Wochenrückblick KW 7

Die Woche bestand überwiegend aus Arbeit. Am Faschingsdienstag wurden im Bezirk Mittags die Stempeluhren abgestellt – dass die ganzen Kollegen da auch heim gingen, führte zu sehr ruhigem und entspanntem Arbeiten. Ein bisschen fies ist allerdings, dass man Minusstunden auf dem Arbeitskonto bekommt, wenn man nicht die Hälfte seiner Arbeitszeit vormittags erbringt, weil man eben immer so spät wie möglich anfängt und dafür Abends lange bleibt. Wenn man dann auch noch TROTZDEM den ganzen Tag da war … na gut, lassen wir das. Ich habe ohnehin niemals mehr die Möglichkeit, meine Mehrarbeitsstunden irgendwie auszugleichen, so wie mein Vertrag aktuell gestrickt ist.

Sehr viel Zeit mit dem Flyer für die Brot-Ausstellung verbracht. Der Grafiker brachte leider das Kunststück fertig, dass der Entwurf mit jedem Korrekturlauf etwas unmotivierter, liebloser und hingeworfener aussah. Jetzt hoffen, dass die Version, die er hoffentlich Montag schickt, verwendbar ist. Dass wir ohnehin super knapp dran sind, ist dabei auch nicht grad hilfreich.

Am Wochenende zuhause. Nicht alleine schlafen RULEZ!

Zum Frühstücken am Samstag mit einer Freundin getroffen – ihre Eltern waren mal wieder da und wir wollten die Gelegenheit nutzen, um wenigsten zu versuchen, einen Termin für ein Familientreffen mit ihrer und meiner Familie zu vereinbaren. Pfingsten sollte hoffentlich klappen! Abends dann Nervenzusammenbruch wegen krasser Anforderungen für spannende Stellenausschreibungen bekommen – und mangelnder sonstiger Stellenangebote. Aber immerhin gab es SEHR leckeres Essen. Zusammen mit umarmt einschlafen hat das meine Stimmung dann wieder gerettet.


Im Museum der Brotkultur Ulm

Wir bereiten bei uns im Museum gerade die neue Sonderausstellung zum Thema “Brot. Nahrung mit Kultur” vor. Da liegt es relativ nahe nicht nur die Publikationen des Museums der Brotkultur in Ulm zu Rate zu ziehen, sondern auch mal einen Ausflug dorthin zu machen. (Das Europäische Brotmuseum in Ebergötzen hat ja leider über die Wintermonate geschlossen.)

Das Museum befindet sich im ehemaligen Salzstadel, in dem früher Getreide und zeitweise eben auch Salz gelagert wurde. Das Gebäude ist entsprechend imposant und hat großzügige Ausstellungsräume. In der Eingangshalle wurden die beiden Kollegen und ich von der Kassenkraft freundlich begrüßt. Leider darf man nur für private Zwecke und schon gar nicht für die Veröffentlichung in sozialen Medien fotografieren – was wir auch gleich unterschreiben mussten.

Das Museum basiert auf der Sammlung der Unternehmer Willy und Hermann Eiselen, die eine bunte Mischung aus Kunstwerken und Alltagsgegenständen zum Thema Brot sammelten. Entsprechend ist auch die Dauerausstellung aufgebaut. Kunstwerke dienen zur Erklärung von Geschichte oder stehen völlig für sich und wechseln sich auf jeden Fall bunt mit historischen Objekten ab. Die Ausstellung startet mit den Anfängen des Brotes im alten Ägypten – und der Ausstellungsband, den man für 4,50 EUR auch online bestellen kann, verrät eigentlich alles, was die Ausstellung zeigt. Das ist leider ein bisschen traurig, immerhin hatten wir uns ein bisschen weiteren Input erhofft. So haben wir uns immerhin über einige gelungene Inszenierungen besonders zum Brotbacken und drei schöne Medienstationen mit Filmen zu Verarbeitungstechniken von Teig gefreut.

An vielen Stellen ist die Dauerausstellung leider auch in ihrer Wegführung nicht immer ganz offensichtlich: So fanden wir uns mehrfach vor Detailtexten ohne die Einführungstexte wahrgenommen zu haben und besonders an der Stelle mit den Miniaturen, die das Brotbacken zu verschiedenen Epochen zeigen, ist es doch verwirrend, wenn man plötzlich mittendrin anfängt und dann rückwärts geht. Dafür hat das Brotmuseum allerdings auch eine Menge schöner Ausstellungsstücke: Besonders die Modelle von unterschiedlichen historischen Backstuben und Zunftgegenstände sind sehr beeindruckend.

