Broadchurch natürlich David Tennant dabei zusehen brilliant zu sein. Aber das braucht fast keine Erwähnung.

Wie soll ich sagen: Broadchurch kann man ziemlich gut (noch mal) gucken. Es ist spannend, unterhaltend und vielfältig. Und wie ich gerade gesehen habe, ist für nächstes Jahr auch schon die dritte Staffel angekündigt. *freu*


Rezension: Das 13. Kapitel

Gebloggt am: 28.10.2015 von Lisseuse

Der Roman Das 13. Kapitel von Martin Walser ist wohl eher für ältere, männliche Feulletonisten geschrieben. Beim ersten Nachdenken, was ich in dieser Rezension über dieses Buch schreiben möchte, ist mir jedenfalls außer dem, was auch im Klappentext steht, nicht viel darüber eingefallen. Und überhaupt habe ich mich beim Lesen die ganze Zeit über gefühlt, als sei ich einfach nicht die Zielgruppe des Romans. Vermutlich habe ich mich deshalb dabei ziemlich gelangweilt. Der Klappentext gibt jedenfalls beinahe die gesamte Handlung des Romans wieder:

Mit einem Festessen im Schloss Bellevue fängt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr lösen. Wenig später schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie glücklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen können wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein persönliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit. Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. Während sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um.

Dass kaum Handlung im Roman vorhanden ist, ist für das Buch allerdings nicht so wichtig. Vielmehr als irgendwelches Geschehen steht die Möglichkeit im Mittelpunkt in Briefen an eine fremde Person Dinge sagen zu können, die man den Vertrauten zuhause gegenüber nicht aussprechen kann. Der im Klappentext formulierte Zwang zur Antwort, den die Briefe schaffen, erschloss sich mir zwar nicht ganz, ich hätte auf einen solchen Brief eher nicht geantwortet. Aber ich bin schließlich auch weder ein erfolgreicher Schriftsteller, noch eine festangestellte Theologieprofessorin. Und schließlich muss der Roman ja irgendwie weitergehen. Auch auch die angekündigte alles umwerfende Wende fand ich nur wenig dramatisch. Letztendlich dreht sich der Briefaustausch von Schriftsteller und Professorin um die Frage, was genau Verrat am Lebenspartner und Fremdgehen bedeuten. Eine Frage, die für viele meiner Generation nicht auf die Art und Weise relevant ist, wie sie im Roman behandelt wird. Während im Roman immer noch mitschwingt, dass letztlich der Partner für alle sexuellen, emotionalen und freundschaftlichen Bedürfnisse verantwortlich ist, scheinen sich die meisten 20-30jährigen pragmatischer zu verhalten: Verschiedene Bedürfnisse können von verschiedenen Personen erfüllt werden, solange offen und ehrlich damit umgegangen wird. Die Frage, ob es Verrat ist mit einem oder einer Fremde sehr vertrauliche Briefe zu schreiben, scheint mir folglich völlig irrelevant.

Darüber hinaus lese ich gerade besonders gerne Detektivgeschichten und Fantasy – beides Genres die sich durch jede Menge Handlung und Spannung auszeichnen. Folglich war Das 13. Kapitel mit all seiner Nachdenklichkeit und seinem philosophierenden Charakter vielleicht einfach nicht das richtige Genre für mich.

Besonders enttäuscht war ich übrigens, als ich feststellen musste, dass der Titel sich nicht auf die Struktur der Erzählung auswirkt. Wie viele Möglichkeiten hätte es gegeben: Nur 12 Kapitel schreiben und einen offenen Schluss lassen. Das 13. Kapitel als dramatischen Höhe- und Schlusspunkt. Das 13. Kapitel als wirklich revolutionierenden Wendepunkt… Stattdessen stammt der Titel – angeblich – nur an einem weiteren “Verrat” des Schriftstellers an seiner Frau.

 

Martin Walser. Das 13. Kapitel.  2014 erschienen bei rororo. Taschenbuch 9,99€.


Wissensorganisation

Gebloggt am: 14.09.2015 von Lisseuse

Vermutlich sammelt jeder während seiner Uni-Laufbahn eine Liste mit Dingen, die ich vor dem Studium hätte wissen sollen. Am aller meisten ärgere ich mich immer und immer wieder darüber, dass ich zwar eigentlich alle meine gelesenen Texte ordentlich abgeheftet und sortiert habe, aber dennoch meine Literaturdatenbank aus 7 Jahren Studium ein einziges Chaos ist.

