Archive for the ‘Politik’ Category

Offenheit

Gebloggt am: 29.05.2016 von Lisseuse

In der SZ steht ein Artikel zur historischen Entwicklung des Islam: “Eine Reformation im Islam ist sinnlos”. Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, für alle, die sich für Ideen-Geschichte interessieren. Mir selbst ist aber vor allem folgende Aussage aufgefallen: Vor dem Kolonialismus sei es im Islam nicht nötig gewesen eine der Aufklärung vergleichbare Entwicklung zu haben. Stattdessen hätte es eine Verbindung von Religion und Philosophie gegeben, die zu toleranten, vielfältigen Gesellschaft geführt hätten. Viele unterschiedliche Strömungen hätten darin gleichzeitig Platz gehabt. 

Ich bin ja ein großer Fan davon immer neues positives von anderen dazu zu lernen. Und deshalb bin ich an diesem Artikel hängen geblieben: Manchmal habe ich nämlich den Eindruck, dass Toleranz und Akzeptanz von unterschiedlichen Ideen und Lebensentwürfen unserer westlichen Gesellschaft als selbstverständliches Element immer noch fehlt. Und nicht nur das: Unsere Gesellschaft wird immer und immer komplexer und die gewohnten Mechanismen zur Verringerung dieser Komplexität (hallo Luhmann!) scheinen mir nicht mehr zu funktionieren. Selbst wirklich intelligente Menschen scheitern in ihren Gesprächen regelmäßig daran, die Welt wenigstens ein bisschen zu erklären.

Mehr als je zuvor ist immer auch das Gegenteil wahr, kann man kaum noch etwas richtig machen. Ein paar überspitzte Beispiele: Ich kann aufhören Fleisch aus Massentierhaltung zu essen und auf Soja umsteigen, mache dann aber den Regenwald kaputt. Ich kann (fast) keine Kleidung kaufen, die nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurde. Von den Problemen, die die Herstellung Smartphones mit sich bringt, nicht erst anzufangen. Atomstrom ist doof, aber auch Windkraftanlagen sind ökologisch nicht unbedingt einwandfrei: sie sind schlecht für viele Vogelarten, bringen Fledermäuse um und bestehen aus schwer abbaubarem Sondermüll.

Kaum versucht mal also ein Problem zu lösen, steht man vor dem nächsten. Manchmal wundert es mich nicht, dass die Parteien und Gruppen, die einfache Lösungen versprechen, so viel Zulauf haben, wenn doch eigentlich alle überfordert sind.

Ich glaube, dass wir versuchen müssen mehr Offenheit in unsere Köpfe zu bringen. Angst aus Überforderung ist gefährlich – da muss man sich nur mal selbst beobachten. Und vielleicht ist es ein Weg, dass wir uns ansehen, dass Toleranz nicht gefährlich ist. Dass es möglich ist, dass verschiedene Wahrheiten gleichzeitig nebeneinander existieren können ohne dass Gesellschaften deshalb schlechter sind.

Ein weiteres gutes Beispiel dafür scheint mir übrigens der Artikel “Frauenherrschaft?” zu sein. Darin wird gezeigt, dass matriarchale Gesellschaften eben nicht Männer-unterdrückend sind, sondern einfach nur andere Organisationsstrukturen haben, als westliche Gesellschaften. Diese führen zu größerer Freiheit aller. (Ausgehend von diesem Artikel glaube ich ja, dass “Matriarchat” der falsche Begriff für solche Gesellschaften ist, weil er völlig falsche Assoziationen weckt.)


Новости: Alternative Blickwinkel auf Russland

Gebloggt am: 04.12.2015 von Corinna

Besonders seit der Ukraine – Krise hat man den Eindruck, dass auch deutsche Medien einseitig berichten. Aber woher soll man als nicht russisch sprechender Mensch alternative Informationen bekommen? Im Netz gibt es eine ganze Reihe an Autoren und Nachrichtenseiten, die eine andere Sichtweise auf tagesaktuelles Geschehen haben, dass Russland tangiert bzw. in Russland stattfindet. Leider ist keine der Seiten meiner Meinung nach unabhängig, sodass es sinnvoll ist mehrere Quellen zu lesen, um einen vernünftigen Eindruck zu einer Thematik zu bekommen. Dennoch ist es spannend, auch mal den Standpunkt zu lesen, der von russischen Medien vertreten wird. Auf manche Argumentationsketten würde man so in Deutschland nie stoßen. Man darf auch von den russischen Medien nicht zwingend Unabhängigkeit erwarten. Manche Schlagzeilen haben Comedyqualität.

Hier eine kleine Auswahl:

 

Tagesgeschehen:

Russia beyond the headlines: http://de.rbth.com/

Sputniknews: http://de.sputniknews.com/

Russia Today: https://www.rt.com/

 

Meinungen, Kommentare und Presseschau:

Dekoder: http://www.dekoder.org/

Objective Mind (befasst sich allgemein mit dem postsowjetischen Raum): http://www.objectivemind.org/

 

Allgemeines Informationen über Kultur und Zeitgeschehen:

Infos des Goethe – Instituts:  http://www.goethe.de/ins/ru/lp/kul/dur/deindex.htm?wt_sc=russland_magazin

Länderinformation der GIZ: http://liportal.giz.de/russland/

 

Außerdem verweise ich auf die ausführliche Linkliste von Dr. Christian Wipperfürth, die vor allem Webseiten zur politischen Analyse enthält.