Der Weg durch die Dauerausstellung endet recht seltsam, in dem die Objekte immer mehr in den Bereich Kunst und die Themen zu Politik der Ernährung rutschen – das führt dazu, dass zunehmend nur noch Bilder an der Wand hängen und die Texte immer länger werden. Mir als Kulturwissenschaftlerin machen solche Ausstellungen dann immer weniger Spaß.

Dafür konnten wir im Anschluss an unseren Rundgang noch mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums sprechen. Der zeigte uns ein paar der Objekte, die wir gerne ausleihen wollten. Und der Blick ins Depot eines Museums ist natürlich ohnehin immer spannend.

Insgesamt kann man bei einem Ulm-Besuch ruhig mal ins Museum der Brotkultur gehen. Vor allem, wenn man gerne (Brot) isst und sich generell für Essen und Lebensmittel interessiert. Der Eintritt kostet für Erwachsene momentan 4 Euro und ist damit auch für einen kurzen Besuch erschwinglich.

 


Wochenrückblick KW 6

Die letzte Woche bestand wohl vornehmlich aus arbeiten. Immerhin drängt die neue Sonderausstellung “Brot. Nahrung mit Kultur”. Die soll am 22. März eröffnen – und bisher ist nur recht wenig davon fertig gestellt. Mal wieder wünschte ich, es gäbe bei uns etwas mehr Organisation und Struktur. Und vor allem wären motivierte, engagierte Kollegen toll. So wird das dritte Ausstellungsprojekt, an dem ich nur mitarbeiten soll, zu einem, das ich wohl organisiere und strukturiere. Das klingt arrogant und überheblich, ist aber leider so.

Ansonsten habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, dem Lieblingskollegen, der sich gerade fürchterlich über unkollegiales Verhalten, Faulheit und Betrügereien am Arbeitsplatz aufregt (zu Recht!), zuzuhören und zu versuchen ihn zu bestärken. Gleichzeitig bestand die Herausforderung der stellvertretenden Leitung überhaupt verständlich zu machen, wo das Problem liegt. Die beiden Herren gerieten ziemlich aneinander – und wenn eine Seite noch nicht mal verstanden hat, warum sie gerade angegriffen wird, obwohl die andere seit einem halben Jahr sagt, was sie stört, dann besteht trotz allem immer noch Vermittlungsbedarf.

In meiner kargen Freizeit hatte ich die Freude gleich zwei Redaktionstelefonate per Skype zu führen. Zum Einen sitze ich seit letztem Sonntag äußerst spontan in der Redaktion des Bundesblattes meiner Verbindung. Zum Glück zusammen mit meiner lieben S., mit der ich sehr gerne zusammenarbeite, mit der ich auch mal streiten kann, aber wir am Ende doch einen guten Konsens finden und dann noch mit dem C., der gut zu unserem Team passen wird. In nur zwei Stunden, haben wir Aufgaben verteilt, Organisatorisches besprochen und geklärt, welchen Weg wir gehen wollen, wenn die zu befürchtenden schwierigen Beiträge eingehen werden. Zum anderen haben die sprachbegabte C. und ich zu Beginn des Jahres überlegt, wie wir etwas mehr Leben hier ins Blog bringen könnten. Inklusive langer freundschaftsfördernder Telefonate. Denn unser Plan sieht natürlich auch und gerade vor, dass wir diesbezüglich regelmäßig telefonieren und wer wären wir, wenn wir dabei nicht vom eigentlichen Thema ab- und zu allem, was uns sonst so beschäftigt hinkämen.

Am Samstag dann der Herzensschwester beim Umzug geholfen. Die hat ja den perfekten Umzug organisiert: Nach dem sie die halbe Familie um Hilfe gebeten hat, ist ihr aufgefallen, dass sie selbst ausgerechnet am Wochenende des Umzugs eine Fortbildung hat und deshalb selbst nicht mit anpacken kann. Dem Schwager ist dann noch beim Starten des Autos am alten Wohnort die Batterie ausgegangen – da musste er dann wohl oder übel und trauriger Weise eineinhalb Stunden auf den Abschleppdienst warten. Genug Zeit, dass der Rest von uns am neuen Wohnort schon locker den Transporter ausräumen und alle Kisten, Möbel und die Waschmaschine nach oben schleppen konnten. Immerhin war es beiden ausgesprochen peinlich. Und zugegeben saßen wir die längste Zeit des Nachmittags mit Kuchen versorgt herum und haben uns unterhalten. Als gute Schwester blieb ich über Nacht und habe noch beim auspacken und einräumen geholfen. Das hat sehr viel Spaß gemacht, denn die Wohnung ist wirklich schön und hat mich zu jeder Menge kreativer Einrichtungsideen inspiriert.