Ich wünsche wirklich, jemand hätte mir im ersten Semester gesagt: Besuche einen Kurs, in dem du Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Endnote oder Zotero kennen lernst. Trage jeden einzelnen Text, den du recherchierst, liest, scannst, nicht-liest in eines dieser Datenbankprogramme ein. Mit vollständigen Literaturangaben. Und Verschlagwortung. Am Besten auch noch mit einer Kurzzusammenfassung und einer Kurzbewertung. Das wird dir SEHR viel Zeit sparen, wenn du mal ne große Arbeit schreibst. Mach es immer sofort. Oder wenigstens wochenweise gebündelt. Nimm ein Datenbankprogramm, das mit deinem Textverarbeitungsprogramm spricht. Lerne am besten sofort LaTeX und BibTeX zu benutzen. (Das bringt dann auch wieder Probleme mit sich, aber wenigstens auf einer höheren Ebene.)

Das ist zwar etwas unfair, weil ich  feststelle, dass während meiner Studienzeit diese Programme deutlich an Verbreitung zugenommen haben. Aber so habe ich eben erst mitten während meiner Studienzeit damit angefangen, ein Viertel meiner Texte nie eingetragen, weil es eine unglaubliche Arbeit ist, die zwar unglaublich viel Konzentration erfordert, aber gleichzeitig unglaublich langweilig ist. Außerdem fehlt die Hälfte aller Literatur, die ich jemals recherchiert habe, was so viel verschwendete Arbeitszeit bedeutet, dass ich gar nicht drüber nachdenken mag. Ich habe während meines Studiums und für die Arbeiten, die ich geschrieben habe, unglaublich viel Literatur rezipiert und kann auf so viel nicht so zugreifen, wie ich es gerne wollte. Dass ich keine ordentliche Systematik in meinem Recherche- und Ablagesystem habe, führt auch dazu, dass ich dauernd Texte, die ich schon recherchiert habe, vergesse, übersehe und nicht rezipiere. Entsprechend ist die Literaturliste für meine Masterarbeit gerade nicht halb so ordentlich und umfassend und tiefgehend, wie ich es gerne hätte. Und folglich bin ich jedes Mal, wenn ich über das Kapitel zum Forschungsstand nachdenke, extrem unglücklich, weil es nicht so ist, wie ich es am liebsten hätte.

Was mir auch jemand hätte sagen sollen ist: Bennene alle Scanns einheitlich. Lege sie systematisch ab. (Und Systematisch bedeutet nicht, dass sie in irgendwelchen sub-sub-sub-Ordnern zu Seminaren liegen, sondern in einem Ordner mit allen Texten, die du je gelesen hast. Lass dein Verwaltungsprogramm darauf zugreifen. Aber verhindere, dass es jemals irgendwas aus diesem Ordner löschen darf. Schütze diesen Ordner mit allen Möglichkeiten, er ist dein Heiligtum, DEIN SCHATZ.

Bleibt mir nur, es in Zukunft besser zu machen. Vermutlich werde ich (falls das mit der Promotion klappt) in der nächsten Zeit noch genug Texte und Dokumente ansammeln. Und vielleicht werde ich an einem langen Winterabend mal meine gesammelten Texte systematisch sortieren und ablegen (das Dia-Projekt von Wissenschaftlern sozusagen).


Eine Nähmaschine!!!

Gebloggt am: 09.09.2015 von Lisseuse

Das beste Geburtstagsgeschenk seit langem! (Es ist jetzt fast zwei Wochen her, aber sobald ich dran denke, dass ich jetzt eine eigene Nähmaschine habe, möchte ich noch immer Luftsprünge machen.)

Nähmaschine – verpackt. Ein super Geburtstagsgeschenk!

DANKE an Mama, Papa, Oma M., Opa M., Oma W., Opa W., Schwester, Bruder 1, Bruder 2, Freund. Ich hoffe euch ist klar, dass ihr zu Weihnachten alle selbstgenähte Textilien bekommt:)

Die schon erwähnte freie Zeit seit der Abgabe meiner Masterarbeit habe ich jedenfalls genutzt um fleißig zu nähen. Um die Nähmaschine erst mal kennen zu lernen habe ich mir zunächst was einfaches ausgesucht und eine Nackenrolle genäht.

Nackenrolle im Affendesing

Ich liebe ja bunte Stoffe! Und Farben. Und Muster. Solange ich mir selbst aussuchen kann, was drauf ist. Die Affen wären jetzt nicht meine erste Wahl gewesen, aber das Kissen ist ja auch nicht für mich <3.