 

 


Was ist die Idee von Europa?

Gebloggt am: 11.09.2015 von Lisseuse

Seit Wochen gibt es eigentlich nur noch zwei Themen in den Nachrichten: Brutalität von radikalen Klein- und Splittergruppen in der halben Welt und Flüchtlinge in Europa. Genauer betrachtet sind das natürlich nur die beiden Seiten des gleichen Problems. Denn die Flüchtlinge kommen ja gerade, weil sie zuhause solche Gewalt erleben müssen und von den radikalen Gruppen verfolgt werden. Imho gilt das nicht nur für Syrer. Seit etwa einer Woche kann ich morgens immerhin nicht mehr nur die Nachrichten von angezündeten Flüchtlingsunterkünften, auf der Flucht gestorbenen Menschen, Schleppern, Nazis, Rassisten, Brutlität, Gewalt, Zerstörung und Verderben lesen. Denn seit ein paar Tagen passieren Dinge, die mir wenigstens etwas Mut geben, dass die Menschen in Europa nach zwei brutalen Kriegen verstanden haben, dass sie Frieden nicht haben können, wenn sie Menschengruppen marginalisieren und ausgrenzen. Dass nicht Hass sondern Solidarität und Mitgefühl dazu führen, dass wir in einer besseren Gesellschaft leben können. Seit ein paar Tagen sind meine Nachrichten nicht mehr nur voll von Entsetzen und Hilflosigkeit und “warum tut denn niemand was” sondern voller Hilfs- und Schutzangeboten für Flüchtlinge. Natürlich sind die anderen Nachrichten auch noch da, aber ich habe doch wieder etwas Hoffnung geschöpft, dass die guten Menschen nicht nur in der Überzahl sind, sondern es doch einmal schaffen können, sich durch zu setzen.

Meiner Meinung nach gibt es in diesem Zusammenhang zwei wichtige Punkte: Zum einen sind da die Menschen, die sich vor Flüchtlingsunterkünfte stellen, wenn diese angegriffen werden; die Menschen, die Hilfsgüter sammeln und weitergeben wie beispielsweise vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin; die unglaubliche Zahl an Menschen, die in Wien die aus Budapest ankommenden Flüchtlinge begrüßt und versorgt. Und zum anderen sind da die Menschen, die öffentlich darüber reflektieren, wie es ist Flüchtling zu sein, die in unglaublich vielen Berichten daran erinnern, dass auch in Deutschland vor nicht all zu langer Zeit viele Menschen fliehen mussten, die darauf hin weisen, wie wichtig es ist menschlich zu bleiben und zu verstehen, dass es hier immer noch um Menschen geht. (Links zum Thema hat beispielsweise Maximilian Buddenbohm hierhier, hier und hier gesammelt. Ich weiß auch nicht wie es kommt, dass ich immer auf ihn verlinke, wenn es um informative Linksammlungen geht.) Diese beiden Gruppen zusammen (die Hilfsbereiten und die Nachdenklichen, wenn man so möchte) zeigen mir, dass es in Europa genug Menschen gibt, die sich mehr Menschlichkeit für alle wünschen. Die eine Idee von Europa haben, das mehr ist, als eine reine Wirtschaftsunion. Die für Hilfsbereitschaft, Solidarität und Für-einander-Einstehen sind.

Dem gegenüber stehen irgendwie die europäischen Politiker, die insgesamt den Eindruck vermitteln, in einer völligen Schockstarre gefangen zu sein. Die Angst zu haben scheinen, dass irgendetwas Schlimmes passiert, wenn sie anfangen zu handeln. Die darauf hoffen, dass abwarten oder gar blockieren etwas bringen könnte. @amina_you hat so zusammengefasst:

Tweet @aminayou

In einer Welt, in der jeden Tag Menschen so massiv bedroht, gefoltert und ermordet werden, ist es nicht verwunderlich, wenn die Menschen fliehen. Und natürlich fliehen sie nach Europa. Hier ist es sicher. Wir leben in der längsten Friedensperiode, die es hier je gab. Wir haben unglaublichen Wohlstand – auch wenn der manchmal ziemlich ungleich verteilt ist. Niemand wird irgendjemanden aufhalten können, hier her zu kommen. Zumindest nicht, solange die Menschen in ihrer Heimat keine Perspektive für sich mehr sehen. – Mir persönlich reichen die paar Albträume von Verfolgung, Bedrohung, Angst und Gefährdung, nach denen ich nicht mehr einschlafen konnte völlig aus, um Mitgefühl zu haben.

Die aktuellen Probleme – und dabei ist es egal, ob es sich um Flüchtlinge oder Schuldenprobleme handelt – können die europäischen Staaten meiner Meinung nach nur gemeinsam lösen. Wenn nicht die einen für die anderen einstehen, meinetwegen mit Murren, aber doch aus Solidarität, dann wird ein einiges Europa noch mehr zerbrechen anstatt weiter zusammen zu wachsen. Ich persönlich halte das für eine falsche und gefährliche Entwicklung. Deshalb glaube ich schon seit längerem, dass es wichtig ist, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Europa genug Gemeinsamkeiten hat, um zusammen zu halten. Ich meine beobachten zu können, dass die meisten normalen Menschen genug Solidarität für andere Europäer und für Flüchtlinge aufbringen. Ich denke, es gibt genug Menschen, die zwar einerseits über seltsame EU-Verordnungen murren, aber andererseits doch eine gemeinsame Währung und offene Grenzen praktisch finden. Und die vielleicht Verständnis dafür aufbringen könnten, dass für diese Freiheit auch notwendig ist, dass man eine gemeinsame Politik macht.

