Das Internet – die Kommerzialisierung

Gebloggt am: 25.07.2016 von Corinna

Das Internet entstand im Umfeld der Wissenschaft. Ab den 1990ern konnte es auch von Laiennutzen genutzt werden. Das lag zum einen am Preisverfall der Computer-Hardware, zum anderen an der zunehmend benutzerfreundlichen Interaktionsebene zwischen Mensch und Computer. Welche Entwicklungen zum heutigen Internet geführt haben und die grundlegende Funktionsweise einiger Internetanwendungen sind im Folgenden erklärt.

Die Kommerzialisierung

Ab 1991 konnten in den USA das Netz auch kommerzielle Unternehmen nutzen. 1989 entwickelte Tim Berners-Lee am CERN im Genf, die Anwendung des World Wide Web (WWW), was auch zur Verbreitung des Internet außerhalb der akademischen Welt beitrug. Berners-Lee übertrug das Hypertextkonzept auf das Internet, um somit eine effiziente Informationsverwaltung von verfügbaren Wissen zu ermöglichen. (vgl. Braun 2010, s. 205). Dabei ermöglicht dieses Konzept statt einer einzig linearen Darstellung bei Stichwörtern direkt zur verlinkten Stelle zu springen, die den Kontext bzw. die Erklärung hierzu gibt. (vgl. Kirpal/Vogel 2006), was der ursprünglichen Anwendung (Verlinkung und Präsentation von verschiedenen Forschungsergebnissen und -materialien) hilfreich war. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 143). Daher nannte Berners-Lee diese Verknüpfungsweise auch World Wide Web. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 143).

Berners-Lee ist auch Entwickler des Hypertext Transfer Protocol (HTTP) und der Hypertext Markup Language (HTML). Das HTTP diente dazu, dass ein Computer im Internet nach bestimmten Dateien suchen konnte, die zu einem Dokument verknüpft werden sollten. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 143). Der Uniform Resource Locator (URL) war die Adresse der so erstellten Dokumente. Mittels HTML war des dem Browser möglich, die gefundenen Daten angemessen darzustellen. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 143f.)

Das WWW wurde auch durch die kostenlose Verfügbarkeit der ersten Browser ermöglicht, wie beispielsweise den Mosaic Browser der Universität Illinois, was 1994 jedoch zur Gründung der Firma Netscape führte.

Mitte der 1990er begannen immer mehr Entwickler ihre Programme und geschriebenen Lösungen nur gegen Lizenzgebühr weiterzugeben. Kirpal und Vogel führen drei Geschäftsmodelle des Internets auf: den Verkauf der Browsersoftware, der kostenpflichtige Zugang zum Internet, sowie das Internet als weiterer Absatzkanal für Produkte und Dienstleistungen (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 144). Dem Kommerzialisierungsbestreben kam entgegen, dass mehr und mehr Privatpersonen Computer für den Privatgebrauch hatten und auch die Bedienung des Computers zunehmend benutzerfreundlich gestaltet wurde. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 144f.). In den 1990ern war es zunächst vor allem der gebührenpflichtige Internetzugang, der Gewinne versprach. Dabei kann sich der Internetnutzer über einen Knotenrechner des Internetproviders über ein Modem oder eine ISDN-Verbindung in das www einwählen. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 145).

Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass die Verbreitung des Internets erst durch laienorientierte Innovationen kam, welche nicht von Forschern entwickelt wurden, sondern von ersten Nutzern bzw. Studenten der Computer Science, die die bisher sehr technikorientierte und wenig benutzerfreundliche Oberfläche umgestalteten. (vgl. Hellige 2006, S. 17). Da es die Erfinder des Internets zunächst nicht für den privaten Gebrauch entwickelt hatten, war die Nutzung des Internetnetzes so umständlich, dass es kaum jemand außerhalb der Expertenzirkel auf sich nahm. (vgl. Hellige 2006, S. 16). Erst mit der Einführung von „Graphic User Interfaces“ für Email oder Browser wurde es einfacher für den Laien den Computer zu bedienen. (vgl. Hellige 2006, S. 17).

Funktionsweise von World-Wide-Web -Anwendungen

Um eine Seite im Web aufzurufen, baut ein PC eine TCP-Verbindung mit dem Webserver auf. Der Browser auf dem Computer schickt dann eine Anfrage nach einer Webseite an den Server. Der Server liest nun entweder die angeforderte Seite oder erstellt sie dynamisch und schickt sie dann zurück an den PC. Das gleiche Prinzip wird bei E-Mails und der Internettelefonie verwendet. (vgl. Braun 2010, S. 205).

Neben dem reinen Aufrufen von Webseiten, gibt es nun auch Webservices. Dies „ist eine Softwareanwendung, die über einen Uniform Resource Identifier eindeutig identifizierbar ist und deren Schnittstelle über die Web Service Description Language beschrieben werden kann.“ (Braun 2010, S. 205). Somit  können  Softwareagenten direkt über XML-Nachrichten (eXtensible Markup Language) kommunizieren, was den automatisierten Datenaustausch erleichtert. (vgl. Braun 2010, S. 205).

Neue Ansätze in der Netzwerkverknüpfung

Statt des Client-Server-Modells nahmen in den vergangenen Jahren auch Peer-to-Peer-Netze (P2P-Netze) zu. In einem P2P-Netz sind alle beteiligten Computer gleichberechtigt, sodass jeder Computer Empfänger und Sender für Daten werden kann. Häufig werden P2P-Netze „zur Verbreitung von Suchanfragen nach Objekten verwendet.“ (Braun 2010, S. 206). Das heißt, dass beispielsweise Musikdateien häufig über solche Netzwerke ausgetauscht werden.

Sicherheit

Da das Internet nicht primär für eine kommerzielle Nutzung entwickelt wurde, wurde Sicherheit erst ein großes Thema als es für alle geöffnet wurde. (vgl. Braun 2010, S. 206).

Die Zukunft

Braun schreibt 2010, dass vor allem drahtlos kommunizierende Endsysteme wie Kleinstcomputer und Sensoren über Funk ihre Datenpakete austauschen werden. Dabei werden die Datenpakete über mehrere drahtlose Zwischen knoten transportiert. (vgl. Braun 2010, S.206f.)

Literaturverzeichnis

Braun, Torsten (2010): Geschichte und Entwicklung des Internets. In: Informatik Spektrum 33 (2), S. 201–207. DOI: 10.1007/s00287-010-0423-9 .

Hellige, Hans Dieter: Die Geschichte des Internet als LernprozessGI-Edition. stark erweiterte Neubearbietung von artec-paper 107, Nov.2003. artec – paper Nr. 138 2006. Online verfügbar unter https://www.researchgate.net/profile/Hans_Hellige/publication/37931469_Die_Geschichte_des_Internet_als_Lernprozess/links/552244d00cf2a2d9e14528b5.pdf, zuletzt geprüft am 17.03.2016.