Am Sonntag dann Sauna. Endlich mal wider warm werden und zumindest versuchen dem Muskelkater und dem Arbeitsstress entgegenzuwirken.


Wochenrückblick KW 5

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Gefühlt war doch grade eben noch Heilig Abend und jetzt soll schon die 5. Kalenderwoche vorbei sein??

Begonnen hat sie jedenfalls schon mal ganz hervorragend mit zwei freien Tagen :) Am ersten hab ich es sogar in die Bibliothek geschafft. Am zweiten war ich mit den Kollegen im Brotmuseum in Ulm. Dazu später mehr.

Leider musste ich in dieser Woche dann aber doch zwei Tage arbeiten: Wobei der Arbeitstag am Mittwoch vor allem darin bestand quer durch Bayern zu gondeln. In Ingolstadt gab es ein Arbeitstreffen für das Projekt “Utopien in der Landwirtschaft”. Da habe ich die bisherigen Ergebnisse zu gemeinschaftlichem Leben auf dem Land vorgestellt. In der Gruppe kamen dann die berechtigten Einwände, dass ja leider keines der Beispiele (Raiffeisenbanken, Maschinenring, Molkereigenossenschaft, Gemeinschaftsanlagen auf dem Dorf) so richtig utopisch sei. Nur eine richtig gute Lösung dafür haben wir trotzdem nicht gefunden. Nun ja. Im Anschluss mussten wir auch gleich weiter Richtung Augsburg, wos eine Besprechung zum weiteren Vorgehen für die Depotpläne der Bezirksmuseen gab. Der Donnerstag brachte dann das Vergnügen mit sich, dass ich morgens erst mal meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieb. Gleich gefolgt vom Missvergnügen, mich mit der fehlenden Computerlizenz und dem Mangel eines funktionierenden Rechners herumschlagen zu dürfen. Als ich endlich alles so weit geklärt hatte, kam auch schon die neue Volontärin von ihrem Rundgang mit der Museumsleitung zurück. Da habe ich dann den den Rest des Tages damit zugebracht, sie mit all den Infos zur Datenablage, Projekten und allem was mir sonst noch eingefallen ist zu überfordern. Werdet nie meine Volontärin, ich rede zu schnell und alle Infos kommen auf einmal und wehe ihr denkt nicht mit.

Abends gings dann zum Glück schon wieder für ein langes Wochenende voll Aktivitäten nach hause. Denn am Wochenende war großes Fest in meiner Verbindung. Da konnte ich endlich mal wieder all meine Freunde und Freundinnen wieder sehen. Manche treffe ich leider nur noch einmal im halben Jahr – und auch wenn es dann immer wieder ist, als wäre es erst gestern gewesen, bleibt es doch traurig, dass der tägliche Kontakt fehlt. So hatten wir aber zwei Tage, um viele Gespräche nachzuholen, die aktuellen Lebensstationen aufzufrischen und endlich mal wieder einfach nur lange und gemütlich zusammen zu sitzen.


Der Geruch von Büchern – Hisako Inoues Bibliothek der Gerüche

Vermutlich hat jeder, der sich einmal im Antiquariat nach Büchern umgesehen hat, ein Buch nach dem ersten Griff wieder weggelegt, weil es so intensiv roch. Ein leichter Moderduft von zu feuchter Lagerung oder der starke Geruch nach Zigarrettenrauch sind wahrscheinlich die stärksten Büchergerüche.

Vermutlich war das eine Inspiration für Hisako Inoue, Bücher einmal anders zu präsentieren – nämlich mit einem Hauptaugenmerk auf ihren olfaktorischen und haptischen Eindruck. Hisako Inoue hat an der Joshibi Universität für Kunst und Design in Kanagawa studiert, an der sie seit  2004 auch als Dozentin tätig ist. Dabei hält sie auch Geruchsworkshops, um Geruchskunst praktisch erfahrbar zu machen. Seit 2013 arbeitet sie mit der Wissenschaftlering Dr. Mika Shirasu zuammen, die Gerüche an der Universität Tokio analysiert. Hisako Inoue war von August bis Oktober 2016 Stipendiatin der Villa Waldberta und präsentierte von Oktober 2017 bis Januar 2018 in der Ausstellung “Ricochet # 11: Hisako Inoue – Die Bibliothek der Gerüche” der Villa Stuck eine Auswahl antiquarischer Bücher. Zudem gestaltete sie zwei weitere Räume, die sich im weitesten Sinne mit Büchern befassen.