Für mich ist dagegen eine Stiftrolle. Seit langem ärgere ich mich ständig darüber, dass ich meinen einen teuren Füller immer in einem Extrakästchen mit mir rumschleppe, weil ich nicht möchte, dass er in meinem Schlampermäppchen voller Kram zerkratzt. Aber irgendwie ist mir keine gute Lösung eingefallen. Dann stolperte ich bei der Suche nach Geburtstagsgeschenken auf Dawanda über hübsche Stiftrollen. Die Idee war zwar prinzipiell klasse, aber leider nutze ich normalerweise viel zu viele Stifte, um sie alle in einzelne Fächer zu packen. Und eine Rolle mit integriertem Mäppchen gab es nicht. (Inzwischen weiß ich auch warum.) Also dachte ich, naja, das muss doch ganz einfach gehen und habe ein Schnittmuster entworfen. Hübscher Stoff war auch schnell gefunden und das Produkt sieht so aus:

Stiftrolle, mit Schlampermäppchen und Extrafächern für Füller und Kleinkram

Stiftrolle geschlossen

Inzwischen weiß ich auch, warum es so was nicht zu kaufen gibt: Der Schlampermäppchenteil der Stiftrolle ist kaum zu nähen, weil man an alle Stellen nicht ordentlich hin kommt, nicht auf links (also von innen) arbeiten kann, da man dazu das Mäppchen umstülpen müsste, was wegen des langen Stoffteils aber nicht geht. Praktisch ist es trotzdem. Und ich liebe die Stoffkombinationen. Es passt perfekt zu mir!


Buddenbrook-Haus Lübeck

Gebloggt am: 04.09.2015 von Lisseuse

Das Museum ist so enttäuschend, dass ich kein einziges Foto gemacht habe. Das fängt damit an, dass das Haus leider schon von außen viel kleiner ist, als ich es mir vorgestellt habe. Im Eingang steht dann eine lebensgroße Figur von Thomas Mann, die ausgerechnet knallpink ist. Ich meine KNALL PINK. Thomas Mann. Man kommt dann zur Kasse, die gleichzeitig der Museumsshop ist. Dort habe ich sehr vermisst, dass die große kommentierte Frankfurter Ausgabe der Werke von Thomas Mann nicht wenigstens in einem Exemplar vorhanden war. Natürlich ist die super teuer und kaum einer wird sie kaufen, aber warum sollte man irgendwas von Thomas Mann ohne Kommentar lesen wollen? Bildungsauftrag!

Im Erdgeschoss ist ein riesiger Raum, in dem die Familiengeschichte der Manns erzählt wird. Dazu gibt es vor allem Texte. Ein paar Fotos, Briefe, Bücher. In der Mitte eine Hörstation und an einer Stelle ein Film. Ansonsten aber Flachware. Der Raum ist nur interessant, wenn man sich noch NIE mit den Manns beschäftigt hat. Aber eine Mann-Biographie von Inge und Walter Jens ist informativer und spannender. Die beiden können nämlich gut schreiben.

Im ersten Stock ist ein Raum für die Sonderausstellung. Dort ist kein Licht angemacht, alle Installationen der Ausstellung haben nicht funktioniert, als wir da waren. Es sah aus, als könne man zwei Filme ansehen. Und ansonsten gibt es die Möglichkeit sich ein eigenes “Buch” mit Meertexten zu basteln, indem man einen Schnellhefter nimmt und sich einzelne Blätter mit Texten von der Wand nimmt. LANGWEILIG. Und ich lese eigentlich wirklich gerne. Aber soo langweilig.

Im zweiten Stock schließlich die Buddenbrook-Ausstellung. Dort sind das “Landschaftszimmer” und der Speisesaal nachgebaut. Aber auch hier: Thomas Manns Beschreibungen und die Nachgestaltung – was für ein trauriger Unterschied. Alles wirkt plötzlich viel kleiner und weniger reich als im Roman. Außerdem wirken die Räume irgendwie seltsam unbelebt und tot. Vermutlich vor allem deshalb, weil alle Möbel abgedeckt sind, als wären die Buddenbrooks gerade auf einer längeren Reise. Am spannendsten sind noch Zettelchen in den Räumen, die auf verschiedene Stellen des Romans verweisen. Ansonsten wird das Stockwerk vor allem von einer riesigen Bibliothek eingenommen, die man als normaler Besucher aber noch nicht mal betreten darf. Es gibt eine coole Station an der man verschiedene Film-Versionen des Romans vergleichen kann, die eingesetzte Technik ist allerdings leider ziemlich veraltet und nicht gerade selbsterklärend. An mehreren Steelen gibt es außerdem Hintergrundinformationen zu den Buddenbrooks. Aber wieder wird hauptsächlich Text gezeigt und ausgestellt.