Kirpal, Alfred; Vogel, Andreas (2006): Neue Medien in einer vernetzten Gesellschaft. Zur Geschichte des Internets und des World Wide Web. In: N.T.M. 14 (3), S. 137–147. DOI: 10.1007/s00048-006-0239-5 .


Das Internet – Wer hat’s erfunden?

Gebloggt am: 18.07.2016 von Corinna

Es gibt Technologien, wie das Fernsehen, das Handy oder das Internet, welche man einfach nur benutzt. Aber wie funktioniert beispielsweise das Internet? Wie hat es sich entwickelt und wie wird sich das ganze vielleicht noch entwickeln?

Die Anfänge

Die Advanced Research Projects Agency  – das ARPA-Netzwerk

In den 1950ern arbeitete das amerikanische Militär bereits mit einem netzwerk zur Erfassung und Auswertung von Daten der Luftraumüberwachung, dem sogenannten SAGE-Net (Semi-Automatic -Ground Environment Network). Dieses Netzwerk verband bereits mehrere geographisch verteilte Computer, basierte jedoch im Gegensatz zum späteren Internet noch auf dem Time-Sharing-Konzept, “das es mehreren Nutzer gleichzeitig ermöglichte, auf einen Großrechner zuzugreifen und mit ihm zu arbeiten.” (Kirpal/Vogel 2006, S. 138).

1958 wird die Advanced Research Projects Agency in den USA gegründet vom Verteidigungsministerium. Ziel dieser Einrichtung war es die „angewandte Forschung im akademischen und universitären Einrichtungen besser zu koordinieren“ (Braun 2010, S.201).

Zur damaligen Zeit gab es nur einige Großrechner. Die erste Idee war es, dass mehrere Anwender gleichzeitig an einem Computer arbeiten können. Das „Time-Sharing“ (Braun 2010, S.201) bedeutet, dass „[d]ie Rechenzeit eines Computers (…) so aufgeteilt [wird], dass jeder Prozess oder jeder Benutzer den Eindruck gewinnt, dass das entsprechende Programm Fortschritte erzielt.“ (Braun 2010, S.201).

Der ARPA-Mitarbeiter Bob Taylor hatte 1966 die Idee, die geographisch verteilten Großrechner zu einem Netzwerk zu verbinden. So hätte man ohne teure Investitionen die Rechnerleistung erhöht. Dies scheiterte jedoch daran, dass die Anzahl der erforderlichen Leitung „proportional zuN2 ,mit N=Anzahl der zu verbindenden Computer.“ (Braun 2010, S.201) ist.

Um dieses Kapazitätsproblem zu lösen, schlug Wesley Clark 1967 vor, ein Netz von „Interface message Processors (IMP)“ (Braun 2010, S. 201) zu bilden. Das Gerät des IMP sollte die Kommunikation zu anderen Computern über weitere IMPs erledigen. (vgl. Braun 2010, S.201). Zu diesem Zeitpunkt wusste man jedoch noch nicht, wie diese Kommunikationstechnologie aussehen sollte. (vgl. Braun 2010, S.201). Diese Interface Message Processors entlasteten also das Endgerät, sodass sich der Endcomputer (Client) nicht auch noch um den Netzbetrieb kümmern muss. Der Client-Computer musste sozusagen nur zur Kommunikation mit einem IMP eingerichtet werden, konnte aber über den IMP mit anders programmierten Rechnern kommunizieren. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 139f.)

Zur gleichen Zeit/Ebenfalls in den 1960ern überlegte sich Paul Baran wie die Kommunikation des Militärs sichergestellt werden konnte im Falle eines atomaren Angriffs. Da die Fernmeldetechnik bis dato auf hierarchischen, zentralistischen Strukturen beruhte, bedeutete der Ausfall eines Kommunikationsknotens einen Abbruch der Nachrichtenübermittlung (vgl. Braun 2010, S.202). Daher konzipierte er ein Netz von gleichberechtigten Knoten („Maschennetz“ (Kirpal/Vogel 2006, S. 139), sodass eine Nachricht beim Ausfall eines Knotens noch weitere Möglichkeiten hatte um an den Empfängerknoten weitergeleitet zu werden. (vgl. Braun 2010). Für die Umsetzung seiner Idee kontaktierte er die amerikanische Telefonfirma AT&T, der das Konzept nicht gefiel.

Ein Grund hierfür ist, dass „Traditionelle Telefonnetze sind im Gegensatz zu Datennetzen verbindungsorientiert und streng hierarchisch aufgebaut [sind]“ (Braun 2010, S.202). Das bedeutet auch, dass bei der Datenübermittlung die Leitung komplett belegt wird für eine Verbindung. (vgl. Braun 2010, S.202) Das heißt, selbst wenn beispielsweise zwei Leute am Telefon schweigen und somit keine Daten in dem Sinn übertragen werden ist die Leitung blockiert, da sie für diese Kommunikation belegt ist. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 139). Für die Kommunikation zwischen den Computern hätte dies zwei Nachteile: Zum einen werden die vorhandenen Leitungen nicht optimal ausgenutzt, zum anderen muss eine Verbindung auf bzw. abgebaut werden, um die „nicht genutzte“ Leitung freizugeben für andere Daten, was zeitlich sehr ineffizient ist. (vgl. Braun 2010, S. 202)

Die Paketübermittlung zwischen Netzwerkknoten

Donald Davis, damals am National Physical Laboratory (NPL) tätig, entwickelte parallel zu Barans dezentralem Netz das Konzept der Paketvermittlung. Die Idee ist sämtliche Verbindungen zwischen den Netzknoten für die jeweiligen Daten aufzuteilen, sodass bei „Nichtbelegung“ einer Verbindung die Daten über diese Leitung gesendet werden können. Zudem werden die Daten in kleine „Datenpakete“ aufgeteilt, die unabhängig voneinander über das Netz zum Empfängerknoten geschickt werden, wo die einzelnen Datenpakete wieder zur ursprünglichen Nachricht zusammengesetzt werden. (vgl. Braun 2010, S. 202).

1968 initiierte Larry Roberts die Umsetzung der Ideen durch eine Verbindung von vier Universitätsgroßrechnern. Die technische Umsetzung inklusive der Softwareprogrammierung für die IMP-Struktur übernahm das Unternehmen BBN. (vgl. Braun 2010, S.202f.) Dabei mussten die Nutzer des Netzwerks jedoch ihren eigenen Rechner selbst so programmieren, dass der eigene Rechner mit dem IMP kommunizieren konnte. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 140). Die Datenübertragung erfolgte zu diesem Zeitpunkt noch über die Telefonleitungen.

Dennoch musste 1969 auch noch ein Programm bzw. Protokoll entwickelt werden, dass die Kommunikation zwischen den IMP und den Endgeräten ermöglichte. Dieses Protokoll wurde von der Entwicklergruppe um Vint Cerf als „request for comments“ (RFC) –Spezifikation benannt. (vgl. Braun 2010, S. 203.)