Dabei war das Auswahlkriterium der Geruch und das Anfass-Gefühl der Bücher. Die Besucher sollten zunächst ein Buch unter der Glasglocke hervor nehmen, hinein schnuppern und mit geschlossenen Augen das Buch berühren. Anschließend sollten sie überlegen, woran einen der Geruch selbst erinnert. Spannend war, dass  Hisako Inoue zehn Bücher von Dr. Mika Shirasu, ei chemisch auf die Hauptkomponten des Geruchs untersuchen ließ. Diese Analyse war dann dem Buch als Netzdiagramm dargestellt, sodass man als Besucher schnell einen Überblick hatte, welche Geruchskomponenten hauptsächlich den Geruch des Buches bestimmten. Diese Hauptgeruchskomponten konnte man an einem weiteren “Riechtisch” jeweils extrahiert in einer Glasflasche noch einmal schnuppern.

 Trotz der Aufforderung die Bücher anzufassen und zu riechen, standen die meisten Besucher erst einmal unschlüssig vor den Tischen mit den Glasglocken. Großartig fand ich, dass die Raumaufsicht die Besucher ermunterte, die Bücher in die Hand zu nehmen, daran zu riechen und sie zu be-greifen. Die Bücher lagen auf zwei großen Tischen auf, im ehemaligen sehr hellen Speisesaal der Villa Stuck. Die größten Exemplare unter ihnen waren nicht durch eine Glasglocke geschützt. Es gab Bücher, bei denen man die leichte Vertiefung der in das Papier gepresste Lettern spüren konnte. Glatte und geprägte Einbände, ganz raues oder weiches Papier. Süßlicher Zigarrenrauch oder scharfer, grasiger Geruch. Ich persönlich fand ein Buch mit einem süßlichen, sommerversprechenden Geruch besonders gut.

Die einzelnen Titel, welche das danebenliegende Buch unter Glasglocke beschrieben, fand ich persönlich manchmal irreführend, manchmal jedoch sehr treffend. Besonders gefallen hat mir zum Beispiel die Beschriftung zu einem Buch, dass von Hisako Inoue als “Schweiß eines Redakteurs” betitelt war.

Auch im zweiten Raum der Ausstellung lenkte Hisako Inoue den Fokus der Besucher auf einen Aspekt von Büchern, den man meist nicht bewusst wahrnimmt: die Geräusche, die mit Büchern verbunden sein können. Schritte durch eine Bibliothek, das Rascheln der Seiten beim Umblättern. Das ganze war leider in einem kleinem Raum mittels mehrerer Lautsprecher umgesetzt. Man konnte sich leider nicht hinsetzen, was dazu geführt hat, dass viele Besucher nur kurz in den Raum eintraten und nur einen kleinen Ausschnitt der Geräusche wahrnahmen. Im Vergleich zum ersten Raum mit den Büchergerüchen ließ mich das eher unbeeindruckt – auch weil die Geräusche aus den Lautsprechern sehr leise waren und die Gehgeräusche bzw. Gespräche der Besucher ein Hinhören und Wahrnehmen schwierig machten.

Im letzten Raum der Ausstellung befand sich schließlich ein Kubus, dessen Wände mit zerknüllten Papier beklebt waren. Zusätzlich lagen auf dem Boden des Kubus weitere zerknüllte Papiere. Die Besucher sollten in den Kubus hineingehen und beim Verlassen ein weiteres Blatt Papier zerknüllen und hinzufügen, dass am Eingang des Kubus bereit lag. Ich fand diese eigenartig kuschlige Atmosphäre innerhalb des Kubus, innerhalb der “Grundmaterialen” von Büchern sehr beruhigend. Nicht alle Besucher konnten mit diesem Klotz voll von Papier etwas anfangen und interagierten nicht mit der Installation. Das war jedoch meiner Meinung nach genau der Reiz daran – Bücher bzw. Büchermaterialien auch räumlich wahrzunehmen – weg von der reinen Informations- bzw. Unterhaltungsqualität eines Buches hin zu den Materialen, der Beschaffenheit und des Geruchs, der die Wahrnehmung eines Buches letztendlich doch stark beeinflusst.

