Leseliste (1) 19.09.2013

Im Herbst des letzten Jahres hatte ich es ja schon mal versucht und dann nicht durchgehalten, aber sinnvoll finde ich es immer noch: Hier im Blog meine persönliche kommentierte Leseliste zu führen. Da ich gerade zum einen jede Menge Aufsätze zur Vorbereitung auf meine Masterarbeit lese und nicht vergessen möchte, was mir dazu so alles einfällt und mich zum anderen gerade durch das Buch Kritiken schreiben von Stephan Porombka arbeite, der explizit zum führen einer kommentierten Lesejournals auffordert, starte ich hiermit den zweiten Versuch.

Gelesen:

Endlich die letzen Briefe aus Frances Burneys Evelina gelesen. Nach eineinhalb Jahren bin ich dann auch mit diesem Buch endlich durch. Warum gibt es zum Ende hin eigentlich nur noch Briefe von Evelina? So viel reifer und weltgewandter ist sie jetzt ja auch nicht geworden, dass sie den Rat ihres Ersatzvaters jetzt nicht mehr nötig hätte… Warum sind alle Männer in diesem Buch so schrecklich? Ist doch schade… Und liegt es an mir, oder sind wirklich alle (!!) Personen in diesem Buch irgendwie hysterisch?

Stephan Porobka Kritiken Schreiben. Bisher nur die ersten beiden Kapitel – jetzt muss ich mich erst mal durch die ganzen coolen Aufgaben arbeiten, die er da so stellt. Mit dem Lesejournal hab ich hier angefangen. Als nächstes dann wohl “Gehe in eine Bibliothek, die mit dem eigenen Interessengebiet absolut nichts zu tun hat und erstelle eine Bibliographie, die wiedergibt, was die aktuellen Fachtrends sind”. Sehr pointiert geschrieben, bei den gestellten Aufgaben wird total schlüssig begründet, warum sinnvoll sind, wenn man besser schreiben möchte. Klarer Stil, schlüssige Beispiele, tolle Pointierungen.

In Das Wochenendbuch  rumgeblättert. Ziemlich cool. Ein bisschen wie Schotts Sammelsurium (und vermutlich einfach dessen Vorläufer, da das Wochenendbuch ursprünglich in verschiedenen Ausgaben in den 20er Jahren veröffentlicht wurde). Anders als die Sammelsurien enthält das Wochenendbuch aber nicht unnütze (und gerade deshalb interessante) Statistiken und Fakten, sondern ist viel stärker  ausformuliert. Es gibt unterhaltsame Texte und Ideen zu allem, was einem so an einem Wochenende einfallen kann: Spiele, Vogelkunde, Wald und Wiese, Lyrik … Es ist weniger Lektüre, sondern mehr Inspiration und Ratgeber für ein unterhaltsames Wochenendprogramm. Durch die vielen verschiedenen Einzelthemen ist es gut zum Nebenher-Lesen geeignet und bietet sich auch hervorragend an mal was zu völlig anderen Gebieten zu lesen, als man das üblicherweise tut. (Herausgegeben von Francis Meynell; Übersetzt von Silvia Kinkel, Gea Olbricht, Nina Schweling, Tanya Stewner und Elvira Willems)

Irgendwie traurig, dass es solche Bücher heute nicht mehr gibt. Die Neuauflage von 2005 basiert immerhin auf verschiedenen Ausgaben der 50er Jahre. – Wäre doch ziemlich cool wenn man in jedem Hotel und jeder Pension eines finden könnte. Andererseits denke ich dann doch auch wider, wie momentan bei so vielem, dem ich in historischen Kontexten begegne und das ich dann kurz vermisse, irgendwie stellt mein Feedreader ja meine persönliche Ausgabe des Wochendenbuchs dar. Mit der großartigen Besonderheit, dass sich die Texte dort auch noch ständig ändern und quasi niemals ausgelesen sind.

Worüber mal jemand was schreiben müsste:

Dinnerparties now and then. Ein kulturhistorischer Vergleich von Abendeinladungen des gebildeten Bürgertums.


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