Zudem entwickelte diese Arbeitsgruppe verschiedene Anwendungen wie 1971 die erste E-Mail-Software sowie die Telnet-Spezifikation, die „zum entfernten Einloggen in andere Rechner“ (Braun 2010, S. 203) dient. Da zwar über dieses Telnet-Protokoll Verbindungen zu anderen Computern möglich waren, der Austausch von größeren Datenmengen jedoch nicht, wurde 1972 das File Transfer Protocol (FTP) entwickelt. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S.141). Ebenso musste in den 1970ern der Programmiercode angepasst werden, sodass mehr als tatsächlich mehrere IMPs miteinander kommunizieren konnten. (vgl. Hellige 2006, S. 22).

1973 wurde mit „Talk“ eine Art Präform des Chats umgesetzt. Später gab es auch Usenet News, „ein Dienst, um Nachrichten in ein Forum zu stellen und diese zu diskutieren.“ (Braun 2010, S. 203).

Die Universität Hawaii entwickelte in den 1970ern das „Aloha-Verfahren“ für lokale Funktnetze. Beim Aloha-Verfahren sendet ein Netzwerkknoten einfach ein Datenpaket und hofft, dass es beim Empfänger ankommt, was jedoch zu Kollisionen führen kann, wenn zwei oder mehr Rechner gleichzeitig senden. (vgl. Braun 2010, S. 203). Das Ethernet verbesserte dieses Verfahren, indem der Netzwerkknoten vor dem Senden des Datenpakets abhört, ob andere Knoten senden und solange die eigene Übertragung zurückstellt. (vgl. Braun 2010, S.203).

Diese Ideen ließ die Entwicklergruppe um Vint Cerf auch bei der Konzipierung des Kommunikationsprotokolls Network Control Protocol einfließen, was später das TCP (Transport Control Protocol) wurde. Dabei „regelt [das TCP] den zuverlässigen Datentransport zwischen Computern über unzuverlässige Netze.“ (Braun 2010, S.203).

Denn das Problem war, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere unabhängige Netze gab, die man verbinden wollte. Aufgrund unterschiedlicher Standards zwischen den Netzwerken (bezüglich Datenpakten, Übertragungsgeschwindigkeit…) war es nicht möglich sie einfach auf Grundlage der ARPANET-Standards zu verbinden. Vielmehr entwickelten Vint Cerf und Rober Kahn die Idee von Gateway-Computern, die als Mittler zwischen den Netzwerken dienen sollten. Dabei sollten diese Gateway-Computer in jede Richtung als eine Art IMP arbeiten konnten und unter anderem die Größe der Datenpakete angepasst werden sollten. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 141f.).

Zunächst wurden Fehler bei der Übertragung im ARPANET durch benachbarte IMPs behoben. Im TCP wurde dies von den Endsystemen übernommen. 1977 wurde das TCP in TCP und IP (Internet Protocol) aufgeteilt. Hierbei ist das „IP (…) für das Weiterleiten von Paketen zwischen Quelle und Ziel verantwortlich. TCP sorgt für eine zuverlässige Kommunikation zwischen zwei am Internet angeschlossenen Computern.“ (Braun 2010, S. 204), da es die Daten vor dem Senden aufbereitet und etwaige Übertragungsfehler erkennt. (vgl. Kirpal/Vogel 2006, S. 142). Das IP ist für „das Routing zwischen den Netzwerkrechnern“ (Kirpal/Vogel 2006, S. 142) zuständig. 1983 löste das TCP/IP das Network Control Protocol komplett ab. Zwar gab es 1990 noch einen Versuch seitens der ISO ein vereinheitliches Protokoll zu entwerfen, letztlich setzte sich aber TCP/IP durch, da es bereits von den meisten genutzt wurde

Ab den 1980ern entstanden sowohl in den USA als auch in Europa viele solcher „Forschungsnetze“, welche die Universitäten miteinander verband und zumeist auf dem TCP/IP basierten.

Später wurden diese verschiedenen Einzelnetze zu einem großen Netz zusammengeschlossen. Zur Verbindung der Netze nutzte man Gateways (= Router), die die Rolle der IMP übernahmen. (vgl. Braun 2010, S. 204). Dabei sind mehrere solcher Einzelnetze regional häufig über ein Backbone-Netz miteinander verbunden. Solche Backbone-Netze werden meist von großen Internet Service Providern betrieben und sind untereinander wie international miteinander verbunden. (vgl. Braun 2010, S. 204).

Ab 1983 wurde im Internet das Domain Name System (DNS) eingeführt, dass der Verwaltung der Rechner- und Domänennamen diente. (vgl. Braun 2010, S. 205).

Die Vorformen des Internet waren also primär zur Vernetzung der Wissenschaftler und allenfalls noch im militärisch-staatlichen Bereich angedacht und umgesetzt. Entgegen der gezielten “Legendenbildung” einzelner Personen, die am Entstehungsprozess des Internet beteiligt waren, waren es jedoch nicht nur einzelne Genies aus den USA, die gezielt das Internet entworfen haben und zu dem gemacht haben, was es heute ist. Vielmehr waren es zu Beginn das mangelnde Geld um mehr teure Hardware zu kaufen, die das Time-Sharing-Konzept hervorbracht und später aufgrund von Effizienzüberlegungen zur Paketübermittlung von Daten führte. Zudem waren es die Ideen mehrerer Personen, welche die Internetentwicklung vorantrieben.

Literaturverzeichnis

Braun, Torsten (2010): Geschichte und Entwicklung des Internets. In: Informatik Spektrum 33 (2), S. 201–207. DOI: 10.1007/s00287-010-0423-9 .

Hellige, Hans Dieter: Die Geschichte des Internet als LernprozessGI-Edition. stark erweiterte Neubearbietung von artec-paper 107, Nov.2003. artec – paper Nr. 138 2006. Online verfügbar unter https://www.researchgate.net/profile/Hans_Hellige/publication/37931469_Die_Geschichte_des_Internet_als_Lernprozess/links/552244d00cf2a2d9e14528b5.pdf, zuletzt geprüft am 17.03.2016.

Kirpal, Alfred; Vogel, Andreas (2006): Neue Medien in einer vernetzten Gesellschaft. Zur Geschichte des Internets und des World Wide Web. In: N.T.M. 14 (3), S. 137–147. DOI: 10.1007/s00048-006-0239-5 .


“The Lobster” – absurdes Lieben in Perfektion

Gebloggt am: 12.07.2016 von Corinna

Yorgos Lanthimos neuer Film “The Lobster” ist verstörend wie faszinierend zugleich. Wer einen Film über Liebe sehen möchte, der nicht den klassischen Hollywooderzählstrang folgt, ist hier genau richtig.

Der Film “The Lobster” (Der Hummer) startet unvermittelt damit, dass eine Frau aus einem Auto steigt und einen von zwei grasenden Eseln erschießt und anschließend weiterfährt. Es gibt hierfür keine weitere Erklärung später im Film, gibt dem Zuschauer jedoch bereits einen Vorgeschmack auf die Grundstimmung des Films. (Wer den Film sehen möchte, sollte hier zu lesen aufhören.)