Mein persönliches Fazit zur Ausstellung ist, dass es ganz wundervoll ist, dass endlich jemand mal die olfaktorischen und haptische Dimension von Büchern in den Mittelpunkt rückt. Allerdings musste man schon sehr offen sein und Zeit mitbringen, um von der Ausstellung etwas mit zu nehmen. Denn ansonsten war man  wohl eher schnell bei der Feststellung, was denn besonderes an zweizwanzig antiquarischen Büchern sein sollte oder auch an zerknüllten Papier in einem Kubus. Ohne sich bewusst darauf einzulassen, nacheinander an den Büchern zu schnuppern und zu versuchen die feinen Geruchsunterschiede wahrzunehmen, war der Saal mit den Büchern nichts weiter als ein Saal mit 22 antiquarischen Büchern, die alle mehr oder weniger “gebraucht” rochen. Nur wer sich traute die Bücher ganz wahrzunehmen und mit eigenen Geruchserinnerungen zu verbinden suchte, konnte an der Ausstellung auch etwas über die reine Objektpräsentierung hinaus mitnehmen. Letztendlich hat dieser “emotionale” Aspekt auch eine Art “Individualisierung” des Ausstellungserlebnisses zur Folge. Denn letztendlich nimmt jeder die Büchergerüche anders wahr als der Besucher vor ihm und verbindet mit diesem bestimmten Geruch andere Erinnerungen: der Nachmittagskaffee bei der Oma mit dem starken Parfüm, der Onkel, der gerne Klassiker las und dabei Zigarre rauchte, Bücher, die nach langen Lesenachmittagen im Gras riechen oder an das Kinderzimmer in den 70er Jahren erinnern usw. Auch der Papierkubus lässt sich nur durch das eigene Hineingehen, umschauen und Raum wahrnehmen als “Kunst” erfahren, welches auf Bücher verweist. Bleibt man jedoch in der passiv-rezeptiven Haltung, so bleibt es ein Kubus, der mit geknüllten Papier gefüllt ist und zwei Drittel ds alten Ateliers von Franz von Stuck einnimmt. Ein Objekt, dass nicht in die Umgebung passt und noch weniger zu den ersten Assoziationen, die man zu Büchern hat. Diese Ausstellung war gewissermaßen nur durch die eigene Mitarbeit vollständig zu erleben – ganz anders, als dies bei den meisten anderen Ausstellungen ist, die eher passiv rezipiert werden.

Ich fand in dieser Ausstellung spannend, dass man die ausgestellten Bücher nicht über den Inhalt wahrnahm, sondern tatsächlich den anderen Sinneseindrücken Raum gegeben wurde. Für mich spielt der Geruch von Büchern beim Leseerlebnis eine große Rolle. Daher bestelle ich auch ungern bei Online-Antiquariaten, weil selten eine Angabe zum Geruch gemacht wird. Ein Buch, das jedoch für mich abstoßend riecht, kann ich nicht lesen, weil meine Sinne sich zu sehr mit dem Geruch beschäftigen und ich mich nicht auf den Inhalt des Buches konzentrieren kann.

 

 

 


Wochenrückblick KW 4

Das war irgendwie eine müde Woche. Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit. Vor allem zu wenig Energie, die To Do Liste anständig aufzustellen, einzuteilen und dann einfach abzuarbeiten. Trotzdem ‘ne Menge geschafft, auch wenn es sich gar nicht so angefühlt hat: Immerhin steht jetzt ein vielleicht tragfähiges Konzept für das Utopien-Projekt. Grad fehlt vor allem noch ein Titel. Wenig hilfreich waren dagegen vor allem all die Dinge, um die mich der Lieblingskollege gebeten hat, die mit dem, was ich erledigen wollte, aber leider so wenig zu tun hatten: Aber hey, ich nähe ja so gerne Inventarnummern in Textilien und es gibt nichts schöneres als Inventarfotos zu machen, zu bearbeiten, am richtigen Ort abzuspeichern und mit der Datenbank zu verknüpfen.

Vielleicht gibts doch einen Anschlussvertrag für zwei Monate. Unterschrieben habe ich immer noch nichts, aber hey! bis Februar sind ja noch zwei ganze Tage Zeit. Die langsam mahlenden Mühlen der Verwaltung machen mich etwas zynisch.

Im Ausgleich habe ich ein spannendes Jobangebot für danach bekommen: Es gibt doch tatsächlich noch Museussammlungen, die komplett von vorne inventarisiert werden müssen. Das ist natürlich sehr, sehr interessant, da man in so einem Projekt wirklich was abarbeiten und mit etwas Plan und Konzept echt schöne Grundlagen schaffen kann. Jetzt muss ich dringend googeln, wie das als Freiberufler im Kulturbetrieb so wäre. Großer Nachteil: es sind nur 600 Stunden für das ganze Projekt veranschlagt.