Mich wundert nicht, das in Budapest und Wien vor den Regelungen von Dublin II 1 kapituliert wird. Wie ungerecht ist diese Regelung, wo doch die meisten reichen europäischen Staaten keine EU-Außengrenzen haben, über die Flüchtlinge kommen. Und ich finde, es zeugt ganz deutlich von europäischer Solidarität, wenn Bürger in Wien, München und Dresden dafür sorgen, dass die Flüchtlinge willkommen geheißen werden, wenn sie anderswo nicht willkommen sind und die Politik vor solchen Problemen versagt.

Ich glaube, es wäre wünschenswert, wenn wir, die normalen Menschen, überall in Europa darüber nachdenken und öffentlich sprechen, warum wir für Solidarität und Mitgefühl sind. Wir sollten darüber schreiben, was unsere Idee von Europa ist, was wir von Europa erwarten und für Europa tun wollen. Ich wünschte es gäbe ein über-europäisches Medium. Ich möchte Berichte von belgischen, bulgarischen, dänischen, deutschen, estnischen, finnischen, französischen, griechischen, großbritannischen, irischen, italienischen, kroatischen, lettischen, litauischen, luxemburgischen, maltesischen, niederländischen, österreichischen, polnischen, portugiesischen, rumänischen, schwedischen, slowenischen, slowakischen, spanischen, tschechischen, ungarischen, zypriotischen Bürgern lesen. Ich möchte wissen, wie sie über die Europäische Union denken, wie sie leben, was sie fühlen, woran sie glauben, was sie brauchen und wie sie helfen können. Ich träume von einer Zeitung oder einem Blog, in dem diese Menschen schreiben können, in dem ihre Texte übersetzt werden – mindestens ins Englische, aber in meinem Traum in alle Sprachen der EU. Ich möchte, dass die europäische Vielstimmigkeit ein Forum bekommen kann. Eines, in dem diese Vielstimmigkeit positiv gesehen wird und als Vorteil. Möchte jemand mit mir ein solches Projekt aufziehen? Habt ihr Freunde im europäischen Ausland, die mitschreiben würden? Kennt ihr Leute, die Texte übersetzen können oder könnte es selbst? Wer kann eine Seite bauen? Wer sie hosten? Wer möchte sich an der Redaktion beteiligen?

Haben überhaupt andere Leute als ich Interesse an einer solchen Aktion?

  1. Flüchtlinge müssen im ersten sicheren Einreiseland Asyl beantragen

Leseliste (8): 11.10.2013

Gebloggt am: 11.10.2013 von Lisseuse

News of the Day:

Mehr Gewalt, Mord und Totschlag.

Welche Regierung Deutschland bekommt, könnte sich an der Frage von Steuererhöhungen entscheiden. Investitionen in die Infrastruktur sind dringend nötig. Die SPD wiegelt gerade ab, dass Steuererhöhungen allein auch nicht helfen. Die CDU will vor allem mehr Geld ausgeben. Weitere Sondierungsgespräche Schwarz-Grün. (inhaltliche Details)

Verhandlungen auch in den USA. (außer dass man wieder miteinander spricht passiert aber noch nicht viel)

Privater Ökostrom wird weiter verkauft.

Steigende Sozialabgaben für 2014.

Die Schuldenkriese zeigt weiter ihre Auswirkungen: Gefahr von Hungersnot in Europa.

Mehr Ärzte arbeiten Teilzeit und wollen dies auf allen Karrierestufen tun.

Gelesen:

Alan Bradley Speaking from among the bones Über die Flavia de Luce Krimis hab ich ja schon hier mal geschrieben. Inzwischen wurde die Reihe fortgesetzt. Mit etwas Abstand wird auch die Entwicklung der Hintergrundhandlung deutlicher. Flavia wird älter und etwas weniger naseweis, die Familie steht noch näher am Rande des Ruins – und mit dem letzen Satz des Buches kriegt die  Handlung dann auch noch einen Twist, der die Spannung fürs nächste Buch aufrecht erhält. Ansonsten bleibt eigentlich alles beim Alten. Flavia ist weiterhin das Chemiegenie, zu neugierig für ihr eigenes Wohlergehen und natürlich diejenige, die den Mordfall löst. Hat wieder Spass gemacht zu lesen. Besonders an den vielen Stellen, an denen ich dachte “gleich passiert etwas wirklich schlimmes” ganz ohne, dass das dann eingetreten ist.

Rudolf Schenda Volk ohne Buch. Schenda vertritt die These, dass im 19. Jahrhundert zwar einerseits Lesen als Erziehungs- und Aufklärungsmethode angesehen wurde (von Seiten der Aufklärer), gleichzeitig das Volk aber nicht zu aufgeklärt sein sollte (von den Herrschenden). Dies hat zur Folge, dass nur wenige Menschen mit echtem Textverständnis lesen können, da der Schulunterricht nicht genug gefördert wird. Außerdem wirkt sich dies auf populäre Lesestoffe aus, die in einer seltsamen Zwischenstufe stehen. Einerseits werden sie als nicht literarisch-ästhetisch abgewertet, andererseits gibt es auch kein echtes Bestreben gute populäre Texte zu produzieren.


Leseliste (7): 10.10.2013

Gebloggt am: 10.10.2013 von Lisseuse

News of the Day:

Ein Bischof gibt zu viel Geld aus.