David (Colin Farrell) kommt in einem Hotel an, in dem Singles untereinander vermittelt werden. Jeder neuankommender Single hat 45 Tage Zeit einen Partner zu finden unter den anderen Hotelgästen. Damit jeder die gleichen Chancen hat, gibt es für jedes Geschlecht auch die gleiche Kleidung, vier Alltagsroben und eine Galaversion. Die Spielregeln sind klar: Schafft man es nicht innerhalb dieser 45 Tage einen Partner zu finden, wird man in ein Tier seiner Wahl verwandelt. Indem man jedoch “Loners” auf der Jagd erlegt, kann man diesen Tag hinausschieben. Die “Loners”, oder Alleingänger, sind diejenigen, die aus dem System ausgebrochen sind und bewusst allein leben wollen. Dafür müssen sie in Kauf nehmen, nur in den Wäldern eine Heimat zu haben und von den “normalen” Menschen im Hotel gejagt und verachtet zu werden.

Im Hotel werden Verstöße gegen die Spielregeln bzw. Moral geahndet: wer im Singlebereich wohnt, hat kein Recht auf Selbstbefriedigung oder Sex mit einem weiteren Single. Erst wenn man sich offiziell einen Partner ausgesucht hat und in den Paarbereich umziehen darf, hat man ein Recht darauf. Bis dahin erhalten die Singles Schießunterricht, um besser auf den Jagden zu sein und werden instruiert, wieso ein Single – Dasein nur negativ sein kein. Schafft man es und findet einen Partner der zu einem passt, was auf einer simplen Ähnlichkeit wie häufigen Nasenbluten beruhen kann, hat man weitere zwei Wochen Probezeit im Paarbereich. Dann kann man endlich in die Stadt zurück, wo jedoch auch peinlich genau öffentlich geprüft wird, ob man einen Partner hat mittels eines Zertifikats.

Als Zuschauer braucht man erst eine Weile bis man versteht, in welcher Welt man sich bewegt. Irritierend sind zum einen die kalten, blassen Farben, in denen der Film gefilmt ist und zum zweiten die Musik, die durch die Dissonanzen harmlose Szenen unangenehm machen. David fügt sich seinem Schicksal und versucht jemanden ähnlichen zu finden. Nachdem es relativ erfolglos ist, verlegt er sich auf das Taktieren, wie ein Freund von ihm. Dieser gibt vor auch häufig Nasenbluten zu haben, wie eine der jungen Frauen, um als Mensch zu überleben. David gibt vor keine Gefühle zu haben, genauso wie eine der Singlefrauen. Als diese jedoch im Paarbereich merkt, dass es sich um eine Lüge seitens David handelt, will sie ihn direkt zur Hotelmanagerin bringen. Mithilfe eines Zimmermädchens schafft er es sie jedoch in den Transformationsraum zu bringen, in dem sie in ein Tier verwandelt wird. David flieht in die Wälder und wird ein “Loner”.

Dort verliebt er sich in die Kurzsichtige (Rachel Weisz). Doch auch hier ist es strikt verboten jemanden anderen zu zu küssen oder zu lieben und wird vom Anführer der Gruppe (Lea Seydoux) mit Strafen geahndet. Dennoch beginnen David und die Kurzsichtige einen Code zu entwickeln, mit dem sie sich durch Gesten verabreden können zum Sex. Sporadisch machen die Anführerin mit einem Mann, sowie David und die Kurzsichtige einen Ausflug in die Stadt, wo sie die Eltern der Anführerin besuchen. Hier wird der Anführerin auch klar, dass sich David und die Kurzsichtige lieben. Daher macht sie dem ganzen auch Ende, in dem sie die Kurzsichtige unter dem Vorwand die Augen für besseres Sehen lasern zu lassen, blenden lässt. Dies geschieht kurz bevor die beiden aus den Wäldern in die Stadt fliehen wollen.

Doch das bringt die beiden nicht von ihrem Plan ab. Nach einigen Wochen fliehen sie in die Stadt. Da zuvor ihre Gemeinsamkeit in der Kurzsichtigkeit bestand, scheint David entschlossen, sich nun auch zu blenden, sodass sie beide blind sind. Da alle in dem Film sehr unterkühlt und ohne Emotion, fast puppenartig wirken, gibt diese Annäherung zwischen David und der Kurzsichtigen Hoffnung. Dennoch bleibt David mit seiner eigenen Blendung in der gleichen Logik der Hotelgäste: eine simple Gemeinsamkeit bildet die Basis für eine Beziehung.  Der scheinbare Ausbruch aus dem System, da sie obwohl sie Loner sind Gefühle für einen anderen Menschen hegen, bleibt unvollendet.

Am Ende bleibt man ratlos zurück: die einzelnen Versatzstücke ergeben kein kohärentes Gesamtbild. Einziger roter Faden:Das Verständnis von Beziehung ist absolut pervertiert und absurd. Man könnte den Film als Kritik an unserer Gesellschaft sehen, die nach wie vor das Leben in einer Partnerschaft als das erstrebenswerte hochhält. Auch wenn vielleicht an der Modernität des Konzepts der “Ehe” zweifeln mag, so ist doch die Mehrheit der Menschen auf der Suche nach einem Partner. Hotelzimmer werden günstiger als Doppelzimmer und in Restaurants sitzt man auch selten gerne allein. Nur Exzentriker und Mönche sind heute noch tatsächlich anerkannte Singles für immer. Dabei braucht es ja nach Lanthimos gar nicht viel für eine scheinbar funktionierende Partnerschaft: eine oberflächliche Gemeinsamkeit wie häufiges Nasenbluten reicht schon vollkommen aus, dass man in die Familienidylle eintreten kann. Klappt es nicht mehr so gut, erhält man ein Kind (im Film wie in der Realität), dass dann die Probleme verlagert und die Partnerschaft andauern lässt. Tiefergehende Liebe als Akzeptanz des Partners als Ganzes oder der bewussten Entscheidung scheint es nicht mehr zu geben. Man muss, nachdem eine Partnerschaft endet,  schnellst möglich wieder einen neuen Partner finden.

Wer also bereit ist, sich auf zwei Stunden Absurdität einzulassen, wird nicht enttäuscht mit diesem Film.


Offenheit

Gebloggt am: 29.05.2016 von Lisseuse

In der SZ steht ein Artikel zur historischen Entwicklung des Islam: “Eine Reformation im Islam ist sinnlos”. Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, für alle, die sich für Ideen-Geschichte interessieren. Mir selbst ist aber vor allem folgende Aussage aufgefallen: Vor dem Kolonialismus sei es im Islam nicht nötig gewesen eine der Aufklärung vergleichbare Entwicklung zu haben. Stattdessen hätte es eine Verbindung von Religion und Philosophie gegeben, die zu toleranten, vielfältigen Gesellschaft geführt hätten. Viele unterschiedliche Strömungen hätten darin gleichzeitig Platz gehabt. 