Insgesamt hatte ich bei meinem Besuch den starken Eindruck, dass das Museum viele Chancen nicht nutzt. Meins Wissens ist das Buddenbrookhaus, das einzige Literaturmuseum in Deutschland, das einen Roman zum Gegenstand hat und nicht einen Autor. Leider kommt das nicht so sehr zur Geltung, wie es sollte. Zudem handelt es sich bei den Buddenbrooks auch noch um einen Roman, der mit äußerstem Detail die verschiedenen Räume, Orte und Personen beschreibt. Mit etwas Kreativität sollten doch passende Möbel, Kleidungsstücke, Dekoration, Geschirr, Bücher… zu beschaffen sein, die zeigen, wie die Buddenbrooks so leben. Mir steht die Familie viel zu wenig im Mittelpunkt. Die einzelnen Figuren werden nicht erklärt. Man könnte doch so einfach so tun, als wären die Buddenbrooks eine “reale” Familie. Und hätte viel weniger Probleme damit, dass die Museen immer nur eine Geschichte erzählen können, auch über reale Menschen. Denn man könnte einfach eine Geschichte nacherzählen. So viele typische Legitimationsprobleme für ein Museum wären nicht gegeben, wenn man einfach ein echtes Literaturmuseum machen würde und den Roman ausstellte!

Da das Museum bis 2018 renoviert werden soll, hoffe ich sehr, dass dann der Schwerpunkt stärker auf die Familie Buddenbrook gesetzt wird.


Wismar

Gebloggt am: 01.09.2015 von Lisseuse

Meine Masterarbeit ist seit zwei Wochen endlich fertig und abgegeben. Die letzten paar Wochen zuvor war ich ja bereits nur noch damit beschäftigt den Text zu korrigieren. Tempus, Kommata, Unverständlichkeiten. Den “fertigen” Text habe ich noch etwa 5 Mal überarbeitet. Aber jetzt ist das Ding gebunden und bei den Prüferinnen.

Gebundene Masterarbeit

In der freien Zeit seitdem habe ich endlich mal wieder ein paar Entspannungs-Sachen gemacht. Zwischendrin hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich gar nicht mehr weiß, wie Nichtstun geht. Gerade in der ersten Woche nach der Abgabe hatte ich permanent das Gefühl, dass ich noch irgendwas korrigieren, nachlesen, umstrukturieren und verbessern müsste.

Aber dann habe ich eine liebe Freundin in Lübeck besucht und hatte ein wundervolles Wochenende! Zuerst waren wir in Wismar. Da war gerade Schwedenfest und die Stadt sehr voll. Allerdings waren die Menschen nur direkt am Hafen, wo der Jahrmarkt war, und um den Marktplatz herum, wo die Stände fürs Schwedenfest aufgebaut war. Die übrigen Straßen waren ungewohnt leer, wenn man aus einer belebten Universitätsstadt wie Göttingen kommt. Zunächst haben wir die St. Nikolai-Kirche besichtigt. Die gotischen Backsteinkirchen im Norden bestechen ja alle durch ihre schönen hohen Säulen und das viele Licht, das in den Kirchenraum fällt. Leider sind sie alle nur ziemlich schlecht erhalten und werden teilweise gar nicht mehr als Kirchen genutzt. Die St. Georgenkirche wird beispielsweise nur noch als Mehrzweckgebäude für kulturelle Ereignisse genutzt. Für mich war das ziemlich ungewohnt. Sowohl in Bayern als auch in Göttingen gibt es jede Menge Kirchen, die alle noch zum Gottesdienst genutzt werden.

Der Kirchturm der Marienkirche

Die größte Attraktion Wismars ist wohl die Marienkirche. Diese wurde im 2. Weltkrieg zerbomt. In der DDR wurde das Kirchenschiff nicht wieder aufgebaut, sondern stattdessen ein Exerzierplatz an dieser Stelle errichtet. Der Kirchturm steht allerdings noch und kann heute noch besichtigt werden. Im Eingang und den beiden Seitenschiffen gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des Turms und der Bauweise von gotischen Backsteinkirchen. Dabei wird auch mit der Illusion gespielt, dass das Kirchenschiff noch steht, indem an der Wand ein Druck des Kirchenschiffes inklusive Lichteinfall hängt. Mir gefällt sehr, dass diese Illusion auf dem Foto noch überzeugender wirkt als in echt.