 

Langes Wochenende Zuhause. Wunderbar ist das Gefühl, am Samstagabend so sehr angekommen zu sein, dass ich kurz überlegen musste, ob ich wirklich erst einen Tag da war. So viel Zeit, um zu lesen, einzukaufen, Kuchen zu backen, Freundinnen zum Kuchen essen zu treffen, fern zu sehen, mit anderen Freunden frühstücken zu gehen und in der Bibliothek zu sitzen. Und gleichzeitig mal nicht das Gefühl zu haben, dass alles und jeder und besonders die Beziehung zum Partner zu kurz kommt, wenn man irgendwas davon macht. DREI MAL nicht allein schlafen. Großartig ist das.


Wochenrückblick KW 3

Das Thema Bewerbungen wird immer drängender. Mittwoch hatte ich einen Termin beim Arbeitsamt. Der war zum Glück deutlich weniger schlimm, als erwartet. Wir haben vereinbart, dass ich mich halt erst mal auf Stellen bewerbe, Fahrtkosten auch gleich deutschlandweit gezahlt bekomme ohne, dass ich dafür extra Anträge stellen müsste. Da ich ja durchaus gerne arbeiten gehe und dabei Spaß habe, waren wir uns bei der Notwendigkeit Bewerbungen zu schreiben ohnehin einig. Schicke Bewerbungsunterlagen habe ich jetzt auch. Wie schön es doch ist, wenn man Medientechniker im Familienkreis hat. Jetzt müsste ich nur mehr Anschreiben schreiben. Am Besten kreativ, innovativ, motiviert und kreativ;)

Zu Weihnachten habe ich von der in Paris lebenden Freundin eine Flasche Rotwein bekommen. Und welch wunderbares Geschmackserlebnis: Ich habe meinen ersten Wein probiert, bei dessen erster Nase und erstem Schluck ich an feuchte Erde dachte. Bisher schmeckte ich ja immer nur die unterschiedlichsten Früchte. Vielleicht muss ich wieder mehr Wein trinken und anfangen gezielt Geld dafür auszugeben.

Ein bisschen beim “Utopie Landwirtschaft”-Projekt voran gekommen. Wie immer erweist es sich als hilfreich, ein ANDERES dringendes Thema zu haben. Das Stichwort ist Prokrastination. Wenn es gut läuft, dann fange ich bei zwei Projekten nicht an die Wohnung zu putzen sondern lieber das eine oder das andere zu machen – schön abwechselnd. Jedenfalls habe ich ein sehr interessantes Gespräch mit dem Kollegen geführt, der Nebenerwerbslandwirt ist. Ich liebe es ja sehr, Neues zu lernen. Und zum Thema Landwirtschaft ist das sehr einfach, weil ich dazu keine Ahnung habe. Von meinem fundierten Halbwissen mal abgesehen. Jedenfalls weiß ich jetzt wie Maschinenringe funktionieren (gut, und WAS man da alles für Vergünstigungen kriegt… Falls man mal bei einem Auto sparen will, sollte man Bekannte im Maschinenring haben.). Ich habe gelernt, warum die Raiffeisengenossenschaften nicht mehr ausreichen, um genug Vergünstigungen für Saatgut und Dünger zu bekommen. Stattdessen bilden die Bauern andere Einkaufsgemeinschaften, um so Großmengen abnehmen zu können und entsprechend günstigere Preise zu bekommen. Ich hab natürlich trotz allen Verständnisses “Papa ante Portas” im Ohr: “Bei zehn Gläsern sparen Sie 60 Pfennig.” – “Das klingt schon besser! Und bei Fünfzig?” Es ist ja ohnehin immer wieder spannend sich mit Landwirten zu unterhalten: Die haben eine völlig andere Sicht auf die Welt, als normale Menschen. Ich glaube, wenn man eigentlich Nahrungmittel produzieren möchte, dann ist man irgendwie bodenständiger und realitätsnäher. In Berlin ist ja gerade “Grüne Woche” – und die Reaktion von Bauern darauf ist nur wenig begeistert. Die meisten würden gerne – vielleicht sogar ohne Subventionen?!? – nicht draufzahlen wenn sie ihre Felder bewirtschaften. Die Sätze “wir sind nur bessere Landschaftspfleger” und “die Subventionen gibt es nur, damit wir nicht aufhören, Landwirtschaft zu betreiben und im Krisenfall die Versorgung gewährleisten können” hängen mir auf jeden Fall nach.