Ich bin ja ein großer Fan davon immer neues positives von anderen dazu zu lernen. Und deshalb bin ich an diesem Artikel hängen geblieben: Manchmal habe ich nämlich den Eindruck, dass Toleranz und Akzeptanz von unterschiedlichen Ideen und Lebensentwürfen unserer westlichen Gesellschaft als selbstverständliches Element immer noch fehlt. Und nicht nur das: Unsere Gesellschaft wird immer und immer komplexer und die gewohnten Mechanismen zur Verringerung dieser Komplexität (hallo Luhmann!) scheinen mir nicht mehr zu funktionieren. Selbst wirklich intelligente Menschen scheitern in ihren Gesprächen regelmäßig daran, die Welt wenigstens ein bisschen zu erklären.

Mehr als je zuvor ist immer auch das Gegenteil wahr, kann man kaum noch etwas richtig machen. Ein paar überspitzte Beispiele: Ich kann aufhören Fleisch aus Massentierhaltung zu essen und auf Soja umsteigen, mache dann aber den Regenwald kaputt. Ich kann (fast) keine Kleidung kaufen, die nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurde. Von den Problemen, die die Herstellung Smartphones mit sich bringt, nicht erst anzufangen. Atomstrom ist doof, aber auch Windkraftanlagen sind ökologisch nicht unbedingt einwandfrei: sie sind schlecht für viele Vogelarten, bringen Fledermäuse um und bestehen aus schwer abbaubarem Sondermüll.

Kaum versucht mal also ein Problem zu lösen, steht man vor dem nächsten. Manchmal wundert es mich nicht, dass die Parteien und Gruppen, die einfache Lösungen versprechen, so viel Zulauf haben, wenn doch eigentlich alle überfordert sind.

Ich glaube, dass wir versuchen müssen mehr Offenheit in unsere Köpfe zu bringen. Angst aus Überforderung ist gefährlich – da muss man sich nur mal selbst beobachten. Und vielleicht ist es ein Weg, dass wir uns ansehen, dass Toleranz nicht gefährlich ist. Dass es möglich ist, dass verschiedene Wahrheiten gleichzeitig nebeneinander existieren können ohne dass Gesellschaften deshalb schlechter sind.

Ein weiteres gutes Beispiel dafür scheint mir übrigens der Artikel “Frauenherrschaft?” zu sein. Darin wird gezeigt, dass matriarchale Gesellschaften eben nicht Männer-unterdrückend sind, sondern einfach nur andere Organisationsstrukturen haben, als westliche Gesellschaften. Diese führen zu größerer Freiheit aller. (Ausgehend von diesem Artikel glaube ich ja, dass “Matriarchat” der falsche Begriff für solche Gesellschaften ist, weil er völlig falsche Assoziationen weckt.)


Arteducate – Hat er’s gemalt?

Gebloggt am: 17.03.2016 von Corinna

Zum Zeitvertreib bietet das Internet ein mannigfaches Angebot. Ein neues Spiel für Kunstliebhaber und Kunstinteressierte bietet Arteducate. Nach einer unkomplizierten Anmeldung (entweder als Neuregistrierung oder über Google/Twitter/Facebookaccount) kann man loslegen. Man kommt zunächst wieder auf die Startseite und muss dann oben rechts auf “Attribution” klicken.

Aus einer alphabetischen Liste Maler verschiedenster Epochen wählt man einen Künstler aus. Anschließend sieht der Spieler ein Bild und muss nur durch ein einfaches Klicken auf ein “Daumen-hoch”-Symbol bzw. “Daumen herunter”-Symbol entscheiden, ob das Bild vom ausgewählten Maler stammt oder nicht. Nach einer Reihe von bewerteten Bildern zeigt ein Prozentsatz an, wie viele Bilder man richtig zugeordnet hat. Zudem wird in einem Kreisdiagramm angezeigt, welche Bilder man richtig zugeordnet hat bzw. welche falsch.

Zum Zeitvertreib ist es gut geeignet, noch dazu hilft es der Forschung am Kunstinstitut der LMU, wie vergleichendes Sehen tatsächlich funktioniert. Da sich das Spiel erst noch in der Alpha-Phase befindet, gibt es selbstverständlich noch manches zu verbessern. So könnte man nach dem Einloggen sofort auf die Spielseite weitergeleitet werden ohne erst nach dem Feld “Attribution” suchen zu müssen. Leider werden auch nicht jeweils die Bilder mit Urhebernamen angezeigt, sondern nur die Namen der Künstler der vorher gezeigten Bilder. So lässt sich das Spiel sozusagen nur sinnvoll in eine Richtung spielen – “ich kenne diesen Künstler und kann Bilder zuordnen” und ein “ich kenne diesen Künstler noch nicht, möchte aber ihn kennenlernen über dieses Spiel” ist leider nicht möglich.

Wem dieses Spiel zu langweilig ist, dem sei nach wie vor ARTigo empfohlen, bei dem es mittlerweile auch noch mehr Varianten als in der Anfangsphase gibt.


Театр: ein Theaterbesuch in Russland

Gebloggt am: 26.01.2016 von Corinna

Marinski Theater

 

In St. Petersburg gibt es rund 200 Bühnen, wobei das bekannteste Theater das Marinski-Theater ist. Hier gibt es neben Opern vor allem auch Ballettaufführungen. Viele der Opern und Theater in St. Petersburg befinden sich in ähnlich herrschaftlich ausgestatteten Räumen wie das alte Marinskitheater. Breite Treppenaufgänge, verschnörkelte Stuckverzierungen und große Leuchter, deren Kristall glitzert.

Kein Wunder, dass man bei all dieser Pracht mit Jeans fehl am Platz wäre. Es kann hoher Schnee liegen, die Temperaturen bei -20 Grad liegen – im Theater wird man immer auf gut gekleidete Menschen treffen. Die Männer meist im Anzug oder zumindest Hemd. Die Damen (gefühlt) viel häufiger als in Deutschland in Röcken oder Kleidern, mit passender Frisur, kleiner Handtasche und schönen Schuhen. Mitunter werden dann an der Garderobe auch die Straßenschuhe gegen die schönen Schuhe, die zum Kleid passen,  gewechselt. театр музыкальной комедии (1)

An der Garderobe kann man sich dann auch kleine Ferngläser gegen eine Gebühr leihen, sodass man von der Aufführung auch in den hintersten Rängen die tollen Kostüme anschauen kann.

In der Pause kann man dann ins “кафе” [kafe] gehen und sich Lachsschnittchen oder Kanapees mit rotem Kaviar kaufen. Meist gibt es schwarzen und grünen Tee, Kaffee, Wein, Wasser und manchmal auch kleine Gebäckteilchen.