Installation Marienkirche

Installation Marienkirche – an der Wand hängt ein Druck mit der “Aussicht ins Kirchenschiff”

Außerdem kann man einen lustigen 3D-Film zum Bau der Kirche ansehen und auf den Kirchturm steigen. Wir hatten wunderbares Wetter und eine tolle Sicht:

Aussicht von der Marienkirche auf den Marktplatz

Aussicht von der Marienkirche aufs Meer und den Rummel

Weil wir genau während des Umzugs zum Schwedenfest auf den Kirchturm gestiegen sind, haben wir außer zwei Stücken sehr leckeren Käsekuchens leider gar nicht so viel vom Fest mitbekommen. – Da ich allerdings Umzüge eh nicht so interessant finde, war das nicht so schlimm. Nur ein paar Leute in schwedischen Trachten konnten wir noch beobachten. Die sind schön farbenfroh und relativ schlicht. Ach ja, und die Drehorgel-Gruppe durften wir etwas hören. Erst beim zweiten Vorbeigehen ist mir übrigens auf, dass die Drehorgeln alle in Göttingen gebaut wurden. (OMG, die gibt es immer noch! Wie cool ist das denn!!)

Am Nachmittag sind wir auf die Insel Poel gefahren, haben uns dort an den Strand gesetzt und die Sonne, das Meer und den Wind genossen. Ein bisschen Stephen Fry lesen und Proviant naschen. Perfekter Nachmittag.

Meerblick auf der Insel Poel

Ich weiß auch nicht warum – schließlich komme ich aus einer Mittelgebirgsgegend ohne nennenswertes Wasser – aber am Strand am Meer sitzen hat einen ungemein beruhigenden und entspannenden Effekt auf mich. Da muss auch gar nichts weiter passieren, ich könnte da stunden- und tagelang einfach nur sitzen, den Wellen zuhören und nichts tun. Zwischendrin würde ich vielleicht mal meine Beine ins Wasser halten oder gar ein paar Züge schwimmen.


Rezension: The Invisible Library

Gebloggt am: 14.08.2015 von Lisseuse

“The Invisible Library” ist eine Detective Story mit Fantasy-Elementen. Und diese Formulierung hat mich gerade zum ersten mal darauf gebracht, dass das vielleicht meine Lieblingsliteraturform ist. Ich liebe Detektivgeschichten, bei denen der Fall durch gute Recherche, hervorragende Beobachtungsgabe und vor allem durch die Intelligenz des Detektivs gelöst wird. Sherlock Holmes, Miss Marple, Flavia de Luce, you name it. Und ich liebe Fantasy: besonders Zauberer, Magie und Drachen. Wenn alles gut geht, haben die Drachen Magie und können sprechen, ich glaube wer so ‘ne Geschichte schreibt, der hat mich. Auch gut ist es immer, wenn Literatur selbstreflektiert ist und ironisch kommentiert, wie sie gemacht ist.

Also muss mir ein Roman der in einer Welt spielt, in der “Die Bibliothek”  die wichtigste Institution ist, von der aus Agenten in alternative Universen geschickt werden, um dort einmalige und einzigartige Bücher zu suchen und zurück zur Bibliothek zu bringen. Alternative Universen haben alle die gleichen Naturgesetze unterscheiden sich aber dadurch, dass bestimmte Ereignisse anders entschieden werden. Außerdem gibt es in manchen Universen Magie und manche Universen sind durch die Gefahr des “Chaos” bedroht.

Das Buch beginnt damit, dass die Hauptfigur Irene die Mission nach einem Buch erfolgreich beendet und ermöglicht es den Lesern so, Grundlegendes über die Hauptfigur und die Struktur der Welt im Buch zu erfahren. Gleich nach ihrer Rückkehr wird Irene jedoch – zusammen mit einem Gehilfen, an dem irgendetwas seltsam zu sein scheint – wieder los geschickt, ein besonderes Buch zu suchen, anstatt wie üblich etwas Erholungszeit in der riesigen Bibliothek zu bekommen.

Der Untertitel des Buches lautet: “One spy. One dangerous book. One deadly mission.” Und diese beginnt nun für Irene und ihren Begleiter Kai. Sie werden in eines der vielen parallelen London geschickt, die es in diesem Buch gibt, um dort eine besondere Ausgabe von Grimms “Kinder- und Hausmärchen” zu suchen. Dabei befreunden sie sich mit dem lokalen Detektiven Vale; sie geraten in Konflikt mit einer anderen Bibliotheks-Agentin Bradamant (alle Agenten und Agentinnen tragen Codenamen aus dem literarischen Kanon. Bradamant ist eine Heldenfigur aus einem Epos); sie treffen auf mächtige Feenwesen; und sie werden von Alberich bedroht, einem ehemaligen Bibliotheks-Agenten, um den sich viele Legenden ranken.