In einem nicht so ganz geklärten Prozess wurde der Libysche Ministerpräsident Seidan entführt.
Am Burggraben der Festung Europa sterben wieder mal viel zu viele Menschen. Frontex hält dabei Seenot-Auflagen wohl nicht ein. “Sei angehalten” ist allerdings ja auch kein echter Befehl. Die Frage der Flüchtlingspolitik wird zum Diskussionspunkt in Koalitionsverhandlungen zwischen schwarz-grün. Das Reden von “die einzelnen Menschen sehen” klingt aber leider ja schon wie hole Phrasen. Als würde einzelnen Menschen Asyl gewährt werden… Laschet (CDU): Flüchtlinge müssen nach Stärke der Eu-Staaten aufgeteilt werden. Grüne: Deutschland muss mehr Flüchtlinge aufnehmen – ich sehe den Streitpunkt nicht…
Europas Geschichte im Umgang mit Flüchtlingen und Konflikten in den Grenzregionen ist auch nicht gerade ruhmreich. Außerdem sind Flüchtlinge eigentlich gar nicht das EU-Problem, die meisten kommen ja gar nicht so weit.

Der Shut-Dwon zeige die krasse Macht der USA: immer noch super-reich und noch nichtmal gezwungen Drohungen auszuführen. Außerdem Hintergründe zur aktuellen Auseinandersetzung um den US-Haushalt.

Komplette Untersee-Bohrinseln. Die üblichen Fronten: Umweltschützer vs. Energie-/Ölfirmen mit den üblichen Argumenten. Fehlende technische Erfahrung und fehlendes Wissen über Tiefsee.

Gelesen:

Wolfgang Kaschuba Turns and Tunes. Zur Historizität ethnologischen Wissens:

Vermutlich klingt der Titel irritierend, mindestens inkonsistent, weil das spätmodernistische Vokabular vor dem Doppelpunkt mit der ernsthaft-reflexiven Formulierung dahinter deutlich kontrastiert. Doch ist dieser Effekt durchaus beabsichtigt, denn diese Überschrift hat ihre kleine Geschichte und ist aus zwei unterschiedlichen Handschriften und Perspektiven zusammengebastelt.

Boha, was für schlechter Textanfang! Ich mag es ja gar nicht, wenn mir jemand in einem Aufsatz im ersten Absatz erstmal den Titel erklärt. Wenn statuieren muss wie der Titel funktioniert, dann ist es einfach kein guter Titel. Der Absatz hält die Leser halt irgendwie für doof. Egal, wie berechtigt er für den Rest des Textes sein mag.

Was ich mal lesen sollte:

Karin Hausen: Geschlechtergeschichte als Gesellschaftsgeschichte

Dies.: Zur Sozialgeschichte der Nähmaschine.

verschiedene workplace-studies

Worüber jemand mal was schreiben müsste:

*************SPOILER*************

Rape Culture in Fernsehserien. Wie eine Vergewaltigung in Downton Abbey fehlende Einfälle für einen dramaturgisch notwendigen neuen Spannungsaufbau kompensieren muss. (Ich hab die aktuelle Folge S04E03 ja noch nicht gesehen, aber mit dieser Information möchte ich die Serie auch wirklich nicht mehr weiter gucken! Lieblingsfigur tot, zweite Lieblingsfigur misshandelt – das muss ich mir wirklich noch etwas überlegen…)


Gelesen: #aufschrei

Gebloggt am: 28.01.2013 von Lisseuse

Angefangen hat alles mit dem Bericht über Rainer Brüderles sexistisches Verhalten. Dann begannen @vonhorst und @marthadear auf Twitter unter dem Hashtag #aufschrei über Erlebnisse mit sexueller Gewalt und Sexismus zu twittern. Damit lösten sie auf Twitter eine Welle aus, die den gesamten Freitag über quasi alle anderen Themen aus meiner Timeline verdrängte. Denn es zeigte sich sehr schnell: Eigentlich jede* konnte in irgendeiner Form zumindest von sexistischen Erlebnissen aus ihrem Alltag berichten. Es gab keine Verhaltensweise, die nicht in irgendeinem Fall doch Sexismus hervorgerufen hätte.

Meine Linksammlung zeigt nur die Reaktionen in meinem Teil des Internets. Dort aber, gibt es ein großes Bedürfnis nach einer Debatte über Sexismus, die hoffentlich gesellschaftliche Veränderungen nach sich zieht. Denn während uns Frauen immer wieder klar gemacht wird, dass wir eigentlich alles erreichen können, wenn wir nur wollen. Bekommen wir gleichzeitig immer wieder diese andere Botschaft: Wenn ihr euch nicht selbst in Gefahr bringen wollt, dann müsst ihr euch so und so verhalten. Damit wird völlig verdrängt, dass an sexistischem Verhalten nur diejenigen etwas ändern können, die sich sexistisch verhalten – und dass es kein richtiges Verhalten gibt, um sexueller Gewalt zu entgehen. Ich denke, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem zu mehr Gleichberechtigung nicht mehr fehlt, dass wir Mädchen* und Frauen* mehr Freiheit versprechen. Wir müssen Jungen* und Männern* klar machen, dass sie sich nicht sexistisch verhalten sollen und dass sie diejenigen sind, die andere Jungen* und Männer* davon abhalten müssen, sich sexistisch zu verhalten. Wir sollten Männern* klar machen, dass Frauen* keine Objekte sind. Und uns als Frauen* immer wieder vor Augen halten, dass die große Mehrheit der Männer* ganz normal und anständig ist und nicht Feinde sondern im Idealfall Verbündete darstellen. Denn die meisten Menschen in unserer Gesellschaft möchten eigentlich eine gerechtere und gleichberechtigtere Welt für alle.