Das Theaterpublikum ist vielfältig: alle Alterklassen sind anzutreffen. Im Nussknacker beispielsweise die Mütter mit ihren kleinen Töchtern, die gerade mit Ballet begonnen haben; Junge Paare und Studenten genauso häufig wie Senioren. Im alten Marinskitheater selbstverständlich auch die Touristen, die den Theaterabend als unentbehrliches Erlebnis ihrer St. Petersburgreise gebucht haben.

Die Inszenierungen der Klassiker sind jedoch nicht immer im klassischen verhaftet. Selbstverständlich gibt es die konservativen, kostümlastigen Aufführungen, die die Ästhetik der Zuschauer befriedigt. Dennoch gibt es auch moderne Neuinterpretationen, sodass beispielsweise die “Brüder Karamasov” von Dostojevski schon mal als modernes Regietheater mit absoluter Reduktion an Figuren und Konzentration auf die großen Konflikte gezeigt werden.

Insgesamt scheint es mir, dass der Besuch des Theaters oder der Oper noch viel häufiger als in Deutschland in Russland eine legitime Option für die Abendgestaltung ist. Man spricht über die letzte Inszenierung. Und vielleicht mag das auch daran liegen, dass während der Sowjetunion das Theater eine Möglichkeit gab, indirekt die Politik zu kritisieren. Daher stellte man sich für genauso gern für eine Theaterkarte in die Schlange wie für Brot.


Бар и клуб: Ausgehen in Russland

Gebloggt am: 24.01.2016 von Corinna

Shisha

In Russland bekommt man den Eindruck, dass man in Deutschland nicht zu feiern weiß. In St. Petersburg gibt es unzählige Bars und Clubs für jeden Geschmack. Für Hipster gibt es hier beispielsweise Bars mit Backsteinoptik  und Craft Beer aus allen Ecken der Welt, für Jazzliebhaber gibt es gleich mehrere Adressen, an denen es täglich Livemusik gibt. Am frühen Abend geht man gerne erstmal eine Shisha rauchen. Eine Russin hat mir erzählt, dass sich dieser Trend erst herausgebildet hat, seitdem es ein Rauchverbot gibt in den Bars und Restaurants. Dennoch gibt es auch Clubs in denen geraucht wird im Nebenzimmer. Insgesamt rauchen in meiner Wahrnehmung deutlich mehr Leute als in Deutschland. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich auch der relativ niedrige Preis: im Supermarkt kann man 70 Rubel (umgerechnet ca. 1 Euro), in der Bar für 140 Rubel  eine Packung Zigaretten bekommen.

Überrascht war ich, dass man auch im Club seine Shisha bestellen kann an der Bar, selbst wenn enges Gedränge herrscht. Musikalisch gesehen wird  vor allem Techno, House und Charts in den Clubs gespielt. Für ordentlich Stimmung sorgen unter anderem Go-Go-Tänzerinnen. Wer den besonderen Kick sucht, kann sich mit Helium gefüllte Balloons kaufen und einatmen. Ist man in entsprechender Stimmung, kann man auch in eine der vielen Karaokebars gehen. Manche Bars bieten es jeden Abend an, manche nur an bestimmten Abenden. In der Regel gibt es einen Moderator, der versucht durch Getränkegutscheine, die nächsten Karaokesänger zu motivieren.

Die Clubs werden meist erst um Mitternacht richtig voll, gefeiert wird dann bis in den Morgen hinein. Insgesamt geht man schicker angezogen aus. Wer in zerrissenen Jeans (dem modernen used-look) ankommt oder nur Turnschuhe als junger Mann trägt, wird vom Türsteher schon mitunter nicht reingelassen. Frauen tragen meistens hohe Schuhe und Rock oder Kleid, dass dann auch ruhig gewagt kurz sein darf. Daneben gibt es aber auch Vertreter eines eher “skandinavischen Styles”, die hohe Plateauschuhe mit Skinny-Jeans und leicht weit geschnittenen Blusen kombinieren. Wer ordentlich feiern möchte, ist in Russland auf jeden Fall richtig.


поезд: warum man den Pass beim Zugfahren in Russland braucht

Gebloggt am: 24.01.2016 von Corinna

Grölende Fußballfans in Zügen sind für mich schwer vorstellbar in Russland. Denn Zug fahren gleicht hier fast dem Fliegen. Bereits wenn man sich ein Ticket kauft am Schalter muss man seinen Pass zeigen, denn die Zugfahrkarten werden namentlich ausgestellt wie Flugtickets. Natürlich kann man die Fahrkarten auch am Automaten kaufen, darf aber ungefähr 10 Minuten zum Eintippen aller Informationen einplanen. Denn es werden die kompletten Passdaten abgefragt: Name, Vorname, Geschlecht, Passnummer, Geburtsort, Geburtsdatum.

Während man in Deutschland auch noch kurz vor Abfahrt des Zuges ankommen kann, ist das in Russland risikoreich. Denn Verspätungen sind eher selten. Außerdem kann man nur an den Türen einsteigen, vor denen ein Schaffner steht, der jeweils einzeln die Tickets mit dem dem Originalpass vergleicht, was schon ein bisschen dauern kann. Und da die Züge pünktlich sind, sollte man selbst rechtzeitig da sein, um einsteigen zu können. Selbst in den Regionalzügen, die in etwa vergleichbar mit deutschen REs sind, gibt es einen zugewiesenen Platz. Im Zug werden dann ein weiteres Mal die Tickets kontrolliert und entwertet vom Schaffner. Diese RE-Züge, mit denen ich gereist bin, waren alle sehr neu und sauber. Einziger Nachteil – für 5 Waggons gibt es nur zwei Toiletten, sodass man sich schon frühzeitig überlegen muss, ob man diese aufsuchen will oder nicht.

russischer Zug

Russlands Fläche beträgt rund 17.100.000 Quadratkilometer. Da ist der Zug auch eines der günstigeren Verkehrsmittel zum Reisen. Fast alle großen Städte sind über die Schienen verbunden. Und so kann man mit dem Zug bzw. Nachtzug Russland entdecken. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Russland für Züge mit Schlafwagen noch drei Klassen: die Luxusklasse, in dem nur zwei Betten in einem Abteil sind, die Klasse “Coupé”, die dem deutschen 4-Betten-Liegeabteil entspricht und die Klasse “Platzkartny”, in der es im Wagon nur die Liegen ohne Abteile  gibt. Die Nachtzüge sind dann schon mal älteren Datums. Grundsätzlich empfiehlt sich das Reisen mit einem kleinem Koffer bzw. einen Sporttasche, die man leicht durch alle engen Gänge bringt bzw. im Abteil ohne Probleme unterbekommt, denn sonst blockiert man schnell die übrigen Mitreisenden.