Für beinahe den gesamten Band gilt, dass der Plot insgesamt etwas mehr Tempo haben und präziser erzählt sein könnte, aber es ist Debutroman von Cogman. Außerdem schafft der Band es gerade am Ende einen völlig neuen Spannungsbogen zu eröffnen, der allen Figuren eine neue Perspektive gibt und gespannt auf den Folgeband macht.

“The invisible Library” von Genevieve Cogman habe ich als eBook für 0,99€ gelesen.


Vollgas

Gebloggt am: 12.08.2015 von Lisseuse

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim ist für mich einer der Orte, die ich mit ganz starken Kindheitserinnerungen verbinde. Wir waren oft dort, hatten zwischenzeitlich auch mal eine Jahreskarte. Ich kann mich an heiße Sommertage zwischen den Feldern und Fachwerkäusern des Museums erinnern, an Apfelschnitze aus Tupperdosen und gutes fränkisches Bauernbrot und an die Geschichten, die über das Leben in den Häusern erzählt wurden.

Inzwischen hat das Museum ein umfassendes Marketingkonzept, das ein ganzjähriges Unterhaltungsprogramm einschließt. Dazu gehört beispielsweise auch, dass in den Sommermonaten ein Freilichttheaterstück aufgefürt wird.

Die "Bühne" des Theaterstücks "Vollgas" im Freilandmuseum Bad Windsheim

Die “Bühne” des Theaterstücks “Vollgas” im Freilandmuseum Bad Windsheim

Dieses Jahr wird das Stück “Vollgas” gespielt. Das Stück dreht sich nicht nur, um zwei Bankräuber und ihre Geisel, die versuchen dem Stau auf der Autobahn zu entkommen, indem sie über die Dörfer fahren, sondern auch um die vielen anderen Autofahrer, die so dem Urlaubsverkehr entgehen wollen und im Dorf Schaffenrath steckenbleiben, weil dort die einzige Brücke zerstört ist. In der Folge verkeilen sich die 16 Fahrzeuge bis keiner mehr vor oder zurück kann. Die  Haupthandlung bildet die Geschichte der Bankräuber und ihr Versuch zu entkommen, die Geisel Angelika irgendwie unauffällig los zu werden und nicht vom Obergangster Franz Xaver Kiesgruber (der einzige Bayer unter all den Franken!) oder der Polizei geschnappt zu werden. Daneben dürfen aber auch alle anderen im Stau steckenden ihre Geschichte spielen: Ein Ehepaar, das sich über dem neugeborenen Kind fremd geworden ist, ein Schauspieler mit Sinnkrise und sinkendem Stern, eine Psychotherapeutin auf der Suche nach Patienten, drei Teenager auf dem Weg zu einem Rockkonzert, die Pazifistin Hanne, die sich prompt in den Pfarrer des Örtchens verliebt. Sie alle treffen nicht nur auf den Pfarrer, sondern auch die etwas einfältige Bäuerin Andrea Sorg und das Bürgermeisterehepaar.

Autos im "Stau" bilden die Kulisse für "Vollgas"

Autos im “Stau” bilden die Kulisse für “Vollgas”

Die Autos blockieren den Hof der Bäuerin Andrea Sorg

Die Autos blockieren den Hof der Bäuerin Andrea Sorg

Das Stück wirkt ein wenig, wie ein “Roadmovie”, der sich durch die fehlende Bewegung auszeichnet, denn alle stehen im Stau. Leider dürfen sich auch die Figuren während der zweieinhalb Stunden des Stücks nicht so richtig weiterentwickeln, am Ende sind eigentlich alle die Selben und alles bleibt beim alten. Die Entwicklung ist nur eine Scheinbare: Die Ganoven werden nicht geläutert, der Pfarrer bleibt  weiterhin etwas bigott, egal wie sehr die Hippie-Frau versucht, ihn für höhere Ziele zu begeistern. Die einzige Ausnahme ist vieleicht die Bäuerin Andrea Sorg auf deren Hof alle stranden und das Paar Florian und Veronika Gerber, die am Ende zu einer glücklicheren Beziehung zurückgefunden haben.

Die fehlende Figurenentwicklung ist aber vielleicht auch einfach der Tatsache geschuldet, dass die meisten Figuren nie ordentlich eingefürt werden und deshalb bis ans Ende des Stücks  blass bleiben. Bei über 40 Personen ist das nicht wirklich verwunderlich, schade bleibt es dennoch, denn die schauspielerische Leistungen sind eigentlich überzeugend. Durch die fehlende Einführung aber zieht sich gerade die erste Hälfte des Stückes ziemlich. Durch die vielen Figuren wird dem Stück aber etwas anderes möglich: Es werden parallel laufende Nebenhandlungen möglich, bei denen auch die Figuren Handlung weiterspielen, die gerade nicht im Fokus stehen.