Ganz viele weitere Texte zum Thema:

Aufschreien gegen Sexismus ist eine Seite, die Erlebnisse von Sexismus oder sexueller Gewalt sammelt.

#aufschrei Tumblr mit den Tweets zum Hashtag #aufschrei.

Danke #aufschrei (Journelle) Gute Zusammenfassung dessen, was auf Twitter passiert ist.

NICHT WISSEN, WAS MAN SCHREIBEN SOLL (Anne Schüssler)

Aufschreien gelt

ICH HAB KEINE WORTE MEHR, DIE MEINEN FRUST, MEINE ABSCHEU UND MEINE VERZWEIFLUNG AKKURAT WIEDER GEBEN KÖNNTEN. (Mina)

Wir brauchen eine Debatte über Sexismus. Wir müssen das Tabu endlich loswerden.

Normal ist das nicht! (Kleiner 3)

Wir haben uns so an sexuelle Übergriffe jeglicher Art im Alltag gewöhnt, dass wir manchmal vergessen, uns dagegen zu wehren.

Ohne Worte. Ein #aufschrei (Little Jamie)

Allgemeine Reflektionen:

#Aufschrei – Es geht nicht um mich (Kaltmamsell)

Ich selbst habe diese Formen der Frauenfeindlichkeit so gut wie nie erlebt. Mich lässt man auf der Straße in Ruhe, im Beruf traf ich bislang auf noch nichts Schlimmeres als gedankenlose Verwunderung, dass ich ranghöher als eine Sekretärin bin.

Doch, und das ist essenziell: Dass bedeutet weder, dass es diese Frauenfeindlichkeit gar nicht gibt, noch dass die Frauen, die damit Probleme haben, selbst daran schuld sind. Es geht nicht um mich.

 

#aufschrei (dieliebenessy)

Was am erstaunlichsten an dieser ganzen Sache ist, ist, dass offensichtlich jede Frau mindestens fünf Begebenheiten erzählen kann.

MEIN SPÄTER AUFSCHREI (Dr. Mutti)

Ich bin nicht die einzige, die seit gestern morgen ganz unvorbereitet in den Twitter-Aufschrei und damit in einen Nachdenkensprozess geraten ist. Freitag morgen lese ich die ersten 140-Zeichen-Texte mit persönlichen Erfahrungen von Frauen mit sexueller Gewalt in mehr oder minder drastischer Form. Die Masse ist verstörend. Meine erste Reaktion darauf ist irgendwo zwischen verhalten, irritiert und ein bisschen ablehnend.

#Aufgewacht (Johannes Mirus)

Ich möchte an die­ser Stelle die Sicht eines hete­ro­se­xu­el­len Man­nes dar­stel­len, der die #Auf­schreiDis­kus­sion von Anfang an mit­ver­folgt, aber die Trag­weite kom­plett unter­schätzt hat.

Der Pro­zess, den ich gerade durch­laufe, lässt sich ein wenig an die Trau­er­pha­sen nach Verena Kast anleh­nen, wobei auch das nur ein wei­te­rer hilf­lo­ser Ver­such von mir ist, das Unmög­li­che in eine Struk­tur zu pres­sen, mit der ich arbei­ten kann.

Von Lämmern und Löwinnen (serotonic)

Seitdem ich Frau bin, hadere ich mit dem Feminismus. Denn der Feminismus, der sagte mir, dass ich unterdrückt werde, dass ich ein Leben in vorauseilender Unterordnung führe, und dass ich gefälligst aufbegehren müsse gegen den bösen Mann – während ich frei, ungebeugten Rückens und erhobenen Hauptes durchs Leben schritt. Kurz: Obwohl ich mich als Frau nie benachteiligt gefühlt habe, drängte mich der Feminismus mit seinen verkopften Extrempositionen in eine Opferrolle, die ich nicht mit meinem Selbstbild vereinbaren konnte. Daher freue ich mich sehr über die aktuelle Sexismusdebatte, die nicht auf Prinzipien reitet, sondern den Alltag vieler einzelner Frauen ungefiltert greifbar macht.

Macht es! (Nathalies Regungen)

Eine halbe Nacht und einen halben Tag war ich fassungslos, ärgerlich, traurig, schockiert, überrascht, dann langsam irritiert, skeptisch bzgl. meiner Timeline, bzgl. des Hashtags #aufschrei.

Gedanken zum Umgang mit Sexismus und sexueller Gewalt:

#Aufschrei: Wogegen ich mich wehre? „Wehrt Euch“ (hanhaiwen)

Lasst es einfach, Opfern von Übergriffen noch zu sagen, sie hätten etwas falsch gemacht.