Der kleine Koffer ist auch von Vorteil beim Aussteigen am Bahnhof – denn im Gegensatz zu Deutschland gibt es äußerst selten an den Bahnsteigen Aufzüge, sodass unzählige Treppen zu bewältigen sind. Dafür ist es mir in Russland schon häufiger passiert, dass mir Männer meinen Koffer die Treppen runtergetragen haben. Seit dem Anschlag in Paris im November, muss man auch bereits eine Kofferkontrolle bzw. einen Metalldetektor durchlaufen, wenn man in das Bahnhofsgebäude möchte, sodass auch hier nicht jeder “frei” hereinkommt.


Зима: Winter in Russland

Gebloggt am: 22.01.2016 von Corinna

Winter in Russland

In Russland ist noch “richtig” Winter. Trotz Klimaerwärmung und Verschiebung des Schwerpunkts des Winters von November/Dezember zu Januar/Februar, kann jeder, dem die weiße Pracht fehlt in Russland den Winter erleben. Da Russland aufgrund seiner großen kontintentalen Erstreckung lange Winter hat, ist der Umgang mit dem Winter und seinen Unanehmlichkeiten ein ganz anderer als in Deutschland. Das betrifft zum einen den Umgang mit Schnee und zum anderen wie die Russen mit Kälte umgehen.

In Deutschland mag man sich noch überheblich lustig machen, wenn beispielsweise Frankreich oder Großbritannien nach dem ersten Schneefall das Chaos auf den Straßen, Flughäfen und Bahnstrecken ausbricht, während man in Deutschland bereits bei Ankündigung von Schneefall die Schneeräumer-Truppen alarmiert. Aber in Russland habe ich schon einfallsreicheres Gerät gesehen, um den Schnee von den Straßen und Gehwegen weg zu bekommen. Hier ein paar Beispiele:

Schneeräumer

Selbstverständlich gibt es für den groben Schnee den Schneeräumer, um den Schnee von der Straße zu schaffen. Aber dann ist der Schnee zwar weg von der Straße, würde sich aber immer mehr auftürmen, wenn es in den kommenden Wochen und Tagen weiterschneit. Daher gibt es in St. Petersburg diese Lösung:

Schneeschaufler

Nachdem der Schnee vom Schneeräumer zur Seite geräumt wurde und somit auch lockerer gemacht wurde, wird es mit diesem Gerät auf einen dahinter fahrenden Lastwagen geschaufelt und dann anschließend aus dem Stadtzentrum weggebracht.

Leider gibt es natürlich trotz aller Bemühungen rechtzeitig den Schnee wegzuräumen, das Phänomen, dass der Schnee langsam festgefahren bzw. festgetreten wird und dann nicht mehr so leicht von einem Schneeräumer entfernt werden kann. Daher gibt es noch dieses Gerät, um insbesondere Gehsteige vom Schnee zu befreien:

Schneewalze

Es ist eine Walze, an der eine riesige Plastikbürste angebracht ist, die den festgetretenen Schnee leicht vom Boden wegschrubbt. Damit es nicht glatt wird, wird meistens Salz gestreut. Dennoch ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn der leicht festgetretene Schnee auf dem Gehsteig liegen bleibt. Denn oftmals befinden sich darunter sehr glatte Steine, auf denen man mehr umherrutscht als über den Schnee zu laufen, der einen gewissen Halt gibt.

Schnee vom Dach schaufeln

Nachdem es viel geschneit hat, sind oftmals Gehsteige gesperrt. Den Grund sieht man, wenn man nach oben blickt:
Der viele Schnee würde irgendwann zu schwer werden und muss vom Dach heruntergeschaufelt werden.

Winterzeit ist in Russland Pelzzeit. In den Städten habe ich bisher viel häufiger Pelzgeschäfte gesehen und ein Pelzbesatz, eine modische Pelzmütze oder natürlich der klassische Nerzmantel sind im Winter der normale Anblick auf den Straßen.

Männer tragen zwar weniger Jacken, bei denen man den Pelz außen sieht, aber wer genau hinschaut sieht oftmals Männer mit Lammfelljacken, deren Pelz sich innen befindet. Daneben gibt es natürlich noch die klassische Pelzmütze mit den hochgeklappten Ohrklappen, die man(n) trägt und quasi nie herunterklappt. Auch die Polizei und das Militär haben diese klassischen Mütze – bisher habe ich jedoch noch nie einen Uniformierten mit heruntergeklappten Ohrenklappen gesehen.

Bei den Frauen überwiegt der dunkelbraune Nerzmantel. Interessant ist hier, dass es oft Mäntel mit 3/4 langen Ärmeln gibt, die man dann mit langen Lederhandschuhen trägt. An verschiedenen Schnitten mangelt es nicht. Mal nur hüftlang, mal knielang oder bis zu den Waden, als Nerz, als Lammfellmantel, als Luchsfell oder Fuchsfell – Pelzmäntel und  – jacken werden von allen Generationen getragen: auch junge Frauen tragen ihren Pelz. Und wer in ein Pelzgeschäft geht, findet auch meistens die Option, den Pelz auf Raten zu kaufen.

Wenn es kein ganzer Pelz ist, so gibt es Pelzmützen in allen Formen und Varianten: sei es eine Norwegermütze, die jedoch aus Fell besteht, eine halbrunde Topfform, die Fliegermütze mit den Ohrenklappen oder eine halbrunde Lederform, von Pelz umrahmt, mit Bommel oder angedeuteten Katzenohren – alles ist denkbar und wird auch getragen. Außerdem sieht man viel häufiger pelzbesetzte Kapuzen oder einen Art Pelzschal, der um die Schultern gelegt ist und an die an den früher in Deutschland getragenen Fuchspelz erinnert.

Oft kombinieren die Damen statt einer Mütze auch ein Schal mit typischen russischen Blumenmustern, den sie wie ein Kopftuch tragen oder einen dicken Schlauchschal, sodass die Ohren gut geschützt sind. Bei -15 Grad Celsius sieht man dann auch häufiger Menschen mit einer Art Ski-Kleidung auf den Straßen. Häufig passt die Jacke farblich gut mit der Skihose zusammen und hält dann selbstverständlich auch warm. Kinder sind natürlich meistens gut warm angezogen in Skihosen oder Skianzügen. Dennoch hält die Kälte die Menschen hier nicht davon ab, gut gekleidet ins Theater zu gehen. Wie bereits erwähnt, sind Wechselschuhe und elegante Kleidung hier nach wie vor Plicht – auch bei  starken Minusgraden.