Dass diese Idee nicht im Chaos mündet, sondern eine wohlgeordnete Vielfalt und einen ungeheuren Reichtum an Charakteren und Beziehungen bietet, ist das Verdienst der Regisseurin Gerburg Maria Müller […]. (So das Programmheft)

Möglich wird dies aber auch durch den Ort. Gespielt wird unter freiem Himmel, das Publikum sitzt auf Stadionstühlen auf zwei Rängen und blickt auf ein fränkisches Bauernhaus, das in einer Wegkurve liegt und die Kulisse bildet. So kann man mit einem Ohr der Haupthandlung zuhören und sich ansonsten auf die liebevoll inszenierten Details der

Für mehr Abwechslung sorgen verschiedene Liedeinlagen, die bekannte Songs der 80er Jahre zitieren und umdichten. Ein paar der Stücke wurden auf vimeo hochgeladen. An diesen zeigt sich vor allem die vielseitige Begabung einiger Schauspieler, die nicht nur singen, sondern auch die Band unterstützen.  Dabei ist die Band leidetr nur sehr vage in die Handlung des Stücks eingebunden, obwohl manche Schauspieler ständig zwischen Bühne und Band wechseln müssen, was sich negativ auf ihre Präsenz im Stück auswirkt.

Das Stück, das gute Unterhaltung für einen lauen Sommerabend im Freien bietet, ist noch bis 15. August zu sehen.


Historische Trivia

Gebloggt am: 18.05.2015 von Lisseuse

Schon 1733 berichtet Julius Bernhard von Rohr über Aufzüge! Also genauer gesagt über Fahrstühle:

[Er meine Ergänzung] berichtete des Weiteren über “einige grosse Herren”, denen Treppen zu steigen “incommode” sei. Für sie habe man “in den neueren Zeiten bequeme Sessel erfunden,” die “an einem Gewichte hängen”. Ohne auf den Stufen immer mal wieder verschnaufen zu müssen, könnten die Herren nun “aus einem Zimmer in das andere fahren”. Im Stadtschloss zu Dresden und in dem zu Altenburg seien solche Fahrstühle […] eingebaut. (Zitiert nach Heinrich Dily: Stumme Diener in Wörlitz. In: Holm/Dilly: Innenseiten des Gartenreichs. S. 160)

 

Die erste Industrieschule des Kurfürstentums Hannover war in Göttingen. In Industrieschulen lernten die Kinder

das Verarbeiten von Flachs, Wolle und Baumwolle, das Spinnen und das Weben, sowie das Stricken, Knütten [= niederdeutsch für Stricken, zumindest laut zeno.org], Netzen, Nähen, Waschen, Bügeln, Stopfen, Klöppeln und andere verarbeitenden Methoden, sowie Feld- und Gartenarbeit, Bienen- und Seidenraupenzucht; zusätzlich sollten sie zur Pünktlichkeit, zum Eifer, Fleiß, zur Ordnung und zu fehlerfreiem Arbeiten erzogen werden. (Zitiert nach Britta Schlaefke: Geschichte und Ziele des Handarbeitsunterrichts. In: “Langes Fädchen – faules Mädchen” S. 12)

Bienen- und Seidenraupenzucht – wie praktisch…

Randbemerkung für meine Twittertimeline: Schade dass Knütten kein leckeres Hefegebäck mit Apfelfüllung sind 😉


Geisteswissenschaftliche Sachliteratur

Gebloggt am: 27.04.2015 von Lisseuse

Percanta hat auf Twitter gefragt, welche geisteswissenschaftlichen Sachbücher man mögen würde und welche noch fehlen würden. Die Antwort ist mir für Twitter zu lang, aber wozu hab ich denn ein Blog. Also hier erst mal die Liste mit den wissenschaftlichen Büchern, die ich spontan so empfehlen würde.