Am Wochenende konnte ich schon wieder nach Hause fahren. Dort nur gemeinsam eingeschlafen und aufgewacht. Im Second Handladen der Wahl gewesen, weil ich gucken wollte, ob sie ein Oberteil da haben, das Bewerbungstauglich ist. Hatten sie. Und außerdem gleich noch passende Stiefel, ein Top, ein Dirndl, das definitiv in die Kategorie #noktoberfest fällt, aber eigentlich ohne Schürze zum Glück einfach nur ein schickes Jeanskleid ist. Das Beste daran, arbeiten zu gehen, ist eindeutig, dass ich mein ganz und gar eigenes Geld ohne schlechtes Gewissen für genau das ausgeben kann, worauf ich Lust habe.

Hinterher mit der geschätzten Studienfreundin einem britischen Nachmittag gefröhnt. Wir haben endlich die letzte Staffel Doctor Who zu Ende geguckt – und beten jetzt, dass das Christmas Special und die nächste Staffel besser werden. Denken Sie sich hier einige Ausfälligkeiten gegenüber Steven Moffat. Ansonsten gab es köstlichen Tee, wir fabrizierten die bewährten Gurkensandwiches, buken die wundervollsten Scones und hatten sogar Clotted Cream dazu. Dafür dass der Creamtee als leichte Zwischenmahlzeit gedacht ist, ist mir hinterher meistens verdächtig übel.

Abends wurde ich dann noch mit der zartesten Tajine bekocht, die möglich ist. Verwöhnwochenende de luxe.


Wochenrückblick KW 2

Der Urlaub ist zu Ende. Eigentlich wollte ich gerne Überstunden abbauen, aber natürlich habe ich es wieder nur zwei Tage lang geschafft, eher nach Hause zu gehen. An allen Ecken gibt es zu viel zu tun. Die neue Sonderausstellung für 2018 muss erarbeitet werden – verdreht wie bei uns manches ist, bedeutet das, dass ich dem wissenschaftlichen Mitarbeiter helfe, seine Arbeit zu strukturieren, in Häppchen aufzuteilen und ihm sage, wann er was erledigen soll. Es zieht sich alles, wie immer. Das Utopien-Projekt kommt auch nicht so recht vorwärts. Ich würde gerne mehr dafür lesen, aber es bleibt so wenig Zeit für Konzentration. Außerdem sind in der Sammlung ein paar Dinge liegen geblieben. Als “ja ich nähe dir die Inventarnummern ein und versuche zu sagen, was für Stoff das ist und wie das verarbeitet ist”-Nicht-Textil-Expertin helfe ich dem Museologen ja besonders gerne beim inventarisieren von Kleidung, Tischdecken und Co. (Gibt es eigentlich ein gutes Buch zum inventarisieren von Textilien? Wie erkenne ich das Material von Stoffen?!?) Funfact: Seit ich vor etwa einem Jahr neues Webband für die einzunähenden Inventarnummern gekauft habe, haben wir so viele Textilien inventarisiert, dass nur noch ein Drittel davon da ist. Und das obwohl wir zumindest inoffiziell einen Sammlungsstopp für Textilien haben, weil das Depot aus allen Nähten platzt-. Pun intended.

Endlich mal wieder nach Hause nach Göttingen gefahren. Im Zug gearbeitet – endlich mal Ruhe, um an einem Ausstellungskonzept zu schreiben.

Die Wochenendbeziehung wird immer dann besonders unerfreulich, wenn einer von uns im Urlaub ist: Das führt dann leider gleich immer zu wochenlangem Nicht-Sehen. Die Wiedersehensfreude ist dafür dann umso größer. Am Besten wie immer: Gemeinsam eingeschlafen, gemeinsam aufgewacht. Ich schlafe ja signifikant besser, wenn ich nicht allein bin. Insgesamt war das Wochenende – wie immer – viel zu kurz.

Im Zug zurück Bewerbungen geschrieben und das neue Bewerbungsfoto bearbeitet. Wie immer fasziniert davon, wie lang man an einem Bild herum optimieren kann.

Wie jedes Wochenende, wenn ich erst mal 30 Minuten mit dem Auto zum und vom nächsten “Fern”verkehrsbahnhof fahre, an dem exakt 2 ICs am Tag halten und der den Namen kaum verdient hat, ärgere ich mich, dass es niemand in diesem Land für notwendig hält, Bahnstrecken auszubauen. Klar, jedes Jahr versiegeln wir quadratkilometerweise Oberfläche mit neuen Autobahnen, Bundes- und Landstraßen. Aber ich komme von der nächst größeren Stadt nicht in nennenswerter Zeit zu einem Fernverkehrsbahnhof. Bedenkend, dass hier mal jeder zweite Ort einen Bahnhof hatte und es gute Bahnstrecken in alle vier Himmelsrichtungen gab, möchte ich regelmäßig zu Weinen beginnen. Das würde auch mal Arbeitsplätze schaffen: Zugpersonal, Bahnhofspersonal, Service für Bäcker, Kioske… Aber Deutschland subventioniert ja lieber VW und Co.