Sagt ihnen nicht, dass sie sich hätten wehren sollen (Anatol Stefanowitsch)

Keine Lösungen, aber viele Fragen (DasNuf)

Reaktionen der Medien:

Aufschrei und Scham (FAZ) Bericht über die #aufschei-Aktion auf Twitter

Wie ein Hashtag die Sexismus-Debatte verändern kann (Süddeutsche)

Sexismus-Talk bei Jauch: Die Untoten der Geschlechterdebatte (spon)

#Dirndl bei #Jauch (FAZ)


Gelesen und für gut befunden: 20.09.2012

Gebloggt am: 20.09.2012 von Lisseuse

Ich möchte für folgenden Comic eine Warnung aussprechen: Ich saß zwei Stunden da und habe das Bild zur Seite gezogen. Aber es ist ganz ganz wundervoll.
http://imgs.xkcd.com/comics/click_and_drag.png

Das große Grausen (Biorama)

Man möchte keine Restaurants mehr besuchen. Angesichts der Tatsache, was man dort mit höchster Wahrscheinlichkeit auf dem Teller hat.

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Eine Reihe von Artikeln zu Julia Schramms Buch:

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Aber ich als Frau, …

Von der Kritik an Strukturen und deren Verwechslung mit subjektiver Wahrnehmung.

Das Porno-Imperium – Ein Deutscher erregt die Welt (Die Welt)

Ein Witz und seine Konsequenzen

Zusammenfassend kann man also durchaus sagen, dass dieser Witz sexistische Vorstellungen reproduziert. Zugleich stellt er allerdings als männlich positionierte Männer als absolut unselbstständig dar, die sich weder um ihr Essen noch um ihr Sexleben allein kümmern können. Ein bisschen arm ist das schon, oder?

Was Mitt Romney wirklich über Obama-Wähler denkt

“47 Prozent werden sowieso für ihn stimmen. Es gibt 47 Prozent aller Amerikaner, die seine Fans sind. Sie sind von der Regierung abhängig, sie sehen sich als Opfer und sind davon überzeugt, dass sie ein Recht auf Krankenversicherung, Unterkunft und Essen haben. Es sind die Leute, die keine Einkommensteuer zahlen.”

Hardware is dead
Spannender Artikel darüber, wie billig Tabletts heute produziert werden. Überlegungen dazu, welche Auswirkungen das auf unseren Umgang mit technischen Geräten haben wird.

Was der Artikel leider überhaupt nicht reflektiert ist, ob zum einen der Vertriebspreis von weniger als 50$ die Produktionskosten decken kann und ob zweitens bei der vorhergesehenen Explosion in Produktion, Verkauf und Verwendung von Tablets die Ressourcen zur Herstellung überhaupt mithalten können.

“Die Liebe kann man nicht beherrschen” (FAZ)

Jean-Louis Trintignant, französische Kino-Legende, spricht über seinen neuen Film, über Jugend und Gefühl, den Tod seiner Tochter, seine Erlebnisse mit Bardot und Kinski – und die aufregende Liaison mit einer Deutschen.

Oder auch Jean-Lous Trintingnant spricht über seine Faszination am Leben, obwohl er es gar nicht so toll findet. Ganz spannend.

“In Deutschland herrscht faktische Straflosigkeit sexualisierter Gewaltdelikte”

Zwei Juristinnen, die auf Sexualdelikte spezialisiert sind, sprechen über die deutsche Rechtsprechung in Sexualdeliktsfällen. Sehr informativ. Ganz ohne Schuldzuweisungen und emotionale Vorwürfe. Stattdessen kritische Reflexion über die Bedingungen dieser Rechtsprechung. Außerdem werden eine Reihe von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zum Thema zitiert.

Scheinheilig

Hoffentlich ist durch die Bettinawulffsache der letzten Tage endgültig klargeworden, dass nicht “das böse Internet” schuld ist an Rufmord und Verleumdung, sondern immer noch diejenigen Individuen, die sich daran beteiligen, egal ob neue oder alte Medien, online oder offline.

Der Maestro, der für Angela Merkel kochen würde (Die Welt)

Unser Männervorstand

Eine weitere Seite von struktureller Diskriminierung sehr schön geschildert und analysiert. Das Beispiel der Wahl des Berliner Landesvorstandes der Piraten ist dabei eher nebensächlich. Die Argumentation kann man problemlos auf alle anderen Gebiete übertragen.

Wolfgang Blau: Auch das schärfste Urheberrecht würde den Verlagen nicht helfen

»Das Leistungsschutzrecht war eine Machtprobe für den Springer-Verlag, und Springer hat gewonnen.« So hat es Wolfgang Blau, der Chefredakteur von »Zeit Online«, in einer Keynote formuliert, die er am 31. August bei einer Urheberrechts-Fachtagung von Bündnis 90/Die Grünen hielt. Er erläuterte, warum das geplante Gesetz nicht nur nicht hilfreich, sondern schädlich ist. Er forderte von Politikern den Mut, offen auszusprechen, dass infolge der Digitalisierung »ganze Branchen und ganze Berufszweige verschwinden werden«. Und er plädierte dafür, sich mit den heute kaum noch nachvollziehbaren Argumenten zu beschäftigen, mit denen frühere umwälzende Technologien wie der Buchdruck und die Eisenbahn bekämpft wurden.

Ich hatte ja bisher nur die Rede von Wolfgang Blau im Bundestag gehört. Aber in beiden Fällen fällt mir auf, wie gut ich sie finde. Reflektiert, sachlich, kritisch.

Und zu guter Letzt noch einmal zum xkcd-Comic: hier die Auflösung zum weitersuchen: http://twitpic.com/aw7ic7


Gelesen und für gut befunden: 19.09.2012

Gebloggt am: 19.09.2012 von Lisseuse

Hausarbeiten bis spät in die Nacht zu schreiben, ist vielleicht nicht die beste Idee, wenn man in den nächsten Tagen zu irgendwas kommen möchte. Da ich das allerdings regelmäßig vergesse, hier die gesammelten Links seit 15.09.:

Was es heißt, ein Mann zu sein (FAZ)

Christian Wulff erlebt gerade, wovor wir alle uns fürchten; dass auf einmal all die Sicherheiten wegbrechen, auf denen unser Leben ruht. Womöglich zeigt ausgerechnet er uns nun, wie wir so etwas überstehen.