Pelz in Russland

Nur wenn man sich die Häuser anschaut, will man lieber nicht drin wohnen. Da es an Geld mangelt, sieht man oft Holzfenster mit nur einem einfachen Glas. Zur Dämmung sind zwei solcher Fenster hintereinander montiert, dennoch sieht man, dass es durch die Ritzen wohl viel einfacher die Kälte dringt. Moderne Fenster mit wärmedämmenden Glas gibt es zwar auch, aber häufiger wohl diese Art von Holzfenster:

Holzfenster (1)


Столовая: Fast Food auf Russisch

Gebloggt am: 20.01.2016 von Corinna

Das Wort “Столовая” [Stolowaja] heißt erst mal nichts anderes als “Esszimmer”. Im heutigen Russland sind diese Stolowajas so etwas wie kantinenartige Restaurants. Sie bieten teilweise rund um die Uhr Essen an. Wie in einer Kantine, nimmt man sich am Beginn sein Tablett und kann sich dann sein Menü zusammenstellen. Doch neben den Stolowoajas gibt es noch eine Variante russischen Fast-Foods: Blini in allen Varianten.

russische Speisekarte mit Gramm-Angaben In St. Petersburg gibt es verschiedene Anbieter solcher Stolowajas. Allen gemein ist jedoch, dass sie für relativ wenig Geld russische Hausmannskost anbieten. Wenn man zur Mittagszeit eintritt, herrscht meist Hochbetrieb. Wer sich noch nicht auskennt oder sich nicht entscheiden kann, wird von der Schlange einfach weitergeschoben.

Zu Beginn kann man sich Graubrot oder Weißbrot nehmen, die typische Beilage zu den verschiedenen Salaten, die als erstes angeboten werden. Die Salate hier sind jedoch nicht aus grünen Salat. Vielmehr gibt es meist eine Variante des “Salat Olivier”: das sind kleingeschnittene, gedämpfte Karotten, gekochte Eier, Erbsen, Schinkenstückchen in einer Art Mayonnaise-Sauce. Meist gibt es auch einen Salat aus roten Beten mit Zwiebeln, oder geraspeltes Weißkraut mit geraspelten Karotten. Eine weitere Variante ist Fisch mit verschiedenen Gemüsen, ebenfalls in einer Mayonnaise-Sauce. Oberhalb der Salatauslage stehen verschiedenst gefüllte Semmeln. Beispielsweise eine Art Wienerl im Teigmantel oder eine Semmel mit Kraut gefüllt. Es gibt auch süße Varianten, die mit Marmelade, Quark oder Nüssen gefüllt sind. Außerdem gibt es in den gut sortierten Stolowajas Süßigkeiten, die ein bisschen an türkisches Baklava erinnern.

Wer etwas möchte, muss das dem Angestellten hinter der Theke sagen und bekommt das gewünschte dann durchgereicht. Teilweise wird es auch genau abgewogen. Das ist nicht verwunderlich, da es selbst in den normalen Restaurants üblich ist, dass angegeben wird, wieviel Gramm man bekommt. Zum Beispiel ein Steak 300g mit 150g Kartoffeln als Beilage und 20ml Sauce.

Dann kommt man zu den Suppen: je nach Größe des Stolowajas gibt es meist zwischen zwei und vier verschiedene Suppen, die angeboten werden. Darunter sind meist Klassiker wie Borsch (eine Rote-Bete-Suppe), Schtschi (eine Kohlsuppe), Erbenssuppe in Stückchen und Soljanka. Anschließend geht es weiter zu den Hauptgerichten. Es gibt meist Pilaw, ein Reisgericht mit Fleischstückchen und Karotten, Frikadellen, Fisch und Hähnchenschenkel. Letzteres kann dann mit wahlweise Nudeln, Kartoffelpüree, Buchweizen oder Reis kombiniert werden. Manchmal gibt es auch eine Art Gulasch. Hier kann man sich als Neuling auch mal täuschen mit dem Preis, der für das Fleisch oftmals nicht pro Portion sondern pro 100g angegeben ist.

Natürlich darf ein passender Nachttisch nicht fehlen. Neben den bereits geschilderten süßen Semmeln befinden sich in einer gekühlten Theke Torten. Sie sehen meist aus wie deutsche Sahne – oder Buttercremetorten, sind aber für den deutschen Geschmack einen Tick zu süß. Ein Klassiker der nicht fehlen darf ist “Medovik”, eine millefeuille-artige Honigtorte, bei deinen der Teig sich mit süßer Cremefüllung abwechselt.

TeremokWeiter geht es dann zu den Getränken: neben schwarzen oder grünen Tee, Kaffee oder Wasser, gibt es meist auch “kompot”, ein Getränk, dass aus Trockenfrüchten und Zucker hergestellt wird. Nun nur noch bezahlen und sich einen Platz suchen. Das Publikum ist sehr gemischt: selbstverständlich gibt es Studenten, die es als Ersatz für die Mensa nehmen, aber auch Arbeitende, jung und alt gleichermaßen. Das verwundert nicht angesichts der Preise: einen Teller Suppe gibt es im Schnitt für 45- 60 Rubel, das Hauptgericht kostet je nach Fleischart zwischen 100 und 200 Rubel, ein Getränk ca. 30-50 Rubel. So kann man bereits für 150 Rubel (ca. 2,10 Euro zum Kurs von 1Euro =70Rubel)) satt werden.

Wer nicht diese breite Auswahl möchte und Fan von Pfannkuchen ist, kommt bei den Ketten “Чайная ложка” [tschájnaja lóshka] oder “Теремок” [Teremok] auf seine Kosten. Denn hier gibt es statt Burger die russischen Blini in allen Varianten. Wobei in Russland “блины” [blini] einfach nur Pfannkuchen heißt. Auch hier kann man meist noch einen Salat auswählen und dann Pfannkuchen in allen möglichen süßen und herzhaften Varianten. Beispiele sind Pfannkuchen mit roter Beerenmarmelade, Schokosauce, Schokosauce und eingerollter Banane, Topfen oder Honig, Pfannkuchen mit Lachs, mit roten Kaviar, mit Champignons und Salat, mit Tomaten und Hühnchenstückchen und Knoblauchsauce…

Auch hier bestellt man an der Theke und geht dann mit seinem Tablett zu einem freien Platz. Zur Mittagszeit gibt es hier meist noch ein spezielles Angebot des “Businesslunch”, der in den Restaurants im Zentrum allgemein üblich ist. So gibt es meist zwischen 12 und 16 Uhr ein vergünstigtes Menü, bei dem man ein Getränk, ein Tagesgericht und eine Suppe für 200 bis 350 Rubel bekommt. Ansonsten kosten solche gefüllte Pfannkuchen zwischen 60 und 150 Rubel.

Eine weitere Variante für ein russisches Mittagessen sind Restaurants, in denen es russische “Pierogi” gibt. Sie sind nicht zu verwechseln mit den polnischen Piroggen, die den schwäbischen Maultauschen ähneln. Die bekannteste Kette ist sicherlich “Stolle“, die diese Art von herzhaften und süßen Pies anbieten. Meinem Geschmacksempfinden handelt es sich dabei um eine Art Hefeteig, der mit verschiedenen Sachen gefüllt wird. Beispielsweise Pirog mit Zitronenfüllung, Moosbeeren, Apfel-Zimt oder Johannisbeere, Hase und Champignons, Lachs-Dill, Quark, Weißkraut, Hähnchen… In diesen Restaurants kann man sich den Pirogkuchen auch zum mitnehmen bestellen und hat dann seinen russisches Mittagessen zum mitnehmen.