Wochenrückblick KW 1

Silvester ist ja nicht so mein Feiertag. Während Weihnachten mit der Familie für mich auch ohne den Mann an meiner Seite funktioniert, fehlt er an Silvester dann immer sehr. Es ist ein bisschen komisch, weil ich keine Silvestertradition habe und den Jahreswechsel als bedeutungsschwere Tage auch eher albern finde. Da könnte man doch annehmen, dass es beim Familienfest mehr auffallen würde, wenn ein wichtiger Teil meiner Familie fehlt. Aber an den Weihnachtstagen ist es eben auch laut und turbulent und es gibt leckeres Essen und tolle Geschenke. Silvester ist für mich dagegen meistens eher ruhig und beschaulich, am liebsten würde ich das komplett ignorieren – da bleibt dann eben auch mehr Zeit zum Nachdenken, in der auffällt, wer gerade ziemlich fehlt.

Aber eigentlich wollte ich mich ja eher darauf konzentrieren, was gut war!

Eine dritte Urlaubswoche am Stück. Eigentlich hatte ich kurz vor, doch was zu arbeiten. Aber das letzte Jahr war so voll Arbeit, dass ich mich dann doch lieber dazu entschieden habe nichts zu tun. Also habe ich mehr oder weniger nur ferngesehen. Nebenher habe ich zwei Paar Socken und eine halbe Mütze gestrickt, das neue Stickzeug ausprobiert und ansonsten einfach nur rumgehangen. Ein großes Manko der eReader meiner Eltern: zuhause liegen keine Bücherstapel mehr rum, die man durchstöbern kann und die für Entdeckungen zum Schmökern über die Feiertage gut sind. Außerdem hat leider auch noch die wirklich gut sortierte Bücherei der Kirchengemeinde zugemacht, was auch zum Wegfall an Lesestoff führt. Also nichts gelesen, aber dafür alle Romcoms auf Netflix geguckt, die ich noch nicht kannte.

Nur langsam habe ich Lust bekommen mich mit den anstehenden Bewerbungen, wissenschaftlichen Themen im Allgemeinen und den aktuellen Themen auf der Arbeit auseinander zu setzen. Einerseits ist das gar nicht so gut, weil ich so vieles in der letzten Woche erledigen wollte. Aber dazu hätte ich es wohl halten müssen, wie fliggerit auf Twitter schrieb:

Andererseits hat das Nichtarbeiten dazu geführt, dass ich etwas Distanz zu meinem aktuellen Job gefunden habe, der bis Ende Januar befristet ist. Lange konnte ich mir zwischen allen Ausstellungsprojekten und laufenden Arbeiten so gar nicht vorstellen, dass ich irgendwo anders arbeiten soll, das geht jetzt endlich einigermaßen.


Selbstversuch 2018

Meinen letzten Blogeintrag habe ich im Mai 2016 geschrieben. Das musste ich gerade nachsehen. Und dass ich in den letzten zwei Jahren tatsächlich mal gebloggt habe, hat mich selbst überrascht. Ich träume zwar davon, tolle und lesenswerte Texte zu produzieren. Aber zu schreiben ist für mich nicht so ein Bedürfnis, wie es das für viele zu sein scheint, die es schaffen, regelmäßig zu bloggen. Denn nie scheine ich Zeit zu finden, mich hinzusetzen und zu schreiben. Und natürlich bin ich mit meinen eigenen Texten immer unzufrieden.

Vermutlich liegt es auch daran, dass das Konzept dieses Blogs nicht so gut funktioniert. Ich wollte kein Tagebuch, aber doch so eine Art Kulturtagebuch führen. Persönlich sein, ohne aber selbst allzu sehr im Fokus zu stehen. Vermutlich auch: mich möglichst unangreifbar machen, denn ist es gar nicht so ungefährlich im Internet sichtbar zu sein und Angriffsfläche zu bieten. Andererseits mach Schreiben ohne Publikum aber auch keinen Spaß – es ist also schwierig.

Aber: ich irgendwie vermisse ich das Bloggen dann scheinbar doch. Und in den drei Wochen Urlaub, die ich gerade hatte, habe ich immerhin schon mal geschafft, ein neues (langweiliges) Theme zu installieren. Jetzt ist wenigstens die Optik nicht mehr so verstaubt. Und ein oder zwei Themen, über die ich gerne schreiben würde, gibt es auch.