Christian Wulff schreibt Buch über harte Zeit nach Bettina Wulffs Buchveröffentlichung (der Postillion)

Sex und behinderte Körper – ein existentielles Limit (F.A.Z. Blog)

Auch behinderte Menschen finden sexuelle Erfüllung, doch so manches Mal zahlen sie einen hohen Preis dafür – und finden kurzes, momenthaftes Glück in bezahlten Armen, Augenblicke sexueller Präsenz, körperlichen Seins ‘trotz’ körperlicher Behinderung.

Frauenberger: EU soll sexismusfreie Zone werden (dieStandard.at)

In einem ersten Resümee der Wiener Watchgroup zeigt sich, dass seither mehr als zehn Beschwerden pro Monat (insgesamt waren es 75) eingereicht wurden.

Gibt es so etwas für Deutschland eigentlich auch?

http://fuckyeahstephenfry.tumblr.com/post/31610824066

YEAH! QI läuft wieder. Und es geht auch gleich darum, warum Dr. Watson doppelt so häufig “ejaculates” wie Sherlock Holmes.

Die kohleske Kanzlerin (spon)

Dabei ist die Wahrheit eine andere: Jenseits der Euro-Krise hat die Merkel-Regierung die Arbeit weitestgehend eingestellt. Etliche ihrer Minister beschränken ihre Amtstätigkeit weitestgehend auf das Verlesen von Grußworten. Die Energiewende wird viel zu langsam in Angriff genommen, Wirtschaftsministerium und Umweltministerium leisten sich haarsträubende Kompetenzgerangel. Es gibt keinerlei Idee, was zu tun ist, wenn auch hierzulande die Wirtschaft in den Sog der Euro-Krise gerät.

 

LOST MEMORIES (French, English Subtitles) from Francois Ferracci on Vimeo.

Obama’s Way (Vanity Fair)

To understand how air-force navigator Tyler Stark ended up in a thornbush in the Libyan desert in March 2011, one must understand what it’s like to be president of the United States—and this president in particular. Hanging around Barack Obama for six months, in the White House, aboard Air Force One, and on the basketball court, Michael Lewis learns the reality of the Nobel Peace Prize winner who sent Stark into combat.

Sehr langer, aber auch ziemlich spannender Artikel über Barack Obama.

NEIN

Und immer noch die Frage, warum überall ein Nein Bedeutung hab, aber in Vergewaltigungsprozessen plötzlich nicht mehr.

Sprachbrocken 37/2012

Nichts gegen die Paläoanthropologie, aber es sei mir verziehen, wenn ich manchmal den Eindruck bekomme, sie sei nur erfunden worden, damit die Literaturwissenschaft keine methodologischen Minderwertigkeitskomplexe entwickelt.

Bösartiges Kichern meinerseits über diesen Satz.

If You Can Hear Me, Touch Your Nose.
Pornography is entertainment. Pornography is a business. Pornography is not a substitute for sexual education.

Leider ist der Gedanke, dass wir doch schließlich alle Erwachsene sind und Realität und Fiktion unterscheiden können, falsch.

Was bedeutet es Frau zu sein, und Jüdin?

Judith Butler hat den Adorno-Preis bekommen, aber richtig zuzuhören hat dennoch keiner nötig.

Ich mein ja nur

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Dame hier der erste Ratschlag von Anke Gröner:

Du musst nicht auf diese blöden Unipartys gehen. Oder auf die blöden Arbeitspartys. Oder überhaupt auf blöde Partys. Es ist völlig in Ordnung, zuhause auf dem Sofa zu sitzen und ein Buch zu lesen. Und du musst dich auch nicht dafür rechtfertigen, nicht auf Partys gehen zu wollen. Dir entgehen allerdings eventuell ein paar One-Night-Stands.

Wobei ich allerdings nicht so genau weiß, weshalb sie den noch mal extra braucht. Ich möchte ihr (und mir selbst) ja eher diesen empfehlen:

WIRF DEINE UNI-UNTERLAGEN NICHT WEG!

 Und hinzufügen: sondern leg dir ein anständiges und übersichtliches Ablagesystem zu. Auch am Computer!

Gelesen und für gut befunden: 12.09.2012

Gebloggt am: 12.09.2012 von Lisseuse

Deutsches Hochschulsystem bleibt sozial selektiv (Studis online)

Im Grunde sind die Befunde seit Jahren mehr oder weniger gleich – und die Reaktionen der jeweils amtierenden Bildungsminister auch. Zahlen werden relativiert, kleine Erfolge groß geredet, Misserfolge ausgeblendet.

Ein Mann, den es eigentlich nicht gibt (fluter)

Lange haben wir gesprochen und bis zuletzt war es unklar, ob dieses Treffen überhaupt zustande kommt. Ich betrete das Zimmer und finde einen sichtlich überforderten jungen Mann vor, der am liebsten in der nächsten Sekunde wieder gehen würde. Er bleibt. Niemand darf von diesem Treffen wissen, denn ihn gibt es nicht. Trotz vieler Bedenken spricht er das erste Mal über eine Sexualität, die in der Welt des Fußballs nichts verloren hat.