  • Linda L. Layne, Sharra L. Vostral, Kate Boyer (Hg.): Feminist Technology. Das Buch haben wir im Seminar “Technik und Geschlecht” gelesen. Die Autorinnen schreiben witzig, gut lesbar und spannend. Darum gehts: Können Technik und Technologien feministisch sein? Welche Rolle spielen Tampons, Milchpumpen und Kondome für den Feminismus? Welche verschiedenen Blickwinkel kann man als feministische Frau darauf haben.
  • Gudrun Silberzahn-Jandt: Wasch-Maschine. Zum Wandel von Frauenarbeit im Haushalt. Das Buch ist quasi Kulturanthropologie in Reinform: Feldforschung, etwas historischer Hintergrund, ein Alltagsthema, der Genderforschungs-Blickwinkel. Darum gehts: Die Entwicklung der Waschmaschine und die damit verbundenen Veränderungen der Hausarbeit.
  • Julia Frindte, Siegrid Westphal (Hg.): Handlungsspielräume von Frauen um 1800. Darum gehts: Lebensbereiche in denen Frauen um 1800 agierten. Immer vor dem Hintergrund, welche Möglichkeiten und Freiheiten es gab, außerhalb konventioneller Rollenmuster zu leben.
  • Angela Borchert, Ralf Dressel (Hg.): Das Journal des Luxus und der Moden. Kultur um 1800. Schade dass das Buch zu teuer ist – aber das Bibliotheksexemplar steht jetzt seit über ‘nem Jahr in meinem Regal 😉 Darum gehts: Das Journal des Luxus und der Moden eine historische (Frauen-)Zeitschrift. Eine super spannende Quelle, die richtig viel Spass macht.

Die letzten beiden Bücher sind im Verlag Winter erschienen. Sie sind wunderschön blau. Außerdem kommen beide Publikationen aus dem gleichen DFG-Sonderforschungsbereich “Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800”. Alle Publikationen aus diesem, die ich bisher gelesen habe waren spannend.

  • Astrid Ackermann: London, Paris und die europäische Provinz. Die frühen Modejournale 1770-1830. Ein weiteres Buch aus der Reihe zu meiner Masterarbeit. Darum gehts: Der Titel sagt es quasi. Ackermann analysiert vergleichend verschiedene europäische Modejournale. Speziellen Fokus legt sie dabei auf: Geschmack, Kleidermode, Wohnen, Luxus, die Frage nach Geschlecht und Nation.
  • Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Das Buch muss einfach in einer Liste von mir auftauchen. Fantum seit dem ersten Semester. Wenn man sich mal an Bourdieus Stil gewöhnt hat, dann ist das Buch sogar ziemlich gut lesbar. Außerdem bringt Bourdieu einfach großartige Beispiele. Darum gehts: Bourdieu analysiert wie sich gesellschaftliche Zugehörigkeit ausdrückt, wie sich verschiedene Gruppen abgrenzen. Das Ganze für das Frankreich der 60er.
  • Salman Rushdie: Joseph Anton. Nur teilweise Sachbuch. Rushdie schreibt seine Autobiographie aber das ganze ist so literarisch, dass es auch einen guten Roman abgibt. Macht jedenfalls jede Menge Spass auf weitere Literatur.
  • Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein. Schon wieder was Feministisches. Aber Woolfs Überlegungen bringen einen heute noch weiter. Darum gehts: Die Frage warum Frauen im Großen und Ganzen eigentlich keine Literatur produziert haben, wie Shakespeare oder andere.
  • Bücher über Fantum. Doctor Who, Sherlock… egal. Da schreiben vor allem Wissenschaftler, die selbst Fans sind, entsprechend sind sie passioniert, aber kritisch und das merkt man den Texten einfach an. Wenn man selbst nicht grade Fan des betreffenden Gegenstandes ist, unter Umständen vielleicht anstrengend zu lesen, aber meistens steckt die Begeisterung an.
  • Ralph Bollmann: Walküre in Detmold. Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz. Und plötzlich möchte man wieder mal in die Oper oder wenigstens ins nächste Theater. Darum gehts: Bollmann besucht alle deutschen Opernhäuser. Das sind mehr als es sonst auf der gesamten Welt zusammen gibt. (Ein Hoch auf die deutsche Kleinstaaterei!)

Und dann ist da noch die Frage, was ich gerne lesen würde:

  • Mehr über Serienkonsum und -rezeption. Was machen Leute eigentlich wenn sie fernsehen? Warum machen sie das? In welchen Settings? Wie gehen sie mit Fernsehen um?
  • Was machen eigentlich die ganzen DIY-Leute so? Warum? Wie? Wie wird das finanziert? Was wird genäht, gestrickt, gehäkelt, geschreinert?
  • Mehr Literatur über Literatur, die Lust darauf macht, Literatur besser zu verstehen, Literatur analysiert ohne trocken zu sein…
  • Mehr Literatur über Musik, die mir Musik erklärt. Es gab da mal vom Bayerischen Rundfunk ‘ne CD zur Johannespassion. Die war großartig. Am besten ist so was multimedial. Text fürs Schnelllesen und Hörbeispiele zum Verstehen. Können nicht irgendwelche Musikwissenschaftler mal anfangen dazu zu bloggen? Jemand mit Klavier, der es dann noch vorspielt?