Homosexualität darf in der Fussballbundesliga nicht vorkommen. Für die natürlich doch existierenden homosexuellen Profifussballer wird das zum Problem.

Manche spielen betont hart (11 Freunde)

Die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling forscht zu schwulen Profifussballern. Und kommt deshalb mit diesen ins Gespräch.

“Mädchen hat sich nicht genug gewehrt” (Hertener Allgemeine)

Das Problem ist nicht, ob der Angeklagte jetzt schuldig ist oder nicht. Sei er eben unschuldig, ich vertrete durchaus die Ansicht des in dubio pro reo.

Das Problem ist, dass alle Menschen, die jemals vergewaltigt wurden/werden, vermittelt wird, dass sie selbst schuld sind, wenn sie sich nicht wehren. Dass darüber hinaus vor Gericht weiterhin nicht gilt “No means No”. Und niemand mehr einfach den Weg des geringsten Widerstandes wählen kann, ohne sich ein “selbst schuld” von Gericht anhören zu müssen. Diese Botschaft seitens eines deutschen Gerichtes halte ich für sehr bedenklich.

Fremdschämen für den Bettina-Mob

Was bilden sich die Leute eigentlich ein, die meinen, öffentlich jemanden anderen herabwürdigen, niedermachen, in Grund und Boden stampfen zu können? Wo bleibt der Anstand, wo das Mitgefühl für eine Frau, die nur ihren Namen und ihre Reputation schützen will? Warum können sich so viele Menschen nicht mehr einfühlen in die Gefühle anderer? Ich stehe fassungslos und angewidert vor dem Kübel Dreck, der im Internet über Bettina Wulff ausgeschüttet wird. Überlegt sich denn niemand von denen, die da schütten, wie er selbst sich in dieser Situation fühlen würde?

Ich denke, wir müssen wieder mehr darauf achten, ob wir unsere aller erste Reaktion wirklich laut hinausposaunen. Ober ob wir nicht doch erst mal innehalten sollten, uns bei der eigenen Nase packen und überlegen, was WIR tun würden, wenn wir in dieser Situation wären. Und dann einfach mal die Klappe halten. (Und ja, ich frage mich die ganze Zeit, ob ich die Diskussionen um Bettina Wulff wirklich hier im Blog so dokumentieren möchte, oder ob es nicht besser wäre es zu lassen.)

Sie konnte nicht nein sagen (stern.de)

Hans-Martin Tillack hat Bettina Wulffs Buch weit weniger wohlwollend gelesen als andere.

Gespräch an der Bettkannte

Sohn I: „Wie heißt diese Geschichte hier?“
Ich: „Die heißt „Der geplagte Schriftsteller.“
Sohn I: „Aha. Und da geht es dann um einen Maximilian, was?“

Bitte postet mehr Bonmots Eurer Kinder. Ich liebe solche coolen Reaktionen.


Gelesen und für gut befunden: 11.09.2012

Gebloggt am: 12.09.2012 von Lisseuse

Im falschen Leben (Berliner Zeitung)

Holger Schmale konstruiert aus dem Medienrummel und schlechter Verlagskommunikation ein “politisch brisantes Buch”. Macht dann aber eine ganz nette Inhaltsangabe.

Gut platziert (süddeutsche.de)

Noch eine inhaltliche Zusammenfassung zu Bettina Wulffs Buch.

Bettina Wulff schmeckt lecker nach Hähnchen

Warum also nicht eine künstliche Nachfrage nach einem Suchbegriff erzeugen und künstliche Inhalte generieren, die etwas behaupten, was purer Nonsens ist? Und zwar mit so viel Lärm und Lust am Spiel, dass es die Suchmaschine verwirrt.

Kärnten: 16.000 Menschen fordern Neuwahl

Kärnten ist, soweit ich das verstanden habe, ein großer politische Sumpf und langsam reicht es auch der Bevölkerung.

Qualifikation: kinderlos, wünschenswert: totale Verfügbarkeit

Eine Mutter auf Arbeitssuche.

Neue Studie untersucht Wählerverhalten

 

Außerdem habe ich mich durch die letzen 10 Artikel in Antje Schrupps Blog gelesen, da frisch abboniert:

Kein Bock mehr

“Ist Diskriminierung wirklich so schlimm oder warum versteht Ihr keine Witze”

Kybernetischer Kommunismus oder: Die unerledigten Visionen der Shulamith Firestone

Darin vertritt sie die These, dass weibliche Freiheit erst möglich sei, wenn weiblicher Körper und Reproduktion, also Schwangerschaft und Kinderkriegen, voneinander getrennt werden: „Der Kern der Unterdrückung der Frau ist ihre Rolle als Gebärerin.“ […] Ich bin nicht der Ansicht, dass Menschen, die schwanger werden (können), anderen gegenüber notwendigerweise im Nachteil sein müssen. Sie sind es nur unter patriarchal infizierten Bedingungen.

Morgens vorm Spiegel

Ein weitere Meinung zu #609060. Einer sehr tollen Aktion im Internet, wie ich finde. Eine Linksammlung dazu findet sich bei Journelle: Ein Mem ist ein Mem ist ein Mem . Sie hat die Aktion mit einem Artikel auch angestoßen.

Das ganze ist übrigens ein sehr gutes Beispiel für gute, kontroverse aber nicht destruktive Auseinandersetzungen im Internet.

Von der hohen Kunst, “Kackscheiße” zu sagen oder auch nicht